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FAZ.NET-Übersteiger Wo sind Suppenkasper und Stinkefinger geblieben?

17.10.2008 ·  Früher war alles besser im Fußball: Vor allem die Kultur des Abschieds aus der Nationalmannschaft hat spätestens mit der Fahnenflucht Kuranyis und der Mitleidstour von Frings stark gelitten. Stein, Effenberg oder Schumacher verabschiedeten sich noch auf unflätige Weise oder gar mit einem Skandalbuch.

Von Daniel Meuren
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Der arme Torsten Frings: Nicht einmal zum Warmlaufen durfte er! Ein fürchterliches Schicksal für einen Fußballer im kalten Herbst des Jahres 2008 und vielleicht auch seiner Karriere. Da saß er also im Mönchengladbacher Borussen-Park und fror. Er, der 78 mal für den Jogi, den DFB, für Deutschland und weiß Gott noch wen die nun frierenden Knochen hinhielt.

Allzu gern wäre er wenigstens ein paar Meter jenseits der Aus-Linie hin und her getrabt, um den fast 32 Jahre alten Körper wenigstens auf eine angenehme Temperatur am kühlen Herbstabend zu bringen. Doch Jogi verweigerte selbst diese Respektsbekundung und schickte die von der Fifa bei WM-Qualifikationsspielen streng limitierte Anzahl von drei anderen Spielern zum Aufwärmen. Eine Demütigung!

Ausheulen auf dem Boulevard

Zwei Tage später heult sich Frings nun auf dem vierbuchstabigen Boulevard aus, denkt über einen Rücktritt nach. Einen „Kuranyi zu machen“ hat er freilich nie erwogen. Dabei hätte Frings es doch noch viel besser machen können als der Schokoladen-Aufstrich-Bubi aus Schalke. Schließlich war er schon im Innenraum des Stadions, während Kuranyi hoch oben auf die Dortmunder Ränge verbannt war. Der Bremer hätte sich also von der Ersatzbank entfernen können mit dem Hinweis, Halbzeit zwei lieber von der Bank der Waliser aus betrachten zu wollen, wäre nach dem Spiel mit den Gästen in der Kabine verschwunden und hätte durch deren Nationaltrainer John Toshack auf der Pressekonferenz seinen Rücktritt verkünden lassen können.

Aber nein, für solche Kurzschlusshandlungen ist ein Frings zu sehr Teamplayer, sagt er. Tatsächlich hat in dieser Woche die Kultur der wirklichen und angedrohten Nationalmannschaftsabschiede gelitten: Uli Stein hat sich 1986 in Mexiko den verfrühten Rückflug auf DFB-Kosten mit dem Wort „Suppenkasper“ redlich verdient, gewidmet seinem Vorgesetzten Franz Beckenbauer, weil dieser Toni Schumacher den Vorzug im Kampf um die Nummer eins gab.

Maß aller Abschiede bleibt Effenbergs „Stinkefinger“

Eben dieser Schumacher zog ein Jahr später mit Stein gleich, indem er sich durch die fußballphilosophische Streitschrift „Anpfiff“ ins Toraus bugsierte. Schumacher schrieb - bis heute seiner Zeit voraus - von Doping im Fußball und erzürnte damit die Gemeinde des beliebten Ballspiels. Maß aller Nationalmannschaftsabschiede ist und bleibt bis auf weiteres freilich Stefan Effenberg mit seinem „Stinkefinger“. Stilgerecht und authentisch streckte Effenberg 1994 in den Vereinigten Staaten seinen Mittelfinger den deutschen Fans entgegen - und gab seinem Trainer Berti Vogts den Steilpass zum Rauswurf.

Was ist im Vergleich dazu eine Fahnenflucht im Stile Kuranyis oder eine Heulsusen-Aktion wie die des Herrn Frings? Darf man von einem volltätowierten Hard-Core-Metal-Fan nicht mehr erwarten?

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