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FAZ.NET-Spezial: 21. Bundesliga-Spieltag Nach Remis gegen HSV: Offene Kritik an Bayern

24.02.2008 ·  Der FC Bayern hat sich nach dem Patzer von Werder Bremen an der Tabellenspitze nicht absetzen können. In München erkämpfte der Hamburger SV ein 1:1. Trainer Hitzfeld und Manager Hoeneß kritisierten ihre Profis danach in ungewohnter Offenheit. Für Nürnberg gab es wieder einen Rückschlag.

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Bayern München hat die Gunst der Stunde nicht genutzt und einen vermeintlichen Matchball im Titelkampf vergeben. Beim 1:1 (0:0) gegen den Mitkonkurrenten Hamburger SV brachte sich der Spitzenreiter vor heimischer Kulisse um die Chance, seinen Vorsprung auf sechs Punkte auszubauen. Immerhin gewannen die Münchner im Vergleich zu Verfolger Werder Bremen einen Zähler hinzu, weil der einen Tag zuvor beim 0:1 in Frankfurt gepatzt hatte.

„Wir haben eine Chance vergeben, richtig wegzuziehen“, sagte Bayern-Manager Uli Hoeneß, der verärgert registrierte: „Mit diesem Druck hat die Mannschaft offenbar Schwierigkeiten, das war schon gegen Bremen so.“ Nach dem 0:1 durch Ivica Olic (59.) drohte dem Rekordmeister, der im kommenden Ligagipfel beim FC Schalke 04 auf den des Feldes verwiesenen Mark van Bommel verzichten muss, zwischenzeitlich die zweite Saisonniederlage. Doch Ze Roberto (66.) verhinderte den Coup der starken Hamburger.

Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld schimpfte: „Es ist sehr ärgerlich, dass wir zwei Punkte verloren haben.“ In der hektischen Nachspielzeit sah van Bommel noch wegen einer Unsportlichkeit die Gelb-Rote Karte (90.+2). „Das war total unnötig“, wetterte Hitzfeld, der eine Geldstrafe für den Mittelfeldspieler ankündigte. Beim HSV formulierte der starke Torhüter Frank Rost klare Ansprüche: „Wir hoffen, dass wir nächstes Jahr in der Champions League spielen.“

FAZ.NET-Spezial: Der 21. Bundesliga-Spieltag

Diego verliert die Nerven, Bremen das Spiel

Weiter auf einem Abstiegsplatz bleibt der 1. FC Nürnberg. Die Mannschaft des neuen Trainers Thomas von Heesen musste sich im zweiten Sonntagsspiel mit einem 1:1 (0:0) gegen Schlusslicht Energie Cottbus begnügen. Die umjubelte Nürnberger Führung durch Marco Engelhardt (58.) glich Dennis Sörensen (59.) aus.

Rot für Diego, Not für Bremen. Die Unbeherrschtheit des 22-jährigen Spielmachers könnte Werder den Titel kosten. In Zidane- Manier war er ausgerastet, hatte den Frankfurter Sotirios Kyrgiakos rüde umgerempelt und wird nun im Meisterschaftsrennen vorerst ausfallen. „Es ist ein absolutes Wunder, dass er sich so lange im Griff hatte“, verteidigte Werder-Coach Thomas Schaaf seinen Star, den er schon die gesamte Saison als „Freiwild“ für attackierende Gegenspieler ansieht.

Friedrichs Glückschuss trifft Schalke

Eintracht Frankfurts Vorstandsvorsitzender Heribert Bruchhagen brachte kein Verständnis für den Aussetzer Diegos auf, wohl aber für seine Ausnahmesituation als stark malträtierter Spieler. „Er ist der tollste Spieler der Bundesliga und hat es extrem schwer. Er sollte besonders geschützt werden“, sagte er am Sonntag im DSF-„Doppelpass“. Für Bremens Manager Klaus Allofs dienten aber weder der Aussetzer Diegos noch die „Rekord-Pause“ von nur 39 Stunden zwischen dem Uefa-Cup-Spiel in Braga (1:0) und der Frankfurt-Partie als Ausrede für die Niederlage: „Wir haben auch mit zehn Mann noch Kraft gehabt.“

Abschied vom Titeltraum musste wohl der FC Schalke 04 nehmen. Der wenig meisterlich spielende Vizemeister verlor das Spitzenduell bei Bayer 04 Leverkusen (0:1). Bayer-Verteidiger Manuel Friedrich hatte mit seinem Glückstor aus 37 Metern (85. Minute) Manuel Neuer im Schalke-Tor überrascht. „Wir haben einen Lauf und da geht so ein Schuss auch mal rein“, sagte Bayer-Chefcoach Michael Skibbe, dessen Team 44 Stunden zuvor im Uefa-Cup Galatasary Istanbul (5:1) aus dem Wettbewerb katapultiert hatte.

Veh sieht noch kein Ende der Krise

Den Bremern ist die Werkself damit bis auf zwei Zähler auf die Pelle gerückt, die Schalker müssen nun um einen Champions-League- Platz fürchten. „Da gibt es nichts zu beschönigen“, ärgerte sich Schalke-Trainer Mirko Slomka über die zweite Bundesliga-Niederlage in Serie und fügt vor dem Spiel gegen Bayern München an: „Der Druck ist hoch. Wir müssen gewinnen, um den Kontakt zu Rang drei nicht zu verlieren.“

Wieder in Sichtweite ist die Spitzengruppe der Liga für den lange kriselnden deutschen Meister VfB Stuttgart gerückt. In einem giftigen schwäbisch-badischen Derby kassierte Aufsteiger Karlsruher SC (1:3) die erste Niederlage nach fünf Partien. „Wir haben keinen Grund, verzweifelt zu sein“, meinte KSC-Coach Edmund Becker nach dem K.o. gelassen. Von einer Wende wollte Kollege Armin Veh nichts wissen: „So schnell geht das nicht.“ Während die Teams um die Vormacht im „Ländle“ stritten, provozierten Pseudo-Fans durch das Abfackeln von Feuerwerkskörpern beinahe einen Spielabbruch.

Bielefelder gegen Frontzeck

Einen Dämpfer musste der VfL Wolfsburg mit dem torlosen Remis gegen Hertha BSC hinnehmen. Es war der erste Punktverlust nach vier Bundesligasiegen. „Wir werden deshalb kein Trübsal blasen“, kommentierte VfL-Coach Felix Magath das Unentschieden entspannt.

Dagegen blickte man bei Borussia Dortmund nach dem glanzlosen 1:0 gegen Hansa Rostock schnell nach vorn auf das DFB-Halbfinalspiel am Dienstag gegen Hoffenheim. „Der Mannschaft und dem ganzen Verein bietet sich eine Riesenchance, die wollen wir unbedingt nutzen“, forderte BVB-Sportdirektor Michael Zorc. Eine ähnlich unengagierte Leistung wie in Dortmund dürfen sich die Rostocker im kommenden Kellerduell gegen Arminia Bielefeld nicht leisten. „Wenn wir so weiter spielen, haben wir wenig Freude“, so Hansa-Profi Enrico Kern.“

Die ist in Bielefeld längst passé. Nach der vierten Niederlage unter der Regie von Trainer Michael Frontzeck gegen den MSV Duisburg (0:2) entlud sich der Zorn der Fans gegen ihn und Manager Reinhard Saftig mit „Raus“-Rufen gegen beide. „Die Rufe tun nicht gut, aber nach diesem Spiel hat man keine Argumente“, meinte Saftig, der sich dennoch vorbehaltlos zum Trainer bekannte: „Er wird in Rostock auf jeden Fall auf der Bank sitzen.“

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