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Entscheidung in Rostock Ein Spielball namens Hansa

 ·  Rostock stieg aus der zweiten Liga wieder ab. Aber das ist noch das kleinere Übel. An diesem Mittwoch steht die Existenz von Hansa auf dem Spiel - und im Hintergrund ereignen sich Dinge, die der Klub nicht beeinflussen kann.

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© dpa Die Unterstützung ist flächendeckend, doch die Entscheidung liegt bei den Politikern

Wenn der ganze Stress vorbei sei, sagt Bernd Hofmann, würden er oder Manager Stefan Beinlich bestimmt mal die Nummer von Uli Hoeneß wählen. Der sei ja schließlich bekannt dafür, dass er Notleidenden hilft. Ein Herz für den Osten hat er sowieso. Warum also nicht ein Benefizspiel der Münchner Bayern an der Küste?

Der FC Hansa Rostock, dessen Vorstandschef Hofmann ist, galt nach der Wende lange als Vorzeigeklub der neuen Bundesländer. Nun ist er in Not. Der Verein beendete die Zweitligasaison vergangenen Sonntag als Letzter und stieg ab. Und das ist noch das kleinere Übel.

„Das Thema ist nicht mehr der Abstieg“, sagt Hofmann, „es geht um die nackte Existenz. Wenn das Rettungspaket nicht genehmigt wird, gehen wir in die Insolvenz.“ Das bedeutet: Zwangsabstieg in die Regionalliga. Würde dann das Insolvenzverfahren nach dem 30. Juni eröffnet, stürzt Hansa in die Oberliga. „Dann fangen wir komplett bei null an“, sagt Hofmann.

Stichtag ist der heutige 9. Mai. An diesem Mittwoch entscheidet Rostocks Parlament, die Bürgerschaft, über das Schicksal des Vereins. Der wirbt, neben seinem Vereinswappen, der Kogge, mit einem Slogan, der wie Hohn anmutet: „Unsinkbar seit 1965“.

Längst sucht der 43 Jahre alte Hofmann nach Lichtblicken. „Vielleicht gehen wir sogar gestärkt aus der Sache hervor. Dass die Menschen noch enger zusammen stehen für ihren Verein.“ Doch der Finanzausschuss der Rostocker Bürgerschaft hat einstweilen mit deutlicher Mehrheit das Hilfspaket abgelehnt - eine Empfehlung an die Bürgerschaft.

Dieser Maßnahmenkatalog sieht auch vor, dass die klamme Stadt finanziell in die Bresche springt. Mit einem teilweisen Erlass von Altsteuern, einer Finanzspritze über 750.000 Euro und dem Kauf eines Klubgeländes für 530.000 Euro. Das Konzept, betont Hofmann, sei schlüssig. Es handle sich nur um eine einmalige Hilfe, danach schaffe Hansa es alleine - schließlich habe man das bereits bewiesen, indem die jährlichen Kosten von siebzehn auf elf Millionen Euro gesenkt worden seien.

Doch im Hintergrund ereignen sich Dinge, die er nicht beeinflussen kann. Wagt die Stadt am Beispiel des FC Hansa die Machtprobe mit dem Land Mecklenburg-Vorpommern, von dem sie sich gegängelt fühlt? „Wir sind zum Spielball der Politik geworden“, sagt Hofmann.

Hansa, insgesamt mit 8,5 Millionen Euro verschuldet, drücken unter anderem Steuerschulden aus den Jahren 1999 bis 2001. Es geht um falsch bilanzierte Transfersummen, insgesamt 4,5 Millionen Altlasten. Der Klub bietet den Gläubigern an, 39 Prozent ihrer Forderungen zu erfüllen. Die Hausbanken und auch das Land, mit Forderungen übers Finanzamt, hätten zugestimmt.

„Wenn aber einer ausschert, scheitert der gesamte Plan“, so Hofmann. Und das könnte die Stadt sein. 1,7 Millionen an Gewerbesteuer stünden ihr noch zu, Hansa hat 680.000 geboten. Lehnt die Bürgerschaft den Kompromiss ab, wäre der Klub zahlungsunfähig. Doch was nützt der Stadt ein bankrotter Verein?

Per Optionsrecht würde das Stadion dann an die Hansestadt fallen, für einen zweistelligen Millionenbetrag. Die Arena würde laut Hofmann zum Millionengrab, „weil es keinen Verein mehr gibt, der in der Oberliga entsprechende Einnahmen aus Spielen generiert“. Er glaubt: „Wirtschaftlich wäre es für die Stadt unsinnig, uns nicht zu helfen. Weil dann gar kein Geld mehr an sie fließt.“

In dieser Saison haben die Hanseaten ihren Ruf als Hort von Chaoten untermauert, die im Namen des Klubs randalieren. Bundesweit. Auch hier, sagt Hofmann, sei man auf dem Weg der Besserung. Seit der Rückrunde war es in der Tat ruhiger um Hansa geworden.

Auch viele Fans kämpfen jetzt für ihren Verein. Zuletzt ein Benefizkonzert statt. Von den Eintrittsgeldern wird ein Werbeflugzeug finanziert, das am 9. Mai über der Stadt kreisen soll, mit der Botschaft „Bürgerschaft pro Hansa“. Der Druck auf die Politiker, von diesen laut Hofmann womöglich unterschätzt, wächst täglich. „Da ist längst eine Lawine der Solidarität losgetreten worden.“

Am Sonntag fand vor dem Spiel gegen Greuther Fürth eine Demonstration statt. Tausende waren dabei. Unterschriftenlisten kursierten. Und die Ratsmitglieder erleben am Mittwoch, dem Tag der Entscheidung, vor ihren Fenstern noch einmal eine große Kundgebung.

„Die Politiker sollten nicht vergessen, dass wir ein großer Steuerzahler der Stadt sind“, sagt Hofmann, „mit 4,7 Millionen Euro im Jahr. Zudem geben wir 47 festen Angestellten Arbeit.“ Der Satz enthält auch eine Botschaft: Ist der Verein pleite, gibt es neue Arbeitslose, klaffen neue Finanzlücken im städtischen Haushalt. „Aber“, sagt Hofmann, „es liegt nicht in unserer Hand. Wir haben keinen Plan B.“

Das gilt auch für die sportliche Seite, die derzeit in den Hintergrund rückt. Nur wenn das Hilfspaket abgesegnet wird, ist die Zukunft klar: Hofmann und Beinlich wollen bleiben, Trainer Wolfgang Wolf halten. Für die dritte Liga sollen insgesamt zwölf Spieler weiterverpflichtet werden.

Mit einem Etat von zehn Millionen Euro will Hansa den sofortigen Wiederaufstieg anpeilen. „Im Gegensatz zum ersten Abstieg vor zwei Jahren würde diesmal nicht alles zusammenbrechen“, sagt Hofmann: „Das Fass hat einen Boden.“ Nur die kommunale Politik könnte diesen jetzt durchbrechen.

Sollte Hansa die politische Hilfe erhalten, dürfte sich Hofmann übrigens bei seinem Anruf bei Uli Hoeneß über eine positive Antwort freuen. „In diesen schweren Zeiten müssen alle, die sich Hansa verbunden fühlen, zum Verein halten“, sagte der Präsident des FC Bayern am Dienstagabend.

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