09.05.2010 · Der FC Bayern wird Meister. Bremen darf in die Qualifikation zur Champions League. Leverkusen, Dortmund, Stuttgart spielen in der Europa League. Hannover rettet sich in Bochum, das nach dem 0:3 absteigt. Nürnberg spielt die Relegation.
Von Tobias RabeDer frühere Leverkusener Erik Meijer brachte es einst auf den Punkt: „Nichts ist scheißer als Platz zwei.“ Die Rheinländer, die sich zuletzt gar den Namen „Vizekusen“ rechtlich schützen ließen, scheinen diesen verbalen Befreiungsschlag des Niederländers elegant angenommen zu haben: sie belegen in der Abschlusstabelle den vierten Rang. Mit dem ungeliebten Platz zwei hinter Meister Bayern München muss Schalke 04 vorliebnehmen - doch wer an die Jubelbilder vom vergangenen Wochenende denkt, wird erkennen, dass das königsblaue Seelenleben nicht mit Meijers umgangssprachlich zum Ausdruck gebrachter Missstimmung übereinstimmt.
Schließlich dürfen Felix Magath und die Seinen von September an in der Champions League spielen. Gemessen am Saisonziel „internationale Plätze“ ist das mehr als geplant. Dass es nicht zum großen Meisterwurf reichen würde, war vor der Abschlussvorstellung am Samstag in Mainz klar. Einzig eine 0:9-Bayern-Niederlage und ein 9:0-Schalke-Sieg hätten die Tabelle - und wohl auch diverse Wettquoten - nochmal in Rotation versetzt. So ging aber alles mit rechten Dingen zu. Mit einem trostlosen 0:0 in Mainz verabschiedete sich Schalke aus der Spielzeit. Immerhin konnte Torwart Manuel Neuer mit einem gehaltenen Elfmeter nochmal WM-Werbung machen.
Die große bayerische Meistersause gab es in Berlin nicht. Zum einen fehlte der emotionale Überraschungseffekt des Titelgewinns, zum anderen trauerte die Hauptstadt auf der anderen Seite. Während die Bayern am kommenden Samstag in Berlin im Endspiel gegen Bremen auch den DFB-Pokal gewinnen wollen und sieben Tage später in Madrid im Champions-League-Finale gegen Inter Mailand in den europäischen Fußball-Olymp eintreten wollen, warten auf Absteiger Hertha BSC demnächst Erzgebirge Aue und den VfL Osnabrück. Gespielt wurde dennoch: Der Meister siegte nach Toren von Ivica Olic und zweimal Arjen Robben bei einem Gegentreffer von Adrian Ramos mit 3:1.
Hannover führt Bochum vor und rettet sich frühzeitig
Für den wirklichen Spannungsbogen auf der Zielgeraden sorgten aber die Entscheidungen um die Startplätze im Europapokal und die Zitterpartien im Erdgeschoss der Bundesliga. Um 17.19 Uhr stand fest: Hannover darf auch 2010/2011 in der deutschen Beletage mittun. Auf Nürnberg warten am 13. und 16. Mai zwei Relegationsspiele gegen den FC Augsburg (20.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker). Und Bochum hat nicht einmal mehr diesen Strohhalm. Als Siebzehnter folgt der VfL Hertha BSC direkt in die zweite Bundesliga - Tränen, Trauer und Tragik auf Deutschland Fußball-Bühne Nummer eins.
Dabei verloren die Westfalen das Klassenziel im direkten Abstiegsduell mit Hannover früh aus den Augen. Während 96 wie von Sinnen losspielte, merkte der VfL kaum, wie ihm geschah. Arnold Bruggink, Mike Hanke und Sergio Pinto schossen für Hannover schon in der ersten Halbzeit den 3:0-Sieg heraus. So leicht hatte sich selten eine Mannschaft ihrem Schicksal ergeben. Durch den Erfolg der Niedersachsen war klar, dass sich Nürnberg nicht mehr direkt retten kann. Da half auch der 1:0-Sieg gegen Köln, den Andreas Ottl mit einem späten Freistoß-Tor sicherte, nicht viel. Am Donnerstag kommt dann der Zweitliga-Dritte Augsburg zum ersten Relegationsspiel nach Nürnberg. Die Franken haben Erfahrung in solchen Entscheidungsspielen: Im vergangenen Jahr stiegen sie nach zwei Siegen gegen Cottbus auf.
Pizarro stellt Rekord ein - Hamburg nicht im Europapokal
Im Viererpack fielen die Würfel um die drittbesten Plätze auf europäischem Terrain hinter den Münchnern und Schalkern. In die Qualifikation zur Champions League darf Werder Bremen. Die Europa League erreichen Bayer Leverkusen, Borussia Dortmund und - da die Pokalfinalisten Bayern und Bremen schon über die Ligaplazierung für internationale Spiele qualifiziert sind - als Sechster auch der VfB Stuttgart. Der Hamburger SV als Siebter hingegen wird in der kommenden Saison unter der Woche nur der Griff zur Fernbedienung bleiben, um den Europapokal zu erleben.
Im Nordduell in Bremen jubelte Werder gegen den HSV, wie so oft in letzter Zeit - trotz des 1:1. Claudio Pizarro sicherte mit seinem 133. Bundesliga-Tor, künstlerisch wertvoll mit der Hacke, nicht nur seinem Klub die Chance auf die Champions League. Zudem zog der Peruaner auch mit dem Brasilianer Giovane Elber gleich. Beide teilen sich derzeit die Bezeichnung „Bester ausländischer Bundesliga-Torschütze“. Der späte Augsleich von Ruud van Nistelrooy störte da kaum noch, weil auch Leverkusen seine letzte Chance auf Platz drei durch ein 1:1 in Mönchengladbach verspielte. Patrick Helmes brachte Bayer in Führung, Roel Brouwers glich aus.
Dzeko Torschützenkönig - Dortmund und Stuttgart feiern
Verfolger Borussia Dortmund machte es noch schlechter. Beim schon geretteten SC Freiburg unterlagen die Westfalen nach der Führung durch Torjäger Lucas Barrios noch mit 3:1. Mohamadou Idrissou und zweimal Papiss Cisse bescherten den Breisgauern einen höchst erfreulichen Saisonausklang. Als Sechster sicherte sich Stuttgart die Eintrittkarte für Europa. Bei 1899 Hoffenheim spielte der VfB in der letzten Partie in der Karriere von Torwart Jens Lehmann 1:1. Cacau hatte Stuttgart in Führung gebracht, Boris Vukcevic besorgte den Endstand.
Nur in einer Partie des 34. Spieltags ging es nicht mehr um die großen Ziele. Wolfsburg und Frankfurt bewegten sich, bevor der letzte Vorhang fiel, im sicheren Mittelmaß. Einzig Edin Dzeko hatte noch einen Rest Ehrgeiz im Kampf um die Torjägerkanone. Und siehe da: Beim 3:1-Sieg gegen die Eintracht schoss der Bosnier sein 22. Saisontor und holte sich die Auszeichnung. Zvjezdan Misimovic hatte zuvor doppelt getroffen, Halil Altintop verkürzte später. Und was bleibt nun als Fazit dieser 47. Bundesliga-Saison? Platz zwei ist gar nicht so schlimm. Wer das nicht glaubt, kann sich in Gelsenkirchen gerne eine Bestätigung abholen. Auch Erik Meijer. Der Weg aus Aachen ist ja nicht so weit. Und in der zweiten Bundesliga reichte dieser Rang sogar zum Aufstieg für Meijers Alemannia.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |