13.11.2009 · Hannover nimmt Abschied von Robert Enke, die Zeit scheint für einen Moment still zu stehen. Landesbischöfin Margot Käßmann findet Worte, die berühren und nachdenklich stimmen. Und die Fans sagen: „Er war doch einer von uns.“
Von Frank Heike, HannoverFür einen Moment scheint die Zeit wirklich still zu stehen, und man meint, die ganze Trauergemeinde hielte den Atem an: Michael Ballack beugt sich zu dieser kleinen, tapferen, ganz in Schwarz gekleideten Frau herab und drückt sie fest an sich. Fast 1000 Menschen sitzen und stehen in der Marktkirche; es ist ein Gedränge wie in einem Fanblock. Doch man würde eine Stecknadel fallen hören. So viele berühmte Menschen wollen Teresa Enke kondolieren, da vorn, in der ersten Reihe, ganz nah am Altar.
Als Ballack an die Reihe kommt, merkt man, dass zwischen den beiden etwas mehr Vertrautheit herrscht. Teresa Enke verschwindet fast in der bauschigen schwarzen Kapuzenjacke des Kapitäns der deutschen Nationalmannschaft, so fest drückt sie ihn an sich. Sie weint. Er kämpft mit den Tränen. Es muss guttun, inmitten der vielen fremden Gesichter einen Menschen zu finden, an den man sich lehnen kann. Mit dem man trauern kann. Wenn auch nur für Sekunden.
Dann setzt sich Michael Ballack neben Bundestrainer Joachim Löw in die zweite Reihe, der nächste kondoliert der Witwe des am Dienstagabend verstorbenen Fußballtorwarts Robert Enke, und im Gotteshaus beginnt wieder das typische Scharren, Murmeln, Hüsteln von 1000 Menschen.
Ein Kommen und Gehen
Die Marktkirche von Hannover ist vielleicht einen Kilometer von der Fußball-Arena entfernt; sie liegt mitten in der Stadt gegenüber der Markthalle. Eine ungewöhnliche Gemeinde hat sich an diesem Abend zur Andacht versammelt. Männer in Trikots, Jungen mit Schals an Hals und Handgelenken.
Die Farben Rot und Grün leuchten. Nachmittags um vier Uhr sind die ersten Trauernden gekommen, wohl gleich rüber von den Kondolenz-Tischen vor der Arena. Dort herrscht den ganzen Tag ein Kommen und Gehen im Nieselregen, der die Grablichter löscht und die Stimmung noch mehr dämpft. Eine Stadt trauert um einen Fußballprofi.
Robert Enke war anders als die Kollegen. Ruhiger, nachdenklicher, engagiert in sozialen Projekten der Stadt; er lebte vor den Toren Hannovers mit vielen Tieren, darunter Hunde, die er in Portugal und Spanien auf der Straße aufsammelte. Seine besondere Vita mit vielen traurigen Momenten im Privaten und im Fußball hat die Menschen über die Jahre berührt. „Er war doch einer von uns“ ist ein Satz, den man an diesem langen Tag der Trauer immer wieder hört. Enke ist einer von ihnen, auch, weil er eigentlich ein zu guter Torwart für Hannover 96, aber seit 2004 doch nie weggegangen ist. Es fällt schwer, sich eine derartige öffentliche Anteilnahme bei einem anderen Sportler vorzustellen. Beim FC Barcelona gibt es eine Schweigeminute für Enke, beim nächsten Heimspiel wird Benfica Lissabon ihn ehren.
Worte, die berühren und nachdenklich stimmen
In der ökumenischen Andacht findet Landesbischöfin Margot Käßmann Worte, die berühren und nachdenklich stimmen. Sie sagt: „Hinter Glück, Erfolg und Beliebtheit können Verzweiflung und Einsamkeit stehen.“ Der schier unbezwingbare Torwart Robert Enke führte über Jahre ein Doppelleben und verbarg seine Krankheit. Aus Angst, seine Depressionen könnten Familienglück und Fußball-Karriere gefährden. In seinen letzten Tagen täuschte er seinen Arzt und sogar seine Frau. Der Suizid war minutiös geplant, aber es durfte keiner merken. Robert Enke ist daran zerbrochen, dass der Berufsfußball mit Muskelzerrungen und Bänderrissen viel selbstverständlicher umgeht als mit Erkrankungen der Seele. Die bleiben ein Tabu.
„You'll never walk alone“
Wer will einen Torwart mit Versagensängsten in einem Weltmeisterschaftsfinale? Käßmann sagt: „Leid, Schwäche und Krankheit sind Teil unseres Lebens. Dafür darf es keine Pfiffe geben, sondern Empathie und Mitleid. Wie traurig ist es, nicht über Depressionen sprechen zu können, weil das unsere Gesellschaft als Schwäche ansieht.“ Den Menschen in der Kirche und den wartenden auf dem Platz davor, und allen jungen und jüngeren Fußballfans ruft sie zu: „Robert Enke würde nicht wollen, dass ihm jemand auf diesem Weg folgt. Auch für seinen letzten Weg gilt: You'll never walk alone.“ In der Kirche bildet sich ein Lichtermeer, als Löw, Ballack und all die anderen nach vorn kommen und im Gedenken an Robert Enke Kerzen anzünden.
Den Trauermarsch begeht wirklich niemand allein. 35.000 Menschen sind es, die am Abend vom zentralen Platz Kröpcke aus zum Stadion ziehen. Aus allen Richtungen strömen die Hannoveraner herbei, und doch geschieht alles ruhig, getragen, würdevoll. An der Spitze gehen Trainer Andreas Bergmann und Manager Jörg Schmadtke. Sie haben schon mittags bei der Pressekonferenz und in der Kirche gekämpft. Gekämpft mit diesem Kloß, der ihnen im Hals steckt. Sie tragen ein schwarzes Banner mit der Aufschrift „Ruhe in Frieden“ und Enkes Antlitz drauf. Als sie im Stadion angekommen sind, gehen die letzten Trauernden gerade am Kröpcke los.
Die Nummer eins wird nicht mehr vergeben
Am Montag will Bergmann wieder das Training seiner Profis anleiten. Bis dahin können die Spieler selbst entscheiden, ob sie trainieren oder nicht. Am Dienstagabend saßen sie alle in der Marktkirche, klein und stumm vor Trauer und auch unsicher, wie sie sich verhalten sollten, die meisten sind ja ganz jung. Die Konfrontation mit dem Tod kennen die wenigsten.
„Das Ganze hat die Mannschaft umgehauen“, sagt Schmadtke. Seelsorger und Psychologen stehen zur freiwilligen Hilfe bereit. Und im nächsten Bundesligaspiel wird dann Florian Fromlowitz im Tor der „Roten“ stehen, die Rückennummer 27. Das Trikot mit der Nummer eins wird Hannover 96 nicht mehr vergeben.
In der Luft lag Bremsgeruch
Von Sonja Kastilan
Was passiert war, wussten wir nicht, als der Regionalzug von Bremen nach Hannover am Dienstagabend plötzlich hielt. Wenn ein Zug auf offener Strecke stoppt, abrupt mit lautem Quietschen, verheißt das nie etwas Gutes. Dann ist der nächste Bahnhof blockiert, das Signal steht auf Rot, eine Baustelle gibt dem schnelleren ICE Vorrang. Auch Kühe und Rehe können stören. Vielleicht spielen gar Kinder weiter vorne auf den Gleisen. Oder es ist zu spät, und ein Mensch wurde von der Lok erfasst.
Es war bereits dunkel, wir sollten gleich Neustadt erreichen, knapp 20 Minuten von der Endstation entfernt - Hannover, wo ich in Richtung Frankfurt umsteigen musste. Zeit hatte ich genug, ich war zu früh dran und in diesen Regional-Express gestiegen, um eben nicht, wie bei der Hinfahrt tags zuvor, meinen Anschluss zu verpassen. Auf ein paar Minuten kam es also nicht an, die Lektüre lenkte ab. Doch die Unruhe wuchs, auch das mulmige Gefühl nahm zu. In der Luft lag Bremsgeruch.
Eine Studentin erzählte am Handy ihren Tagesablauf. Wir im Abteil hörten zum dritten Mal, wie sie über die Verzögerung klagte. Irgendwann kam eine Durchsage. Wir erfuhren, was uns an der Weiterfahrt hinderte: ein „Personenunfall“. Draußen Blaulicht. Wir konnten nichts tun, nur warten. Mehr als eine Stunde schon. Kam ich überhaupt noch nach Hause? Uns ging es gut, das versicherten wir den Einsatzkräften, die durch die Reihen gingen. Jemand gratulierte der Oma telefonisch zum Geburtstag, konnte nicht mitfeiern, weil sich „jemand vor den Zug geworfen“ hatte.
Ein Mensch - hatte er vielleicht überlebt? Meine Frage wurde ausweichend beantwortet, als sich die Fernreisenden im letzten Waggon beim Zugpersonal melden sollten. Wahrscheinlich sei das nicht. Der Mann sah mitgenommen aus. Der Kollege im Triebwagen wurde abgelöst und, wie in solchen Fällen üblich, psychologisch betreut. Manche Lokführer können bald wieder fahren, manche nie wieder. Es war ein trauriger Vorfall, der den Zug „mit 110 Minuten Verspätung“ in Hannover einfahren ließ. Frankfurt erreichte ich müde um Mitternacht. Der Personenunfall hatte da noch keinen Namen. Der Tod nimmt einen mit, doch die Anonymität hilft, die Gedanken zu verdrängen. Sie kommen aber mit einer Wucht wieder mit der tragischen Geschichte, die jetzt alle kennen.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |