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FAZ.NET-Regelecke Warum darf Woronin mit „breiten Schultern“ treffen?

15.03.2009 ·  Andrej Woronins 1:0 zum Berliner Sieg war das Tor des 24. Spieltags. Angeblich von der „breiten Schulter“ des ukrainischen Stürmers prallte der Ball ins Netz. Aber benutzte Woronin nicht die Hand? Oder den Oberarm? War der Treffer also irregulär? Die FAZ.NET-Regelecke klärt auf.

Von Tobias Rabe
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Mit seinem elften Saisontor und dem daraus resultierenden 1:0-Heimsieg gegen Leverkusen hielt Andrej Woronin Hertha BSC an der Spitze der Fußball-Bundesliga (siehe auch: 1:0 gegen Leverkusen - Woronins Tor lässt Berlin weiter träumen). So bedeutend dieser Treffer für die weiter mit vier Punkten vor dem Zweiten führenden Berliner, so bitter war er für Bayer, das nun sogar akut um die Teilnahme an der Europa League, dem Nachfolger des Uefa-Cups bangen muss (siehe auch: Die Bundesliga in Zahlen: Tabelle, Ergebnisse, Statistik). Aber: war der Treffer regulär?

„Ich habe eben breite Schultern“

Zum Hergang: Nach einem Ballverlust der Leverkusener in der eigenen Hälfte erhält Woronin in der 50. Spielminute im linken Mittelfeld den Ball, treibt ihn nach vorne, nimmt Tempo auf. Nach dem Pass in die Tiefe auf Maximilian Nicu startet der Ukrainer durch, scheitert mit dem Flachschuss am linken Fuß von Torwart Rene Adler. Doch Woronin springt das Glück in Form des Balls wieder entgegen und von ihm prallt der Ball ins Tor. Doch von welchem Körperteil? Von der Hand? Vom Oberarm? Von der Brust? Zählte der Treffer also zurecht oder nicht?

Der Torschütze hatte eine klare Meinung, garniert mit einem schelmischen Grinsen: „Ich habe eben breite Schultern. Gut, dass ich durchtrainiert bin. Dünnere Spieler hätten den Treffer nicht gemacht. Für mich ist aber egal, wie der Ball reingegangen ist.“ Bei den Leverkusener Spielern hielt sich der Drang zum Protest direkt nach dem Treffer zurück; vielleicht war es ihnen in dieser Aktion auch einfach nur zu schnell gegangen. Schiedsrichter Babak Rafati sah keine Regelwidrigkeit. Doch was sagt das Regelbuch zum Thema „Handspiel“?

Regel 12 entscheidet über das Handspiel

Um der Lösung auf die Spur zu kommen, bedarf es eines Blickes unter Regel 12 - Verbotenes Spiel und unsportliches Betragen. Dort befindet sich auch die „Auslegung der Spielregeln der Fifa für Schiedsrichter“, die der Deutsche Fußball-Bund in seinem Regelbuch übernommen hat:

Ein Handspiel liegt vor, wenn ein Spieler den Ball mit seiner Hand oder seinem Arm absichtlich berührt. Der Schiedsrichter achtet bei der Beurteilung der Situation auf:

- die Bewegung der Hand zum Ball (nicht des Balls zur Hand): eine Bewegung der Hand oder des Arms zum Ball kann bei der Geschwindigkeit, in der die fragwürdige Szene ablief, keine Rede sein - es sei denn Woronin hätte eine unmenschliche Reaktionszeit

- die Entfernung zwischen Gegner und Ball (unerwartetes Zuspiel): zwischen Torwart Adler, von dessen linkem Fuß der Ball zum Torschützen prallte, lagen wohl kaum mehr als zwei Meter; den zurückkommenden Ball konnte Woronin kaum erwarten

- die Position der Hand (Das Berühren des Balls an sich ist noch kein Vergehen): Woronins Arm nahm eine „normale“ Position ein, nicht direkt angelegt, sondern seinem Spurt und dem ersten Schuss entsprechend leicht abgespreizt

- das Berühren des Balls durch einen Gegenstand in der Hand des Spielers (Kleidung, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt: dieses Vergehen kann bei Woronin eindeutig ausgeschlossen werden

- das Treffen des Balls durch einen geworfenen Gegenstand (Schuh, Schienbeinschoner usw.), was ein Vergehen darstellt: auch dies war freilich nicht der Fall

Das Tor war also korrekt. Dass der Ball nicht von der Brust, sondern von der Schulter und Woronins Oberarmansatz ins Tor sprang, beweisen die Fernsehbilder. Dennoch kann man „Schulterschütze“ Woronin bei der dargestellten Bewertungsgrundlage keinerlei Absicht vorwerfen. Nur Woronins Trainer Lucien Favre, ein Schweizer Perfektionist, hatte etwas auszusetzen: „Andrej hätte das Tor im ersten Versuch erzielen müssen.“ Dann wäre uns aber auch diese anschauliche Regelkunde entgangen.

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Jahrgang 1983, Sportredakteur.

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