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FAZ.NET-Spezial: 29. Spieltag FC Bayern siegt „auf“ Schalke - Leverkusen verliert

04.04.2010 ·  Endspiel? Das Meisterrennen ist offener denn je. Die Bayern siegten dank Ribéry und Müller 2:1 bei Schalke und sind wieder Tabellenführer. Leverkusen verlor in Frankfurt. Dortmund besiegte Bremen. Und Hertha gewinnt 3:0 in Köln.

Von Tobias Rabe
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Verletzungen gehören leider zum Fußballspiel wie Fehlpässe und Fehlentscheidungen. So aber lernt der Fernsehzuschauer immerhin noch die korrekten Bezeichnungen für die Blessuren kennen. Erst in der vergangenen Europapokal-Woche gab es wieder abendliche Ausgaben des Telekollegs Medizin. Cesc Fabregas vom FC Arsenal erlitt einen Haarriss, nicht etwa auf dem werten Haupt, sondern ein paar Etagen tiefer im Wadenbein - und drosch mit dem lädierten Körperteil dennoch einen Elfmeter ins Tor des FC Barcelona. Oder Wayne Rooney. Der Stürmer von Manchester United knickte um, ließ die englische Fußball-Nation aufschreien und muss mit einer Bänderverletzung am rechten Fuß vorerst pausieren.

Auch einige Bundesliga-Spieler verbrachten den 29. Spieltag nicht auf dem Rasen, sondern in Begleitung von Krücken und Gipsverbänden auf den Tribünen oder vor dem Fernseher. Spektakuläre Ursachen für die Spielunfähigkeit wie einst beim Wolfsburger Charles Akonnor, dem eine Autoantenne ins Nasenloch fuhr, waren immerhin nicht dabei; es waren vielmehr fußballübliche Kreuzbandrisse, Schambeinverletzungen oder Gehirnerschütterungen - und so konnten sich alle voll auf das Sportliche konzentrieren. Die Meisterschaft ist aber, entgegen manch plakativer Parolen, doch noch nicht entschieden worden an diesem dritten Tag im April - der FC Bayern gewann bei Schalke mit 2:1 und überholte den Verlierer in der Tabelle wieder.

Womöglich waren die Rekonvaleszenten beider Mannschaften gar nicht so traurig über ihr Fehlen, denn auf dem noch immer nicht optimalen „Rasen“ in Gelsenkirchen dürfte die Berufsgenossenschaft lieber mit Schrecken weggeschaut haben. So erinnerte sich mancher vielleicht an ein altes Wettangebot von Christoph Daum, der jedem einen ausgeben wollte, „der in Bochum von Strafraum zu Strafraum geht und sich nicht den Fuß bricht“. Auf Schalke hätte Daum zum Glück einige Getränke kühlstellen können: Keiner brach sich ein Körperteil. Nur der Münchner Daniel van Buyten musste früh nach einem Zusammenprall mit Jefferson Farfan den Platz humpelnd verlassen.

Trotz der Widrigkeiten und der Wichtigkeit entwickelte sich eine flotte Partie. Franck Ribéry und Thomas Müller brachten die Bayern per Doppelschlag innerhalb einer Minute in Führung, Kevin Kuranyi schaffte aber noch vor der Halbzeit den Schalker Anschluss. Als dann auch noch der frühere Schalker und jetzige Bayer Hamit Altintop nach einem Foul an Rafinha vorzeitig den Rasen räumen musste - Schalkes Marcelo Bordon sah in Minute 94 Gelb-Rot -, schien das Pendel Richtung Königsblau auszuschlagen, doch die Münchner verteidigten den Vorsprung auch zu zehnt - und sind vor dem nächsten Bundesliga-Topspiel am nächsten Samstag in Leverkusen wieder Tabellenführer.

Leverkusen verliert und verabschiedet sich aus dem Meisterrennen

Dieser nächste Gegener und einstige Spitzenreiter aus dem Rheinland verpasste es im Schlussbogen der Saison aus dem Titelrennen wieder zu einem Dreikampf zu machen. Bayer verlor im Schatten des „Endspiels“ in Gelsenkirchen in Frankfurt mit 2:3. Selim Teber brachte die Eintracht per Elfmeter in Führung. Dann hatte der wiedergenesene Torjäger Stefan Kießling seinen Auftritt. Erst glich er vor der Pause für Bayer aus, kurz nach der Halbzeit traf er zum 2:1. Doch eine Rote Karte für Daniel Schwaab brachte Leverkusen in die Bredouille. Caio ließ den Ball aus großer Entfernung ins Tor von Rene Adler flattern. Dann zeigte Maik Franz Artistik und traf per Fallrückzieher zum Sieg. Und so gehen die Bayern mit nun 59 Punkten aus der Pole position in die letzten fünf Runden, Schalke lauert mit 58 - und Bayer scheint abgeschlagen mit 53 Zählern.

Immerhin schon 52 Punkte kann Dortmund nach dem 2:1-Sieg gegen Bremen am Samstag ausweisen. Im direkten Duell der Anwärter auf einen Europa-League-Platz köpften Kevin Großkreutz und Neven Subotic die Borussia gegen Werder früh in Führung, auch der Anschluss von Aaron Hunt brachte sie nicht mehr ab von der Straße der Sieger. Auf dieser fuhr auch die andere Borussia der Liga lange. In Stuttgart führte Mönchengladbach lange durch ein Tor von Marco Reus, doch Ciprian Marica glich zum 1:1 aus. Dass die Schwaben beste Rückrundenelf bleiben und auf eine Europapokal-Qualifikation hoffen dürfen, verdanken sie Zdravko Kuzmanovic, der in Fabregas-Manier spät zum 2:1-Sieg traf. Auch der Serbe musste nach seinem Erfolgserlebnis vom Platz, allerdings nur mit einem Krampf, der beim finalen Torschuss ins Bein zog.

Nürnberg gewinnt - Hertha BSC schöpft noch einmal Hoffnung

Genauso spannend wie das Meisterrennen ist auch der Kampf um den Klassenverbleib. Sieger des Wochenendes sind Nürnberg und Berlin. Mit einem 2:0-Heimsieg gegen die Mainzer, die sich mit der Roten Karte für Andreas Ivanschitz schon nach dreieinhalb Minuten schwächten, sprangen die Franken auf Platz vierzehn. Mike Frantz und Eric Maxim Choupo-Moting trafen. Keinen Sieger gab es im Kellerduell zwischen Freiburg und Bochum beim 1:1. Papiss Cisse brachte den SC in Führung, Christoph Dabrowski glich für den VfL aus.

Am Samstagabend schöpfte auch der Tabellenletzte Hertha BSC wieder neue Hoffnung. Die Berliner Auswärtskünstler - zuvor gab es ein 3:0 in Hanover, 3:0 in Freiburg und 5:1 in Wolfsburg - siegten auch in Köln. Zweimal Raffael und einmal Cicero sorgten für brasilianische Tormomente beim 3:0-Sieg; die Kölner Youssef Mohamad und Zoran Tosic flogen vom Platz. Nun beträgt der Berliner Rückstand auf Relegationsrang 16 nur noch drei Punkte - aber das schwere Restprogramm spricht wohl eher gegen den Klub aus der Hauptstadt.

Wolfsburg wie im Meister-Jahrgang - Liga-Lazarett mit Remis

Zum Abschluss des sechstletzten Spieltags am Sonntag besiegte der Meister der vergangenen Saison den Herbstmeister der vergangenen Saison mit 4:0. So bleibt Hoffenheim im Mittelmaß mit Tendenz nach unten. Wolfsburg fühlte sich nach den zwei Treffern von Edin Dzeko sowie je einem Tor von Zvjezdan Misimovic und Andrea Barzagli an den Jahrgang 2008/2009 erinnert. Und vor dem Viertelfinal-Rückspiel gegen den FC Fulham am Donnerstag sprachen die Niedersachsen, wie üblich in solchen Fällen, von einer gelungenen Generalprobe.

Anschließend trat noch das Lazarett der Liga - Hannover beklagt derzeit zehn Verletzte - in Hamburg an. Vielleicht hatte 96-Trainer Mirko Slomka in der Vorbereitung einen Rat des Kollegen Frank Pagelsdorf angenommen, der einst angesicht einer Verletzungsmisere ankündigte: „Wir werden nur noch Einzelgespräche führen, damit sich keiner verletzt.“ In Hamburg kamen die Hannoveraner gesund ins und gesund aus dem Spiel und nahmen beim 0:0 sogar noch einen Punkt mit. Für den HSV allerdings war das Osterfest damit einigermaßen verdorben.

Der 29. Bundesliga-Spieltag im Überblick:

Samstag, 3. April 2010:

FC Schalke 04 - Bayern München 1:2 (1:2)
Eintracht Frankfurt - Bayer Leverkusen 3:2 (1:1)
Borussia Dortmund - Werder Bremen 2:1 (2:0)
SC Freiburg - VfL Bochum 1:1 (1:1)
VfB Stuttgart - Bor. Mönchengladbach 2:1 (0:1)
1. FC Nürnberg - FSV Mainz 05 2:0 (2:0)
1. FC Köln - Hertha BSC Berlin 0:3 (0:2)

Sonntag, 4. April 2010:

VfL Wolfsburg - 1899 Hoffenheim 4:0 (1:0)
Hamburger SV - Hannover 96 0:0

Die aktuelle Tabelle der Fußball-Bundesliga

Quelle: FAZ.NET
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Jahrgang 1983, Sportredakteur.

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