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Erster Auftritt von Martinez Der neue König und sein Gefolge

 ·  Javier Martínez wirbelt das Gefüge des FC Bayern gehörig durcheinander. Der 40-Millionen-Mann ist nicht für die Bank gedacht, dort werden andere sitzen. Selten war der Druck im Mittelfeld der Münchner größer.

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© dpa Kein Mann für die Bank: Javier Martinez

Nach seiner ersten Trainingseinheit mit dem FC Bayern München war für Javier Martínez noch nicht Schluss. Auch ein 40-Millionen-Mann muss Extraschichten bestreiten, und so trottete er gehorsam zum Nebenplatz. Die Gymnastikübungen sahen einen Partner vor, ihm assistierte Fitnesscoach Marcelo Martins. Nicht Bastian Schweinsteiger, nicht Anatolij Timoschtschuk und auch nicht Daniel van Buyten, welche die gleichen Übungen absolvierten. Am Ende der Einheit schlenderte Martínez allein in Richtung Kabine. Die anderen steckten die Köpfe zusammen und folgten dann.

Viel Raum für Kaffeesatzleserei

Javier Martínez, der 23 Jahre alte Spanier, wird sich daran gewöhnen müssen, dass in den kommenden Wochen jede seiner Aktionen genau registriert wird. 40 Millionen Euro sind gleichbedeutend mit dem Rekordtransfer in der Bundesliga-Geschichte, und auch wenn die Verantwortlichen der Bayern keine Gelegenheit versäumen, darauf hinzuweisen, dass sich die Summe aus speziellen Gründen, für die der Spieler nichts kann, derart angehäuft hat, wird das Fanvolk nun all seine Bewegungen mit diesem „Wahnsinnsbetrag“ (Bayern-Präsident Uli Hoeneß) verrechnen. In die Kalkulationen fließt zudem der Faktor Konkurrenzkampf ein. Da ist viel Raum für Kaffeesatzleserei, aber der Klub muss fürs Erste damit leben, dass rund um den kostspieligen Mittelfeldspieler schlichtweg alles ausreichend Stoff für Interpretationen liefert. An diesem Sonntag beim Heimspiel gegen Stuttgart (17.30 im FAZ.NET-Liveticker) könnte Martínez schon auf der Bank Platz nehmen.

Dass Martínez die Dehnübungen mit Martins absolviert hat, ist schon der erste Fall. Der Fitnesscoach spricht Spanisch, folglich ist es logisch, sich zusammenzutun. Andererseits standen auch Schweinsteiger und Timoschtschuk zur Verfügung. Zwei Konkurrenten um den Platz im zentralen Mittelfeld. Javier Martínez ist 1,90 Meter groß, doch er steht vor allem für den gewaltigen Millionenberg, zu dessen Füßen ein Stühlerücken ansteht. Wer nimmt den Platz neben ihm ein? Denn eines ist sicher: Martínez wird spielen. 40 Millionen Euro überweist selbst ein FC Bayern nicht für einen Bankdrücker.

Es wird spannend, zu sehen, wie sich die unmittelbare Konkurrenz im Tal unterhalb des Millionenkolosses Martínez formiert. Für jeden zentralen Mittelfeldmann im Kader bedeutet der Transfer ein gewisses Misstrauensvotum, da können sie in der Bayern-Führung noch so sehr versuchen, dem Geschäft die Brisanz zu nehmen. Zumal es ja rechtens ist, sich nach hochwertigen Alternativen umzuschauen. Schweinsteiger genießt nach wie vor höchste Wertschätzung, wird er fit, ist er neben dem Basken gesetzt. Martínez als Organisator vor der Abwehr, der deutsche Nationalspieler etwas versetzt auf der Achterposition - das kommt der Idealvorstellung von Trainer Jupp Heynckes sehr nahe. Bei Schweinsteiger hat man keine Zweifel an der sportlichen Qualität. Allein sein Körper macht Sorgen.

Luiz Gustavo, die „Zweikampfmaschine“

Luiz Gustavo steht als erste Option parat. Der Brasilianer war den Münchnern vor eineinhalb Jahren stolze 16 Millionen Euro wert, und bei ihm haben sich die Bosse in diesem Sommer früh klar positioniert. „Er wird bleiben“, stellte der neue Sportvorstand Matthias Sammer klar. „Er ist eine Zweikampfmaschine“, lobte der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge. Im Defensivverhalten ist Luiz Gustavo der stärkste Mittelfeldmann, nur im Aufbau hat er Schwächen. „Martínez ist eine Konkurrenz nicht nur für mich, sondern für uns alle“, sagt Luiz Gustavo, „aber das ist kein Problem, wir sind eine Mannschaft. Nur der Erfolg zählt.“ In seiner Lage ist Loyalität gefragt.

Timoschtschuk hat sich, seit er 2009 zu den Münchnern stieß, in Sachen Loyalität ebenfalls nie etwas zuschulden kommen lassen. Obwohl er es stets schwer hatte. Sein Wechsel wurde noch von Jürgen Klinsmann forciert, doch als der Ukrainer kam, war der Coach schon Geschichte. Louis van Gaal bevorzugte seinen Landsmann Mark van Bommel. Timoschtschuk, auf all seinen Stationen zuvor stets eine unangefochtene Leitfigur, wurde bei Bayern zum Mitläufer. Er fügte sich, ohne zu maulen. Das Bild von ihm, das am meisten haften geblieben ist, ist aber ausgerechnet jenes, wie er sich im Finale der Champions League beharrlich weigert, einen Elfmeter zu treten. Er hatte schon immer einen schweren Stand. Diesen Sommer wurde es nicht leichter für ihn.

Überragende Talente vom lieben Gott

Toni Kroos steht in dieser Saison laut Rummenigge vor einer entscheidenden Phase seiner Karriere. „Er hat vom lieben Gott überragende Talente mitbekommen - das ist eine Verpflichtung, sie im Wohle der Mannschaft einzusetzen“, sagt der Vorstandsboss. In der Führungsetage haben sie sehr wohl registriert, „dass Toni in der Hinrunde famos gespielt hat, in der Rückrunde aber weit unter seinen Möglichkeiten blieb“. Mehr Effizienz sei gefragt, und auch abseits des Platzes ist man nicht zufrieden mit dem Auftreten des Nationalspielers. Rummenigge fürchtet, dass Kroos Gefahr läuft, sich zu sehr fremdsteuern zu lassen: „Ich habe bei ihm den Eindruck, dass auch sein Berater keine gute Rolle spielt.“ Kroos wird durch den Martínez-Transfer nicht mehr so oft in die Verlegenheit kommen, auf der „Sechs“ auszuhelfen. Er soll sich auf der „Zehn“ hinter der Sturmspitze durchsetzen - doch dort ist die Konkurrenz größer als im Vorjahr. Karl-Heinz Rummenigge sieht Thomas Müller auf dem Weg zu alter Klasse (“Er ist wieder der motivierte Beißer“), zudem hat Xherdan Shaqiri in seinen ersten Wochen viele Pluspunkte gesammelt.

Es wird sich einiges rühren im Mittelfeld der Münchner - und einige müssen sich warm anziehen. Bei der ersten Trainingseinheit von Javier Martínez in München regnete es übrigens in Strömen, es war ein kalter Spätsommertag. Der Millionenmann verzichtete als einer der wenigen Bayern-Profis auf eine Regenjacke. Trotz der widrigen Bedingungen.

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