25.10.2009 · Werder Bremen ist der Gewinner des Spieltags. Nach dem 4:1-Auswärtssieg in Bochum fehlt nur ein Punkt zur Tabellenführung. Die hat der HSV in Schalke knapp verpasst. Leverkusen bleibt deshalb vorn. Der zehnte Spieltag der Bundesliga.
Von Tobias RabeIn der deutschen Politik wurden am Wochenende Weichen gestellt. Die Stammplätze im Team von Angela Merkel sind verteilt, die Strategien für die nächsten vier Jahre festgelegt. Und in hundert Tagen wird Bilanz gezogen. Die Fußball-Bundesligaspieler haben das Procedere des Verteilungskampfes im August hinter sich gebracht - auch wenn die Platzvergabe auf dem Rasen nicht derart festgeschrieben ist wie auf der Regierungsbank. Und Bilanz wird eigentlich täglich gezogen. So passierte es, dass der Mainzer Trainer Jörn Andersen sogar schon vor dem ersten Anpfiff der Saison seinen Posten räumen musste.
Ein Wachstumspaket, wie die Kanzlerin es ankündigte, würden auch die achtzehn Vereine der Beletage sofort annehmen. Vordergründig nicht auf dem Bankkonto, sofern man nicht Schalke 04 heißt, sondern vor allem auf dem Punktekonto. Nach Zuwachs lechzen vor allem Hertha BSC Berlin, der 1. FC Nürnberg und der VfL Bochum, die sich nach dem zehnten Spieltag in der Abstiegszone der Tabelle wiederfinden. Die Spitzenmannschaften Bayer Leverkusen, Hamburger SV, Werder Bremen und Schalke 04 dürften hingegen fürs erste mit ihrer Zwischenbilanz zufrieden sein. Sie punkteten am Wochenende und bilden das Spitzenquartett.
Werder Bremen war dabei als der einzige Sieger der Vierergruppe der Gewinner der Spieltags. Beim 4:1-Sieg in Bochum ließen sich die Bremer nicht mal vom schnellsten Tor der Saison durch den Bochumer Sestak in der ersten Minute schocken, der die Hoffnung von Torhüter Tim Wiese auf den Zu-Null-Rekord beim Klub von der Weser zunichte machte - 22 Minuten fehlten; Oliver Reck bleibt Inhaber der klubinternen Bestmarke. Aaron Hunt (9.), Marko Marin (32.), Tim Borowski (76.) und Mesut Özil in der Schlussminute sorgten immerhin für drei Punkte.
Sechs Tore auf Schalke - Bayern siegt ziemlich spät
Der Hamburger SV verpasste unterdessen beim 3:3 auf Schalke knapp den Sprung an die Tabellenspitze. In einem wirklich erstklassigen Spiel gingen die Hanseaten durch Marcus Berg (27.) und Piotr Trochowski (45.) mit einer 2:0-Führung in die Pause. Doch Schalke kam durch Kevin Kuranyi (50.) und Lukas Schmitz (62.) zurück - kurz zuvor sah HSV-Verteidiger David Rozenahl Rot wegen einer Notbremse. Doch die dezimierten Hamburger schlugen nochmal zu, wieder durch Marcus Berg (80.). Abermals Kevin Kuranyi rettet den Königsblauen einen Punkt (90.).
Nur vordergründig ist die Zufriedenheit beim FC Bayern. Gegen Frankfurt gab es einen späten 2:1-Sieg, den 850. seiner Liga-Geschichte. Die Eintracht ärgerte den Rekordmeister nach einer Stunde sogar mit einem feinen Spielzug und einem treffsicheren Abschluss durch Alexander Meier - 0:1. Mit der Einwechslung des niederländischen Außenministers Arjen Robben kam neuer Schwung ins Spiel, der nicht viel später, nach Fehler von Eintracht-Torwart Oka Nikolov und Vorlage von Bayern-Kollege Mario Gomez, zum 1:1 durch den zuletzt verletzten Wirbelwind führte. Da die Münchner Stürmer aber an Ladehemmung leiden, musste Abwehrspieler Daniel van Buyten per Kopf für den Sieg sorgen (89.).
Keine Tore beim rheinischen Derby - Stuttgart verliert
Eingegriffen hatten Politiker ins rheinische Derby zwischen „Fohlen“ und „Geißböcken“. Vor der Partie war für Mönchengladbach aus Angst vor Ausschreitungen ein striktes Alkoholverbot ausgegeben worden. So mussten die Anhänger beider Lager das Geschehen auf dem Rasen nüchtern ertragen - was angesichts des Dargebotenen nicht unbedingt Freude gemacht haben dürfte. Schiedlich friedlich trennten sich die beiden Rivalen aus dem Souterrain der Liga torlos. Gladbach rangiert nun auf Platz fünfzehn, die Kölner immerhin auf dem dreizehnten Rang.
Wieder keinen Sieg gab es für Champions-League-Teilnehmer Stuttgart. In Hannover verloren die Schwaben mit 1:0. Das einzige Tor für 96 schoss Angreifer Didier Ya Konan nach 31 Minuten - allerdings, wie die Fernsehbilder belegten, aus knapper Abseitsposition. Doch auch die Proteste des Stuttgarter Alterspräsidenten Jens Lehmann konnten den Schiedsrichter nicht umstimmen. Die Luft für VfB-Trainer Markus Babbel wird auf Platz vierzehn dünner, womöglich wird bei weiterem Misserfolg bald über die Besetzung dieses Postens neu entschieden.
Doppeltes 3:0 - Hoffenheim und Mainz feiern Heimsiege
Zufriedenheit mit der Bilanz herrscht in Hoffenheim. Nach dem 3:0-Sieg gegen den 1. FC Nürnberg, den man schon aus dem DFB-Pokal geworfen hatte, stehen die Kraichgauer vorerst auf dem sechsten Platz. Außenverteidiger Christian Eichner sorgte mit einem Traumschuss aus dreißig Metern in den Winkel für die Führung (34.). Vedad Ibisevic legte nur vier Minuten später erfolgreich nach. Und Franco Zuculini traf schließlich erstmals in der Bundesliga - zum 3:0 (64.). So können die Franken keinen Boden gutmachen im Kampf um den Klassenverbleib.
Genauso gut wie in Hoffenheim ist die Laune in Mainz. Die Rheinhessen besiegten Mitaufsteiger Freiburg mit 3:0. Der Österreicher Andreas Ivanschitz schoss den FSV mit einer Art „Doppel-Lupfer“ in Führung. Kollege Chadli Amri hob den Ball in den Strafraum, und Ivanschitz hob ihn gleich weiter - über Torwart Simon Pouplin. Tim Hoogland bewarb sich danach zwar nicht wie Ivanschitz für die Auszeichnung „Tor des Monats“, seine Treffer zum 2:0 (50.) und zum 3:0 (85.) sicherten aber den souveränen Heimsieg. Immerhin einen Erfolg durften die Breisgauer verbuchen. Der eingewechselte Eke Uzoma trug sich als 5000. Bundesliga-Spieler in die Geschichtsbücher ein.
Friedrich trifft Freund Klopp - Drei Spiele am Sonntag
Schon am Freitag kämpfte Leverkusen um den Ausbau der Führung an der Tabellenspitze - es gelang nur punktuell. Gegen Dortmund reichte es zu einem 1:1. Sturmführer Lucas Barrios (8.) ärgerte Bayer schon früh mit seinem fünften Treffer im fünften Pflichtspiel für die Borussia. Die Heimmannschaft musste Hilfe aus dem bisher so starken Verteidigungsministerium anfordern. Manuel Friedrich rückte bei einer Ecke nach vorne und traf die Auswahl seines alten Mainzer Freundes Jürgen Klopp entscheidend mit seinem Kopfballtor zum Endstand (65.).
Zum Auftakt der Sonntagsspiele kämpfte Hertha BSC vergeblich um den ersten Sieg nach acht Niederlagen in Serie. Gegen den deutschen Meister Wolfsburg beendete der Klub aus der Stadt der Koalitionsverhandlungen beim 0:0 aber wenigstens die bittere Niederlagenserie mit einem Teilerfolg, der freilich das Tabellenbild nur unwesentlich verschönert - Hertha bleibt nach zehn Spielen mit vier Punkten Schlusslicht. Der VfL Wolfsburg indes lauert als Siebter hinter den Spitzenmannschaften. Und am nächsten Wochenende wird wieder Bilanz gezogen.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |