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Fall Amerell : Der Allmächtige ist schuld

„Ich mochte ihn sehr, sehr gern. Ich glaube, im Umkehrschluss war es genauso”: Manfred Amerell Bild: dpa

Manfred Amerell versetzt Johannes B. Kerner zurück in seine frühen Tage des Nachmittags-Talks. Und er bezichtigt den DFB der Erpressung, dessen Präsidenten Theo Zwanziger der Sorglosigkeit - und Michael Kempter des Bayern-Hasses.

          Wann war schon einmal „ein Lothar Matthäus“ Vorprogramm für einen Schiedsrichter? So geschehen am Donnerstagabend im Fernsehstudio von Johannes B. Kerner. Und das, obwohl „Loddar“ auch noch seine Liliana mitgebracht hatte und somit ein ansehnliches Paar darstellte, das laut „Bild“-Zeitung schon seit zwei Monaten in Scheidung leben müsste.

          Aber was ist schon ein auf die Probe gestelltes Eheleben eines ehemaligen Fußball-Weltstars gegen das Beziehungsdrama eines Schiedsrichteraufsehers? Also war Manfred Amerell der dutzendfach während der ersten Sendestunde beworbene Stargast des Abends, an dem sich Kerner in seine frühen Karrieretage zurückversetzt gefühlt haben dürfte. Damals, Mitte der 90er, als er in seiner ersten Dienstzeit bei Sat.1 die erste Sendung mit seinem Namen im Titel moderierte, musste er am frühen Nachmittag ran. Die Gäste hatten noch lange keinen Promistatus, sondern eben den Geruch des Trashs von der Straße, an dem sich in jener Zeit das Fernsehpublikum mit freier Zeit am Nachmittag ergötzte - und die Medienwächter und das Feuilleton erregte.

          Damals, davon gehen wir mal aus, dürfte Kerner vermutlich schon eine Sendung mit dem Thema „Ja, ich liebe junge Männer!“ moderiert und wohl auch die Frage gestellt haben, die er nun in seiner vermeintlichen Hochglanzsendung zur spätabendlichen Sendezeit verschämt wie ein Pennäler über die Lippen brachte: „Sind Sie bisexuell?“ Und der Moderator erhielt tatsächlich eine Antwort. „Das kann man so ausdrücken“, sagte Manfred Amerell, gegen den nicht der Vorwurf der Bisexualität, sondern jener der sexuellen Belästigung Untergebener im Raum steht.

          Amerell will neben Michael Kempter auch drei andere Schiedsrichter verklagen
          Amerell will neben Michael Kempter auch drei andere Schiedsrichter verklagen : Bild: dpa

          „Einvernehmen war jederzeit vorhanden“

          Der 63 Jahre alte ehemalige Bundesligaschiedsrichter soll seine Machtposition, die ihm das mittlerweile abgetretene Ehrenamt im Deutschen Fußball-Bund (DFB) verliehen hat, ausgenutzt und Michael Kempter, den 27 Jahre jungen aufstrebenden Stern am deutschen Schiedsrichterhimmel, und drei weitere, bislang namentlich nicht bekannte Unparteiische sexuell genötigt haben. (siehe: Schiedsrichter-Affäre: Amerell abermals schwer belastet)

          Amerell geht in der Schlammschlacht nun den Schritt an die Öffentlichkeit, um seine Reputation wiederherzustellen. Dies tat er bei „Kerner“ mit bemerkenswert offenen Aussagen über sein Sexualleben und zahlreichen Zitaten aus angeblich von Kempter an ihn geschickten E-Mails und Handy-Kurznachrichten. Aus denen - so sie echt sind - ginge nicht nur hervor, dass Kempter offenbar Antipathien gegen Bayern München hat, weil er im April 2007 auf ein Ausscheiden des Klubs in einem Europapokalduell mit dem AC Mailand hoffte - was auf Drängen des FC Bayern übrigens bei der nächsten DFL-Tagung diskutiert werden wird.

          Vielmehr bezeichnet „Michi“ Amerell als „Schatz“ oder unterschreibt Mails mit „Dein Lover“. „Da sieht man wohl, dass er unter Umständen auf mich abgefahren ist. Das Verhältnis war vielleicht so, dass wir verliebt waren, aber ich weiß es nicht“, sagte Amerell. „Einvernehmen war jedenfalls jederzeit vorhanden.“ Und der Antrieb zu körperlichen Handlungen, die laut Amerell in der Zeit vor Januar 2009 dreimal stattgefunden haben sollen, sei „ausgeglichen“ von beiden Seiten gekommen.

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