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Borussia Dortmund : Favres Stabilitätspakt

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Teuer und gut: Abdou Diallo ist der Neue im BVB-Abwehrzentrum. Bild: EPA

Sicherheit zuerst – auf dieser Grundlage möchte BVB-Trainer Favre seine Mannschaft aufbauen. Die Innenverteidiger Akanji und Diallo stehen dabei auch im Spiel gegen Eintracht Frankfurt besonders in der Verantwortung.

          Stürmer werden an Toren gemessen – vor allem auch an den Toren, die ihre Vorgänger erzielten. Borussia Dortmunds neuer Angreifer Paco Alcácer trägt daher eine schwere Last auf seinen Schultern, denn einer seiner Vorgänger heißt schließlich Robert Lewandowski, der in 131 Bundesligaspielen für den BVB 74 Tore erzielte. Pierre-Emerick Aubameyang kam in 144 Spielen sogar auf 98 Treffer. Noch besser ist die Quote bei Michy Batshuayi. Der Belgier schoss sieben Tore bei allerdings nur zehn Einsätzen. Die Frankfurter Eintracht, die an diesem Freitag beim BVB antritt, wird sich mit Schaudern an ihn erinnern. Batshuayi traf als Einwechselspieler zweimal gegen die Hessen; das 3:2 in der vierten Minute der Nachspielzeit bedeutete den BVB-Sieg.

          Die Partie an jenem Abend im März war ein Spektakel in der Schlussphase: schön für die Zuschauer, aber gegen die Abmachung, die der BVB mit dem damaligen Trainer getroffen hatte. Peter Stöger war geholt worden, um aus der Borussia, die unter Peter Bosz zu einer tollkühnen Spektakel-Liebhaberin geworden war, eine eher langweilige Sicherheitsangestellte zu machen. Dies ist nun der Auftrag für Lucien Favre. Sicherheit und Stabilität – das ist der Leitsatz des Schweizer Fußballlehrers.

          Für Paco Alcácer, den vom FC Barcelona verpflichteten Mittelstürmer, wird die Last daher noch schwerer. Favres Spiel ist so ausgelegt, dass vergleichsweise wenige, aber dafür sehr gute Torchancen herausgespielt werden. Gegen Frankfurt könnte der 25 Jahre alte Spanier den Versuch starten, ob die Taktik zu ihm passt. „Wir müssen ihn peu à peu integrieren“, ließ sich Favre lediglich auf die Frage entlocken, ob Alcácer in der Startelf stehen werde. Der Trainer gibt sich wieder mal sehr bedeckt.

          Ein Gerüst, das für Sicherheit steht

          Raphaël Guerreiro und Ömer Toprak werden beim BVB sicher ausfallen, Christian Pulisic wahrscheinlich. Offen bleibt mit hoher Wahrscheinlichkeit aber auch nur die Besetzung der zwei Positionen neben Marco Reus in der vordersten Reihe des 4–3–3-Systems, das wieder von Favre gewählt werden dürfte.

          Der Rest der Mannschaft dürfte so aussehen wie in den beiden Bundesligapartien zuvor. Es ist ein Gerüst, das für Sicherheit steht, für die Stabilität, auf deren Grundlage der BVB eine neue Mannschaft aufbauen will. In der Viererkette ist trotz des bemerkenswerten personellen Umbruchs jedoch nur Abdou Diallo neu, der für eine gewaltige Ablöse von 28 Millionen Euro plus möglichen Zuschlägen vom FSV Mainz 05 verpflichtet wurde.

          Auf dem Weg zur Sicherheit: Abdou Diallo (links), Axel Witsel und Manuel Akanji (rechts) sollen die zentrale Absicherung beim BVB gewährleisten.

          Diallo, französischer U-21-Nationalspieler, und Manuel Akanji, Schweizer Nationalspieler und WM-Teilnehmer in Russland, wecken in Dortmund die Hoffnung, dass sie ein ähnlich erfolgreiches Innenverteidiger-Duo wie einst Mats Hummels und Neven Subotic werden. Die beiden waren damals 20 Jahre alt, als Jürgen Klopp den BVB 2008 nach seinen Vorstellungen zu formen begann. Die Anfangsphase war schwierig, aufgrund der späteren Meisterschaften und des teils spektakulären Wegs ins Finale der Champions League wird einiges verklärt. In den ersten beiden Spielzeiten mit dem „Kinder-Riegel“, wie der Boulevard das Duo nannte, verpasste der BVB die Champions League.

          Das will die börsennotierte Fußballfirma in der laufenden Saison mit aller Macht vermeiden. Diallo, 22, und der ein Jahr ältere Akanji, der in der vergangenen Winterpause vom FC Basel kam, tragen somit auch eine schwere Last. Ihr gemeinsamer Start in der Bundesliga misslang. Nach 31 Sekunden schon traf RB Leipzig, und beide Innenverteidiger sahen dabei schlecht aus. Das zeigte Wirkung, und es kamen noch einige Wackler hinzu.

          Stark in der Spieleröffnung

          Es blieb jedoch bislang das einzige Gegentor; und die Partie gegen Leipzig wurde 4:1 gewonnen. Hannover 96 überzeugte gegen den BVB, kam aber beim 0:0 auch nur zu wenigen Chancen. Akanji und Diallo waren die besten Spieler der Dortmunder in einer Begegnung, die Favre anging, als sei seine Mannschaft die mit dem weitaus geringeren Etat, die mit den geringeren Ambitionen, die mit weniger Klasse der einzelnen Spieler. Sicherheit zuerst. Zum Vergleich: Sieben Tore musste der BVB in der vergangenen Saison im Heimspiel gegen Leipzig und in Hannover hinnehmen – und holte null Punkte. Nun sind es vier Zähler und nur ein Gegentreffer.

          Akanji und Diallo, die sich auf Französisch untereinander und mit Favre verständigen können, gelten als stark in der Spieleröffnung. Das ist ein Unterschied zum ehemaligen „Kinder-Riegel“, denn manch ein Gegner wählte eine Manndeckung gegen Hummels, um ihn zu isolieren und dem spielerisch schwächeren Subotic mehr Ballbesitz zu gewähren. In den vergangenen Jahren gab es beim BVB immer wieder Innenverteidiger, die für eine gepflegte Spieleröffnung ausfielen, zuletzt Sokratis. Der Grieche, inzwischen beim FC Arsenal beschäftigt, wählte häufig den weiten Pass auf den zentralen Stürmer. Das dürfte ein schlechtes Rezept für Diallo und Akanji sein. Paco Alcácer ist nur 1,76 Meter groß. Hohe Anspiele sind da kein Konzept. Schließlich sagt Favre über den Spanier: „Du kannst gut mit ihm kombinieren.“

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