Der 30. Bundesliga-Spieltag markierte für den FC Bayern München das Ende einer großen Ära: Nach zehn Jahren in der Champions League muss sich der deutsche Rekordmeister nach der 0:2-Demütigung beim VfB Stuttgart wohl mit dem Uefa-Cup abfinden und einen Neuaufbau beginnen.
„Ich freue mich darüber, dass sie uns jetzt ein bisschen in die Pfanne hauen“, sagte Bayern-Präsident Franz Beckenbauer der „Welt am Sonntag“. „Das ist eine Chance. Da kannst du dich als Verein erneuern und sagen: So, jetzt packen wir es wieder an.“ Auf Meisterkurs ist 49 Jahre nach seinem letzten Titelgewinn der FC Schalke 04, der gegen Energie Cottbus (2:0) die Tabellenspitze nach nur 19 Stunden von Werder Bremen zurückeroberte.
Mainz erkämpft Remis in Hamburg
Nur ein Wunder kann Borussia Mönchengladbach nach der 0:1-Niederlage am Sonntag bei Hannover 96 (31./Arnold Bruggink) vor dem schweren Gang in die Zweite Liga bewahren. Vier Spieltage vor dem Saisonende hat der auswärts erneut desolat aufgetretene Traditionsklub schon acht Punkte Rückstand zum rettenden Ufer.
Anders als die Borussia leistete der Vorletzte FSV Mainz 05 beim Hamburger SV (2:2) heftige Gegenwehr. Mohammed Zidan (12.) und Fabian Gerber (59.) brachten Mainz sogar zwei Mal in Front, doch Juan Pablo Sorin mit einem umstritten Foulelfmeter (23.) und „Edeljoker“ Paulo Guerrero (83.) konnten den wichtigen Punkt für den HSV retten.
Kahn: „Kein Lust auf Durchhalteparolen“
Bayern-Kapitän Oliver Kahn hatte nach der peinlichen Vorstellung des Noch-Meisters die Nase gestrichen voll. „Nach diesem Auftritt habe ich keine Lust mehr auf Durchhalteparolen“, schimpfte er. Eitel Sonnenschein herrschte dagegen bei den Stuttgartern, die vier Tage zuvor das DFB-Pokalfinale erreicht hatten. „Hut ab vor den Jungs. Das war ein toller Abschluss“, sagte VfB-Teammanager Horst Heldt nach der „Woche der Wahrheit“, an deren Ende der Tabellendritte fünf Punkte vor den Bayern steht. Ins Schwärmen geriet auch Trainer Armin Veh: „Heute waren wir richtig gut. Das war unser bestes Saisonspiel.“
Dies kann man vom Schalker Arbeitssieg gegen Cottbus, bei dem viel Dusel im Spiel war, nicht unbedingt sagen: Erst traf der Cottbuser Timo Rost (51.) die Latte und acht Minuten später ins eigene Tor. „Wir verlieren die Nerven nicht“, meinte 04-Chefcoach Mirko Slomka nach dem glücklichen Erfolg. Nach dem dritten Zu-Null-Sieg in Serie tönte Hamit Altintop jedoch voller Übermut: „Die Bremer können machen, was sie wollen. Wir geben die Schale nicht mehr ab.“
Leverkusen kann für Uefa-Cup planen
Sein Abwehrchef Marcelo Bordon, der das 2:0 markierte, trat dagegen auf die Bremse. „Noch haben wir nichts erreicht“, warnte er. Schließlich siegten die Verfolger Werder Bremen (3:1 gegen Alemannia Aachen) und Stuttgart im Gleichschritt. Der Bremer Diego schrieb dabei mit seinem Traumtor aus fast 63 Metern ein neues Kapitel für das Fußball-Geschichtsbuch.
Während der Kampf um den Titel wohl bis zum 19. Mai spannend bleibt, fiel im Kampf um einen Uefa-Cup-Platz eine Vorentscheidung. Bayer 04 Leverkusen verdrängte dank zweier Tore von Bernd Schneider Pokalfinalist 1. FC Nürnberg von Platz fünf. „Der Spieltag war wie gemalt für uns“, freute sich Bayer-Sportdirektor Rudi Völler, da zugleich die Europacup-Rivalen Hertha BSC und Cottbus verloren.
„Weiter extrem unter Druck“
Dramatisch geht es weiter im Gerangel um den Klassenverbleib zu, in das von Platz sieben abwärts noch zwei Drittel der Liga verstrickt sind. Gewinner im Abstiegskampf waren am Wochenende drei Westclubs. Gemischt waren die Gefühle bei Borussia Dortmund nach dem 1:0 bei Hertha BSC, dem zweiten Sieg unter dem neuen Trainer Thomas Doll. „Ich habe gedacht, wir hätten einen Riesenschritt nach vorne gemacht. Aber es war fast umgekehrt. Durch die anderen Ergebnisse stehen wir weiter extrem unter Druck“, meinte Kapitän Christian Wörns. Trotz des Erfolges in Berlin trennen den BVB nur zwei Punkte von Platz 16.
Dies gilt auch für den VfL Wolfsburg, der von Arminia Bielefeld im eigenen Stadion mit 3:2 niedergekämpft wurde. „Die Arbeitseinstellung der Spieler stimmt“, meinte Arminia-Coach Ernst Middendorp, „ob die Punkte unterm Strich verdient oder nicht verdient sind, ist mir gleich.“ Immerhin hatten die Gastgeber schon 2:1 geführt. „Wir sind das ja schon gewohnt. Im vergangenen Jahr mussten wir auch bis zur letzten Minute zittern“, sagte VfL-Coach Klaus Augenthaler bitter.
Immer ärger in die Bredouille gerät Eintracht Frankfurt nach der 0:3-Heimpleite gegen den VfL Bochum. „Wir sind die Verlierer des Spieltages“, bekannte Eintracht-Trainer Friedhelm Funkel, der sich von den aufgebrachten Fans „Funkel raus“-Rufe anhören musste. Schließlich waren seine Spieler im Stile eines Absteigers über den Platz gestolpert. „Mit solch einer Leistung wird es schwer, die Klasse zu halten“, meinte Abwehrspieler Markus Weissenberger, dessen Team nur ein Zähler von einem Abstiegsrang trennt. Bei den auf Platz neun gekletterten Bochumern trübte nur der perfekte Wechsel ihres Torjägers Theofanis Gekas (18 Tore) zu Bayer Leverkusen die Stimmung.
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(wtfargo)
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