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Europapokal-Desaster : Deutschland gegen Europa 0:6

Gedemütigt: Auch der 1. FC Köln verliert Bild: dpa

Sechs Spiele, sechs Niederlagen, 2:12 Tore. Die Bundesliga wurde gedemütigt in dieser Europapokalwoche. Deutschland muss sogar neidisch nach Österreich schauen.

          Das hat die Bundesliga noch nie erlebt: Eine Europapokal-Woche mit sechs Spielen, in denen nicht einmal ein Punktgewinn für die deutschen Teams gelungen ist. Eine Bilanz, wie man sie sonst nur von Österreich kennt – das in dieser Woche freilich mit seinen zwei verbliebenen Vertretern in der Europa League ungeschlagen blieb bei einem Salzburger Sieg über Marseille und einem Unentschieden von Austria Wien bei AEK Athen.

          Ganze zwei Tore erzielten die Bundesligaklubs, während sie zwölf hinnehmen mussten. Dortmund eröffnete die Woche mit einem 1:3 gegen Real Madrid, RB Leipzig verlor bei Besiktas Istanbul den Durchblick bei der 0:2-Niederlage, die für Trainer Carlo Ancelotti folgenreiche 0:3-Pleite in Paris setzte das deutsche Drama fort, ehe am Donnerstag auch Köln (0:1 gegen Roter Stern Belgrad), Berlin (0:1 in Östersund) und Hoffenheim (1:2 in Rasgrad) ihre Spiele verloren.

          Die Bilanz liest sich nun im Vergleich zur derzeit stärksten Europa-Fraktion aus England wie ein Offenbarungseid des Weltmeisterlands im Herbst des Fußballjahres 2017: Die sieben teilnahmeberechtigten Klubs aus der Premier League blieben am zweiten Spieltag mit fünf Siege und zwei Unentschieden ungeschlagen, schon am ersten Spieltag waren sie mit fünf Siegen deutlich erfolgreicher als die Bundesliga. Da gelang lediglich Bayern München ein Sieg über Anderlecht, Hertha BSC und Leipzig trugen immerhin noch je ein Unentschieden bei zur bescheidenen deutschen Ausbeute. Die Gesamtbilanz ist bei fünf Punkten aus zwölf Spielen also nur unwesentlich besser.

          Die Folgerung: Die europäischen Spitzenklubs Real und Paris sind den deutschen Top-Teams auch dank Finanzkraft enteilt. Die zweite Reihe deutscher Profiklubs kann die finanziellen Vorteile im Wettstreit mit Teams aus deutlich benachteiligten Ligen wie Schweden, Bulgarien, Türkei oder Serbien nicht nutzen.

          Ein ähnliches Desaster gab es zuletzt 1981

          Ähnlich desaströs für den deutschen Fußball war lediglich der 21. Oktober 1981, als west- wie ostdeutsche Teams an einem Europapokal-Mittwoch nach altem Muster ohne Sieg blieben und in acht Spielen lediglich Bayern München im Europapokal der Landesmeister ein 0:0 bei Benfica Lissabon und Lokomotive Leipzig im Pokalsiegerwettbewerb ein 1:1 gegen Velez Mostar gelang, während die anderen sechs gesamtdeutschen Klubs Niederlagen einstecken mussten.

          DDR-Meister Dynamo Berlin unterlag seinerzeit im Europapokal der Landesmeister dem späteren Sieger Aston Villa mit 1:2. Der westdeutsche Pokalsieger Eintracht Frankfurt unterlag im entsprechenden Wettbewerb in Rostow mit 0:1. Im Uefa-Pokal verlor Kaiserslautern bei Spartak Moskau ebenso wie Dynamo Dresden bei Feyenoord Rotterdam und der HSV in Bordeaux mit 1:2, Jena unterlag bei Real Madrid mit 2:3.

          Damals hatte aber immerhin am Vorabend Borussia Mönchengladbach das Spiel gegen Dundee United 2:0 gewonnen – dem freilich eine historische 0:5-Niederlage im Rückspiel in Schottland folgte. Einen Hoffnungsschimmer hält das Jahr 1981 freilich dennoch bereit: Am Ende der Spielzeit standen der HSV und die Bayern immerhin in den Finals ihrer Wettbewerbe (beide verloren) und der FCK erreichte das Halbfinale.

          Vier unbedarfte Mannschaften in Europa unterwegs

          Als Erklärungsansatz für das 2017 in der Breite miserable Abschneiden dient lediglich, dass in Leipzig, Hoffenheim, Hertha BSC und Köln gleich vier Teams Deutschland vertreten, die kaum Europapokal-Routine besitzen: Hoffenheim und Leipzig spielen erstmals international mit, Köln musste ein Vierteljahrhundert aufs Comeback warten. Hertha BSC hatte abgesehen von einem Scheitern in der Qualifikationsrunde der Vorsaison zuletzt 2008/09 im Europapokal mitgespielt..

          Nach dem historischen Pleiten-Spieltag im Europapokal ist die Bundesliga in der Fünfjahreswertung der Europäischen Fußball-Union (Uefa) auf Platz vier hinter Italien abgerutscht. Der Rückstand Deutschlands beträgt 0,918 Punkte. Bereits nach dem ersten Spieltag der Gruppenphase hatte die Bundesliga den zweiten Platz für England räumen müssen.

          Gravierende Auswirkungen wird das aufgrund der Europapokal-Reform, die ab der kommenden Saison den besten vier Ligen vier Startplätze in der Champions-League-Gruppenphase garantiert, aber vorerst nicht haben. Einen Absturz auf Platz fünf braucht die Bundesliga in diesem Jahr noch nicht zu fürchten.

          Quelle: FAZ.NET/dme.

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