05.03.2010 · Manfred Amerell versetzt Johannes B. Kerner zurück in seine frühen Tage des Nachmittags-Talks. Und er bezichtigt den DFB der Erpressung, dessen Präsidenten Theo Zwanziger der Sorglosigkeit - und Michael Kempter des Bayern-Hasses.
Von Daniel MeurenWann war schon einmal „ein Lothar Matthäus“ Vorprogramm für einen Schiedsrichter? So geschehen am Donnerstagabend im Fernsehstudio von Johannes B. Kerner. Und das, obwohl „Loddar“ auch noch seine Liliana mitgebracht hatte und somit ein ansehnliches Paar darstellte, das laut „Bild“-Zeitung schon seit zwei Monaten in Scheidung leben müsste.
Aber was ist schon ein auf die Probe gestelltes Eheleben eines ehemaligen Fußball-Weltstars gegen das Beziehungsdrama eines Schiedsrichteraufsehers? Also war Manfred Amerell der dutzendfach während der ersten Sendestunde beworbene Stargast des Abends, an dem sich Kerner in seine frühen Karrieretage zurückversetzt gefühlt haben dürfte. Damals, Mitte der 90er, als er in seiner ersten Dienstzeit bei Sat.1 die erste Sendung mit seinem Namen im Titel moderierte, musste er am frühen Nachmittag ran. Die Gäste hatten noch lange keinen Promistatus, sondern eben den Geruch des Trashs von der Straße, an dem sich in jener Zeit das Fernsehpublikum mit freier Zeit am Nachmittag ergötzte - und die Medienwächter und das Feuilleton erregte.
Damals, davon gehen wir mal aus, dürfte Kerner vermutlich schon eine Sendung mit dem Thema „Ja, ich liebe junge Männer!“ moderiert und wohl auch die Frage gestellt haben, die er nun in seiner vermeintlichen Hochglanzsendung zur spätabendlichen Sendezeit verschämt wie ein Pennäler über die Lippen brachte: „Sind Sie bisexuell?“ Und der Moderator erhielt tatsächlich eine Antwort. „Das kann man so ausdrücken“, sagte Manfred Amerell, gegen den nicht der Vorwurf der Bisexualität, sondern jener der sexuellen Belästigung Untergebener im Raum steht.
„Einvernehmen war jederzeit vorhanden“
Der 63 Jahre alte ehemalige Bundesligaschiedsrichter soll seine Machtposition, die ihm das mittlerweile abgetretene Ehrenamt im Deutschen Fußball-Bund (DFB) verliehen hat, ausgenutzt und Michael Kempter, den 27 Jahre jungen aufstrebenden Stern am deutschen Schiedsrichterhimmel, und drei weitere, bislang namentlich nicht bekannte Unparteiische sexuell genötigt haben. (siehe: Schiedsrichter-Affäre: Amerell abermals schwer belastet)
Amerell geht in der Schlammschlacht nun den Schritt an die Öffentlichkeit, um seine Reputation wiederherzustellen. Dies tat er bei „Kerner“ mit bemerkenswert offenen Aussagen über sein Sexualleben und zahlreichen Zitaten aus angeblich von Kempter an ihn geschickten E-Mails und Handy-Kurznachrichten. Aus denen - so sie echt sind - ginge nicht nur hervor, dass Kempter offenbar Antipathien gegen Bayern München hat, weil er im April 2007 auf ein Ausscheiden des Klubs in einem Europapokalduell mit dem AC Mailand hoffte - was auf Drängen des FC Bayern übrigens bei der nächsten DFL-Tagung diskutiert werden wird.
Vielmehr bezeichnet „Michi“ Amerell als „Schatz“ oder unterschreibt Mails mit „Dein Lover“. „Da sieht man wohl, dass er unter Umständen auf mich abgefahren ist. Das Verhältnis war vielleicht so, dass wir verliebt waren, aber ich weiß es nicht“, sagte Amerell. „Einvernehmen war jedenfalls jederzeit vorhanden.“ Und der Antrieb zu körperlichen Handlungen, die laut Amerell in der Zeit vor Januar 2009 dreimal stattgefunden haben sollen, sei „ausgeglichen“ von beiden Seiten gekommen.
Amerell gegen Zwanziger
So weit, so unappetitlich: So schädigend die ganze Schlammschlacht für das Ansehen und das weitere Leben des verheirateten zweifachen Familienvaters Amerell und den erst im Januar in den Stand der Fifa-Schiedsrichter aufgestiegenen Kempter sein mögen, so sehr kann der Skandal nun auch DFB-Präsident Theo Zwanziger in den Sog ziehen (siehe auch: DFB-Kommentar: Beckenbauer statt Zwanziger?). Amerell bezichtigte den nach seinen Worten „allmächtigen Präsidenten“, dass er aus Angst um sein Amt zwei Menschen „auf dem Altar der Öffentlichkeit geopfert hat, weil er unfähig war, diese Dinge so zu ordnen, wie es sich gehört“.
Amerell wirft Zwanziger weiter vor, dass er seine Sorgfaltspflicht verletzt habe, indem er Kempter, der sich am 17. Dezember mit einem vertraulichen Brief an Schiedsrichter-Boss Volker Roth mit seinem Vorwurf der sexuellen Belästigung durch Amerell offenbarte, nicht frühzeitig auf die Tragweite seines Tuns hingewiesen habe. Stattdessen habe Zwanziger durch sein Zögern erst den Skandal in die Öffentlichkeit gebracht. Zudem erhob Amerell den Vorwurf, dass der DFB-Boss mit dem am Donnerstag erzielten Vergleich vor Gericht (siehe: Fall Amerell: Punktsieg für den DFB), wobei es um eine Klage Amerells gegen die Belästigungs-Behauptungen des DFB ging, drei weitere Schiedsrichter für sein Amt ans Messer geliefert habe.
„Ich wurde erpresst, das so zu machen“
Der DFB hatte im Tausch gegen die Rücknahme der Klage die Namen der Belastungszeugen verraten. Amerell will die drei namentlich nicht bekannten Schiedsrichter nun ebenso wie Kempter wegen Rufschädigung verklagen. „Dass es so weit gekommen ist, dafür trägt ein anderer die Verantwortung. Und der sitzt in Frankfurt“, sagte Amerell und meinte natürlich Zwanziger.
Am Rande der Sendung bezeichnete Amerell es zudem als „Lüge“ des DFB, dass er von seinen Ämtern im Schiedsrichterwesen des Verbandes zurückgetreten sei. „Das ist eine glatte Lüge. Ich wurde erpresst, das so zu machen“, sagte Amerell.
Erste Konsequenz des Amerell-Auftritts vom Donnerstagabend ist nun, dass Michael Kempter am Sonntag nicht wie zunächst vorgesehen das Zweitligaspiel Union Berlin gegen MSV Duisburg leiten wird. Stattdessen kann Kempter, der seine Wortwahl in den Emails am Freitag in der Bild-Zeitung mit einer Notsituation („Das war eine Drucksituation, das war absoluter Terror“) und der Furcht vor Nachteilen für seine Schiedsrichter-Laufbahn („Er drohte mir damit, dass es keine Spiele mehr gäbe“) begründete, vielleicht mal wieder in einen Song der Gruppe „Ich+Ich“ reinhören, das nach Lage der bei „Kerner“ veröffenntlichten Dinge so etwas wie ein gemeinsames Lieblingslied der beiden Schiedsrichter gewesen sein dürfte: „Wenn meine Seele grau ist, nichts macht mehr Sinn. Ich bin ganz oben und ich weiß nicht mehr, wohin ich gehen soll. Wo viele Schatten sind, da ist auch Licht. Ich laufe zu dir, ich vergess dich nicht. Du kennst mich und mein wahres Gesicht.“
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |