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FAZ.NET-Spezial: Der 4. Spieltag Hertha Tabellenführer - Niederlagen für Topteams

18.09.2006 ·  Drei Favoriten, drei Niederlagen: Die Champions-League-Teilnehmer München, Bremen und Hamburg patzten in der Bundesliga. Neuer Tabellenführer ist Hertha BSC nach einem Sieg gegen Schalke 04. Frankfurt setzte sich im zweiten Sonntagspiel gegen Leverkusen durch. Mit FAZ.NET-Bildergalerie.

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Nürnberg vor Bremen, Aachen vor Hamburg, Cottbus punktgleich mit den Bayern und Hertha BSC neuer Tabellenführer - auch nach dem 4. Spieltag sorgt der Blick auf die Bundesliga-Tabelle für Verwunderung. Die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit wird vor allem bei den Champions-League-Teilnehmern immer größer. Wenige Tage nach dem Auftritt auf internationaler Bühne mußten Bayern München, Werder Bremen und der Hamburger SV empfindliche Rückschläge verkraften.

Gut erholt zeigte sich dagegen Hertha BSC nach dem Uefa-Cup-Dämpfer (2:2 gegen Odense). Mit einem 2:0 gegen Schalke 04 eroberten die Berliner die Tabellenführung. Bei den Königsblauen hatte die Ausmusterung von Nationalstürmer Gerald Asamoah wegen Kritik an Trainer Mirko Slomka vor der Partie für Unruhe gesorgt. Den ersten Bundesligasieg schaffte Aufsteiger Eintracht Frankfurt mit 3:1 gegen Bayer 04 Leverkusen, das damit weiter im Mittelfeld bleibt.

Auf der Suche nach Erklärungen für das unerwartete 1:2 bei der bis dahin sieglosen Arminia aus Bielefeld wurde Bayern-Coach Felix Magath schnell fündig: „Es ist normal, daß Mannschaften, die in der Woche international spielen, danach in der Bundesliga Punkte lassen.“

Hargreaves-Verletzung „fatal“

Der geplante Angriff auf die Tabellenspitze schlug gründlich fehl. Ein weitgehend unbekannter Profi verdarb dem Rekordmeister zum Auftakt des Oktoberfestes die Feierlaune. Mit einem sehenswerten Freistoßtreffer sorgte Neuzugang Jonas Kamper bei den Bayern nach dem famosen 4:0 über Spartak Moskau für Ernüchterung. „Endlich wieder ein Fußball-Fest in Bielefeld. Und die Bayern waren auch wieder dabei“, kommentierte Magath voller Ironie in Anspielung auf die 1:3-Schlappe an gleicher Stelle im Februar 2005.

Mehr noch als die Niederlage machte der Ausfall von Owen Hargreaves zu schaffen. Der englische Nationalspieler erlitt in der 24. Minute einen Wadenbeinbruch und fällt mindestens bis Anfang November aus. „Das ist fatal“, klagte Torhüter Oliver Kahn.

„Jetzt gibt es Gegenwind“

Bedenklicher als bei den Bayern ist die Stimmung in Hamburg und Bremen. Beide Teams leisteten sich binnen einer Woche drei Niederlagen in drei Wettbewerben. Deshalb wird das vermeintliche Spitzenspiel zwischen dem HSV und Werder am kommenden Wochenende zum Krisengipfel. Statt der angekündigten Wiedergutmachung für den peinlichen Pokal-Knockout bekamen die Fans Erschreckendes zu sehen. Fahrlässig verspielten die Bremer bei der 2:3-Heimpleite gegen den VfB Stuttgart eine 2:0-Führung. Aus seinem Ärger machte Manager Klaus Allofs keinen Hehl: „Wenn es einige noch nicht begriffen haben sollten, dann haben sie heute vielleicht einen letzten Weckruf bekommen.“

Nicht minder groß war die Enttäuschung in Hamburg. „Jetzt gibt es Gegenwind“, mutmaßte Trainer Thomas Doll im Anschluß an das 0:1 bei Borussia Dortmund. Nach acht Pflichtspielen ohne Sieg ist der runderneuerte Kader mächtig vom eingeplanten Kurs abgekommen. Aus Sorge um den Betriebsfrieden forderte Doll alle Beteiligten auf, Ruhe zu bewahren: „Wir dürfen jetzt nicht alles in Frage stellen, was wir uns in den letzten beiden Jahren aufgebaut haben.“

Guter Einstand für Hecking und Frontzeck

Als Mannschaft der Stunde entpuppt sich stattdessen ein Team, daß von den meisten Fachleuten als Abstiegskandidat Nummer 1 gehandelt wurde. Unbeeindruckt vom Pokal-Aus in Essen zog Außenseiter Energie Cottbus mit einem 2:0 über Mainz in der Tabelle sogar mit dem großen FC Bayern gleich. Bei aller Freude über den beachtlichen Saisonstart gab sich Trainer Petrik Sander bescheiden: „Der Blick auf die Tabelle verbietet sich, auch wenn es eine schöne Momentaufnahme ist.“

Auch in Nürnberg bereitet der Blick auf die Tabelle weiterhin Freude. Zwar verpaßten die Franken beim 1:1 gegen den VfL Bochum den möglichen neunten Heimsieg in Serie, stehen aber noch immer glänzend da. „Scheinbar sind wir dem Druck des Tabellenführers nicht gewachsen. Ich kann sehr gut damit leben“, sagte Trainer Hans Meyer.

Einen Einstand nach Maß feierten die beiden neuen Trainer in Hannover und Aachen. Dieter Hecking hauchte seinem Team auf der 96- Bank beim 2:1 in Wolfsburg am Freitag neues Leben ein und hatte mit der Begnadigung des zweifachen Torschützen Thomas Brdaric ein glückliches Händchen. Michael Frontzeck gewann gleich im seinem ersten Spiel als Chefcoach eines Bundesligisten die Herzen der Alemannia-Fans. Überglücklich ließ der Trainer-Novize das 4:2 über seinen ehemaligen Club Borussia Mönchengladbach Revue passieren: „Dieser Tag rangiert bei allem, was ich erlebt habe, ganz oben.“

Quelle: FAZ.NET mit Material von dpa/sid
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