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Fall Amerell Punktsieg für den Deutschen Fußball-Bund

04.03.2010 ·  Manfred Amerell und der DFB einigten sich außergerichtlich. Der Verband darf seine Behauptungen weiter verbreiten, der frühere Schiedsrichter erhält Namen. Ob die Affäre damit vorbei ist, kann allerdings bezweifelt werden.

Von Christian Eichler, München
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Manfred Amerell hat am Donnerstag vor dem Landgericht München seine Klage gegen den Deutschen Fußball-Bund zurückgezogen, der nun weiter behaupten darf, dass mehrere Schiedsrichter sich von dem früheren Schiedsrichter-Betreuer „in der Vergangenheit bedrängt oder belästigt“ fühlten.

Allerdings erzielte Amerell in dem nach dreieinhalbstündiger, nichtöffentlicher Mediation erzielten Vergleich einen Teilerfolg: Er erhielt vor Gericht Kenntnis der Namen und der eidesstattlichen Versicherungen jener drei Schiedsrichter, die nach der ursprünglichen Aussage von Michael Kempter ebenfalls Amerell beschuldigt hatten, seine Macht als ihr Vorgesetzter mit einem System aus Belobigungen und Repressalien für sexuelle Gegenleistungen missbraucht zu haben.

Amerell darf die Namen der Schiedsrichter nicht öffentlich machen, was der DFB-Medienanwalt Christian Schertz als ein „in jeder Hinsicht erfolgreiches“ Resultat für den DFB wertete, weil man neben der Zurücknahme des Antrages durch Amerell das Ziel erreicht habe, die Anonymität der Zeugen zu wahren und „eine mediale Schlammschlacht wie bei Kempter“ zu verhindern.

Für Amerell ist die Einigung eine formale Niederlage

Mehr als zwei Stunden nach dem geplanten Beginn der öffentlichen Verhandlung verkündete Richter Peter Lemmers die vier Punkte der Einigung, deren Verlesung im Verhandlungssaal 270 des Münchner Justizpalastes lediglich fünf Minuten dauerte. Schon am Abend zuvor habe man sich um einen solchen „nichtöffentlichen Güteversuch“ bemüht, das sei „allerdings am Fußballspiel“ zwischen Deutschland und Argentinien gescheitert.

Laut Schertz habe die DFB-Seite Amerell und dessen Anwälten am Donnerstag die Eidesstattlichen Versicherungen im Detail vorgetragen, worauf der Richter Amerell die Rücknahme seines Antrages empfohlen habe. Noch am Tage des Prozesses hatte DFB-Präsident Theo Zwanziger erklärt, im Falle eines juristischen Scheiterns in dieser Causa zurückzutreten.

Der Vergleich wurde von Beobachtern als Versuch beider Seiten gewertet, durch das Vermeiden weiterer öffentlicher Vorwürfe weiteren Schaden abzuwenden. Für Amerell ist die Einigung eine formale Niederlage, bietet ihm aber noch eine Möglichkeit: Er darf die ihm nun bekannten Namen der Schiedsrichter nicht gegenüber Medien nennen, hat aber die Option, sie zu verklagen - sofern er zu der Meinung kommt, sich dadurch nicht selbst am meisten zu schaden.

Hat Kempter Amerell als „Schatz“ angesprochen?

Dass der DFB, der zuvor betont hatte, die Anonymität der intern gegen Amerell aussagenden Schiedsrichter schützen zu wollen, deren Identität nun der Gegenseite preisgab, ist auch als Versuch zu sehen, den „Kronzeugen“ Kempter vor weiteren Angriffen zu schützen. So waren just am Prozesstag Meldungen über eine vertrauliche Mail aus dem Jahr 2008 aufgetaucht, in der der junge Fifa-Schiedsrichter, der sich in Interviews als „nicht homosexuell“ bezeichnet, Amerell als „Schatz“ angesprochen habe.

Es war ein deutlicher Hinweis auf eine mögliche Schlammschlacht, mit der vor Gericht durch Amerells Anwälte Kempters Glaubwürdigkeit hätte beschädigt und seine Karriere möglicherweise zerstört werden können. Kempter soll am Sonntag sein erstes Spiel, eine Zweitligapartie, seit Beginn der Affäre pfeifen. Ob die Affäre damit vorbei ist, kann bezweifelt werden.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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