Um die Vorfreude der Spieler von Europa-League-Sieger Atletico Madrid musste man sich ernsthafte Sorgen machen. Im Vorverkauf für ein Spiel im spanischen Pokalwettbewerb setzte der Verein im Vorverkauf 24 - in Worten vierundzwanzig - Eintrittskarten ab, für eine Arena mit 55.000 Plätzen. Letztlich stieg die Zuschauerzahl noch in den unteren vierstelligen Bereich. Von solch ernüchternden Rahmenbedingungen ist die Bundesliga weit entfernt. Den zwölften Spieltag werden am Ende insgesamt rund 380.000 Fans in den neun Stadien verfolgt haben - keine andere Fußballliga der Welt bietet Woche für Woche höhere Werte.
Eine aktuelle Studie zeigt: Gleich elf deutsche Namen befinden sich unter dreißig Klubs mit dem größten Zuschauerschnitt. In dieser Rangliste hängt der 1. FC Köln den AC Mailand ab, Hannover 96 steht vor dem FC Chelsea, Aufsteiger Kaiserslautern interessiert mehr als Atletico Madrid - und mit Hertha BSC ist sogar ein Verein aus der zweiten Liga unter den Top 30 Europas vertreten. Spitzenreiter ist zwar der FC Barcelona mit 83.100 Zuschauern im Schnitt, doch schon auf Rang zwei folgt Bundesliga-Tabellenführer Borussia Dortmund mit 75.668 Fans.
Am schmuddeligen Freitagabend machten sich sogar 80.720 Zuschauer auf den Weg in die ausverkaufte WM-Arena und sahen bei Dauerregen einen 2:0-Sieg des BVB gegen den Hamburger SV. Kagawa und Barrios trafen. Die Begeisterung um die Mannschaft von Jürgen Klopp, die mit sieben Punkten Vorsprung auf Platz zwei oben steht, ist groß. Das verwundert kaum im Ruhrgebiet. Oder wie sagte Max Merkel einst: „Wenn im Westfalenstadion der Rasen gemäht wird, stehen hinterher 20 Mann zusammen und erzählen, wie es gewesen ist.“ Davon träumt sicher nicht nur Atletico Madrid.
Von besseren Zeiten auf dem Fußballplatz träumen in diesen grauen November-Tagen einige Vereine in der Bundesliga. Ganz tief im Schlamassel steckt der 1. FC Köln. Der geografische und tabellarische Nachbar aus Mönchengladbach fand im Derby zwischen all den Pfützen auf dem Feld mehrere Lücke und siegte dank Bobadillas Doppelpack sowie Bradleys und de Camargos Treffern mit 4:0. Der FC ist zwei Tage nach dem 11.11. Tabellenletzter. Am Mittwoch droht eine turbulente Jahreshauptversammlung. Und es bleibt die Frage, ob Trainer Schaefer seinen Posten beim Geißbock-Klub behält.
Huntelaar gleicht mit dem Arm aus - Aufholjagd in Lautern
Auch Schalke 04 kommt nicht wirklich von der Stelle. In Wolfsburg rettete die Elf von Felix Magath bei dessen Rückkehr an alte Stätte immerhin noch ein 2:2. Magaths Meisterschüler Grafite und Dzeko trafen zunächst, doch Edu und Huntelaar - allerdings in Form von wertvoller Handarbeit in Henry-Manier - glichen noch aus. Zudem sah Wolfsburgs Dejagah die Rote Karte. Der VfL verspielte abermals eine Führung, Königsblau steckt trotz der Punktlandung weiter in dunklen Keller der Tabelle fest.
Eine veritable Aufholjagd für das Langzeitgedächtnis sahen die 43.000 Zuschauer in Kaiserslautern. Der VfB Stuttgart lag nach Toren durch Boka, Cacau und Gentner schon souverän mit 3:0 vorne. Doch dann fassten sich Micanski, Ilicevic und Abel ein Herz und glichen mit ihren Volltreffern zum 3:3-Endstand auf dem Betzenberg aus. Beide Vereine bleiben mit elf Punkten am Abgrund der Bundesliga. Weit weniger turbulent ging es beim anderen Spiel in Rheinland-Pfalz zu. Hannover gewann dank Pintos Tor mit 1:0 in Mainz. Der FSV verlor seinen zweiten Platz, 96 freut sich über Rang fünf.
Leverkusen gewinnt spät - Breisgau besiegt Kraichgau
Immerhin einen Teilerfolg feierte Bremen gegen Frankfurt. Nach der 0:6-Blamage in Stuttgart in der Vorwoche und allerhand Turbulenzen in der Nachbetrachtung traf Werder zwar wieder nicht das Tor, hielt sich aber in der Defensive schadlos. Mit dem 0:0-Remis in der Ferne sicherte sich die Eintracht ihren Platz in der Spitzengruppe. Ein Tor mehr fiel ein paar Kilometer weiter in Hamburg. Aufsteiger St. Pauli unterlag Spitzenklub Leverkusen spät mit 0:1. Renato Augusto schob für Bayer ein.
Am Sonntag gewann schließlich der Breisgau gegen den Kraichgau: Der SC Freiburg setzte seine gute Saison fort und setzte sich mit 1:0 bei der TSG Hoffenheim durch. Siegtorschütze war - natürlich - Cissé. Zum Ausklang des Spieltags schaffte Bayern München schließlich tatsächlich mal wieder eine kleine Etappe der angekündigten Klettertour. Nach dem 3:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg steht der Rekordmeister nun immerhin schon auf Rang sechs. Das Spiel Bayern gegen Franken fand übrigens in ausverkaufter Arena statt. 69.000 Zuschauer waren da. Sie hatten sich die Karten schon im Vorverkauf gesichert.