Der FC Bayern München begeistert die Bundesliga weiter mit Fußball-Feinkost und hat momentan wohl nur den Meisterschaftszweiten FC Schalke 04 zu fürchten. „Von meiner Seite aus könnte es so weitergehen“, frohlockte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer nach der 4:0-Gala bei Werder Bremen.
Seit 40 Jahren hatte sein Club in dem Nord-Süd-Hit nicht mehr so hoch gewonnen. Sportlich auf Augenhöhe mit den aufgerüsteten Bayern sind momentan nur die Schalker, die sich mit 4:1 im emotionalen Westderby gegen Borussia Dortmund für die bittere, den Titel kostende 0:2-Niederlage vor 14 Wochen revanchierten.
Punktgleich mit München ist der Hamburger SV nach dem 1:0 am Sonntag gegen Bayer Leverkusen Tabellen-Zweiter. HSV-Kapitän Rafael van der Vaart ließ dabei seinen provokanten Transfer-Aktivitäten per Handelfmeter den entscheidenden Treffer folgen. Leverkusen bleibt sieg- und torlos. Am Freitag muss der HSV beim VfL Bochum antreten, der sich in der zweiten Sonntags-Partie dank zweier Treffer von Tommy Bechmann 2:1 bei Energie Cottbus durchsetzte. Dagegen legte Meister VfB Stuttgart mit dem 1:3 bei Hertha BSC einen kapitalen Fehlstart hin und spürt schon nach zwei Spieltagen die Last des Titels.
BVB-Präsident fordert schon „Konsequenzen“
„Diese Spielfreude macht Spaß“, lobte Beckenbauer seine Bayern-Profis. Garant für die neue Spielkultur für Gourmets ist vor allem Neuzugang Franck Ribéry, der mit einem verwandelten Foulelfmeter für die Führung sorgte. „Es ist ein Genuss ihm zuzuschauen“, sagte Münchens Torwart Oliver Kahn, der den Erfolg über die Bremer als „richtiges Achtungszeichen“ bezeichnete. Werder- Trainer Thomas Schaaf gestand angesichts der großen Verletztenmisere an der Weser ein: „Wir können im Moment nicht mehr.“
Bei Borussia Dortmund hatte man viel mehr erwartet und muss nach der zweiten Niederlage wieder mit Selbstzweifeln kämpfen. „Das muss Konsequenzen haben“, forderte erbost BVB-Präsident Reinhard Rauball mit Blick auf insgesamt sieben Gegentreffer und den letzten Tabellenplatz. Für weitere Unruhe in Dortmund könnte der Rassismus-Vorwurf gegen BVB-Torwart Roman Weidenfeller sorgen, der den Schalker Gerald Asamoah als „schwarzes Schwein“ bezeichnet haben soll. Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) hat Ermittlungen angekündigt. (siehe auch: Asamoah beklagt rassistische Äußerung - DFB ermittelt)
„Balsam“ für Schalke
Bei Schalke 04 keimt dagegen nun doch die Hoffnung, dass trotz der zurückhaltenden Einkaufspolitik die Qualität für einen Titelangriff reicht. „Dieser Sieg gibt uns die Meisterschaft nicht zurück, ist aber ein wenig Balsam“, meinte FC-Manager Andreas Müller. Der exzellente Schalke-Spieler Christian Pander ist überzeugt, dass es so weitergeht: „Wir haben das Zeug, um oben mitzuspielen.“
Diesen Anschein erweckt Titelverteidiger Stuttgart nicht. „Das darf nicht passieren, wir haben das Spiel klar dominiert“, wetterte VfB-Chefcoach Armin Veh. „Ich sehe es nicht dramatisch, allerdings fehlen die Punkte.“ Aufatmen konnte man bei den Berlinern, denen man nach dem radikalen Umbruch und den vielen Spielerverkäufen wenig zutraute. „Wir sind glücklich, weil keiner damit gerechnet hat“, meinte Hertha-Torschütze Malik Fathi.
Marcelinho macht den Unterschied
Als Spitzenmannschaft hatte auch niemand Arminia Bielefeld auf dem Zettel, das nach dem 3:1 in Wolfsburg nun ein 2:2 gegen Eintracht Frankfurt nachlegte - und sich dabei dumm anstellte. „Wir waren zu doof zum Gewinnen“, sagte Arminia-Profi Matthias Langkamp. Denn nach einer 2:0-Führung hatte man sich den Sieg noch in den letzten drei Minuten entreißen lassen. Der Abwehrspieler gewann der Schlafmützigkeit aber noch etwas Gutes ab: „Wären wir noch Tabellenführer geworden, hätten alle verrückt gespielt.“
Entzückt war Wolfsburgs Trainer und Manager Felix Magath nach dem 3:1 beim Aufsteiger MSV Duisburg über seinen genialen Brasilianer Marcelinho. „Er ist der Spieler, der den Unterschied in einer Mannschaft ausmacht“, meinte er. Mit einem Treffer und zwei Vorlagen war der Brasilianer Garant für den ersten Saisonerfolg. Anerkennung fand Marcelinho auch bei seinem für Duisburg spielenden Landsmann Ailton, der nach 15 Monaten ein erfolgloses und blasses Bundesliga-Comeback von 36 Minuten gab: „Er hat das Spiel allein gewonnen.“
Hansa sucht Verstärkung
Der von vielen als Absteiger Nummer eins angesehene FC Hansa Rostock bestätigte diese Einschätzung mit der zweiten Saisonniederlage gegen den 1. FC Nürnberg (1:2). Um das Ziel Klassenverbleib doch zu schaffen, wollen die Rostocker sich noch einmal auf dem Transfermarkt umschauen. „Wenn wir einen Spieler finden, der zu uns passt und der uns weiterhilft, werden wir ernsthaft darüber nachdenken“, sagte Hansa-Coach Frank Pagelsdorf.
Vermasselt hat Mitaufsteiger Karlsruher SC mit einem 1:2 gegen Hannover 96 das erste Bundesliga-Heimspiel seit neun Jahren. Die Niedersachsen wollen nach diesem Erfolg nun dem FC Bayern als erste ein Bein stellen. „Jetzt wollen wir auch gegen die Bayern etwas holen“, kündigte 96-Coach Dieter Hecking an.