Wenn im Fußball zu viele Zahlen ins Spiel kommen, wird es langweilig - oder amüsant. Fritz Langner, Trainer in den Sechziger Jahren, stellte seine Spieler einst im Training vor eine unlösbare Rechenaufgabe: „Ihr fünf spielt jetzt vier gegen drei.“ Flink im Kopf mussten auch alle Beteiligten am furiosen Europa-League-Donnerstag sein. Bei Ergebnissen wie 4:4 (Bremen) und 3:4 (Hamburg) oder 126 Minuten Spielzeit (Wolfsburg) bekam der Begriff Zahltag einen neuen Klang, zumal die zweite Fußball-Klasse Europas keine Geldvermehrungsmaschine wie die Champions League ist.
1:1, 2:1, 0:0, 2:0, 1:0, 3:2, 3:0, 2:2 und 1:5 - einen Trefferrekord wie in der Europapokal-Nacht hatte die Bundesliga nicht zu bieten. Aber immerhin standen am 27. Spieltag sechsundzwanzig Einschüsse auf der Habenseite. Eine Ausbeute im Durchschnitt. Unterdruchschnittlich schnitt das Spitzentrio ab. Der FC Bayern erlebte eine Neuauflage seines Manchester-Traumas von 1999 einen Tag nach der abermaligen Zulosung der Engländer in Frankfurt. Auch Verfolger Leverkusen machte es am Samstagabend nicht besser; Bayer unterlag in Dortmund 0:3. Und der dritte Klub im Bunde, Schalke 04, spielte am Sonntag in Hamburg auch nur unentschieden.
Lange sah es so aus, als reichte den Bayern in Frankfurt zum Ausbau der Tabellenführung minimaler Aufwand. Ein Treffer von Miroslav Klose, der schon beim 4:0-Sieg im DFB-Pokal im Oktober mit zwei Toren zum Eintracht-Schreck mutierte, war lange das einzige Erfolgserlebnis. Dann aber machte erst der junge Juvhel Tsoumou in der 87. Minute den Ausgleich, dann traf auch noch Martin Fenin (89.) - und die personell geschwächte Eintracht feierte einen 2:1-Erfolg gegen den Rekordmeister. Das macht wenig Hoffnung für das Champions-League-Duell mit Manchester, auch wenn die Herren Sheringham und Solskjaer ihre Fußballstiefel schon in der Abstellkammer verstaut haben.
Leverkusen verliert klar - Schalke und Hamburg ohne Sieger
Kein Trauma, aber eine deutliche Niederlage musste Leverkusen einstecken. Den Steilpass der Bayern am Nachmittag aus Frankfurt verstolperte Bayer im Topspiel am Abend in Dortmund kläglich. Nach zwei Toren von Lucas Barrios und einem von Dimitar Rangelow verpassten die Rheinländer mit der 0:3-Niederlage den Sprung auf den Sonnenplatz der deutschen Eliteliga. Es war die zweite Auswärtsniederlage in Folge, nach dem die Auswahl von Jupp Heynckes in dieser Spielzeit zuvor überhaupt nicht verloren hatte.
Kein Nullsummenspiel, aber auch keinen vollen Erfolg erlebte Schalke 04 beim 2:2-Remis in Hamburg. Ruud van Nistelrooy brachte den HSV in Führung, Kevin Kuranyi glich aus. Dann stocherte der Niederländer im eigenen Strafraum, Ivan Rakitic verwandelte den Elfmeter im zweiten Versuch und schoss die Königsblauen in der virtuellen Tabelle auf Platz eins. Dass dort nach dem Spieltag weiter der FC Bayern steht, lag an Jonathan Pitroipa, der für den HSV ausglich. Fazit: Drei Spitzenteams, ein Punkt. Die Champions League ist für alle nah, der Titel noch nicht.
„Jetzt stehen die Chancen 50:50 - oder sogar 60:60“
Wie es ist, eine Nullrunde in der Königsklasse zu erleben, weiß Stuttgart seit vergangenem Mittwoch. Beim Ausscheiden in Barcelona gab es null Tore, null Chancen und null Gegenwehr. Anders sah es auf nationaler Bühne aus. Abstiegskandidat Hannover erwies sich als das erwartet kleinere Kaliber; der VfB behielt die drei Punkte durch den 2:0-Sieg im Schwabenland. Ciprian Marica war zweimal erfolgreich. Gänzlich erfolglos waren die Spieler in Nürnberg. Weder die des gastgebenden FCN noch die aus Hoffenheim trafen ins Tor - folglich blieb es beim 0:0.
Schlusslicht Hertha BSC erhöhte zum Abschluss des Spieltags in Wolfsburg sein mageres Tore- und Punktkonto signifikant. 5:1 siegten die Berliner beim deutschen Meister. Theofanis Gekas traf dreimal, Adrian Ramos zweimal, Grafite schoss das Ehrentor. Die Chance, dass die Hertha den Abstieg noch verhindert, ist gestiegen, aber auch nicht riesengroß. Reiner Calmund war da einst vollmundiger: „Jetzt stehen die Chancen 50:50 - oder sogar 60:60.“ Zahlensalat gehört sicher nicht zu den Lieblingsgerichten des früheren Leverkusener Managers.
Fünf Tore in Bremen - Freiburg siegt - Remis im Derby
Ein weiterer Ausreißer auf der nach oben offenen Torskala war - wie sollte es anders sein - das Spiel, an dem Bremen beteiligt war. Diesmal reichte es sogar zu einem Sieg, anders als beim wilden 4:4 gegen Valencia 44 Stunden zuvor. Stanislaw Sestak und Zlatko Dedic spazierten zunächst in David-Villa-Manier zweimal durch die Bremer Defensive und trafen, Claudio Pizarro und Marko Marin glichen mit ihren Toren jeweils aus. Dann machte sich Torsten Frings nichts aus seiner Torentfernung von mehr als dreißig Metern - und traf volley zum 3:2-Erfolg.
Ein Tor reichte Kellerkind Freiburg für drei Zähler. Mit dem 1:0-Sieg gegen den längst geretteten Mitaufsteiger Mainz 05 hielten die Breisgauer Anschluss an die Mitkonkurrenten im Kampf um den Klassenverbleib. Johannes Flum jagte früh einen Fernschuss ins Tor des FSV. Doppelt so viele Treffer fielen schon am Freitagabend im rheinischen Derby, fein verteilt jeweils eines auf beiden Seiten. Marco Reus traf aus der Distanz für Mönchengladbach, Maniche glich mit Gewalt für Köln aus - und die Nachbarn trennten sich 1:1. Langweilige Bundesliga-Statistik eben.