Home
http://www.faz.net/-gtn-weox
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Eintracht-Torhüter Oka Nikolov Für die Ewigkeit und die Gegenwart

 ·  Markus Prölls Verletzung macht Vertreter Oka Nikolov mal wieder zur Nummer eins im Tor der Frankfurter Eintracht. Der bleibt wie immer ganz er selbst: ruhig und unaufgeregt. Derweil tut Jan Zimmermann kund, nicht immer die Nummer drei sein zu wollen.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)

Der Vorschlag der Reporter fiel auf fruchtbaren Boden. „Stimmt, ihr könnt wirklich die Berichte vor einem halben Jahr hervorkramen. Alles schon einmal dagewesen“, sagte Oka Nikolov. „Damals habe ich mich getraut – und jetzt natürlich auch. Wenn ich gebraucht werde, bin ich da.“ Oka Nikolov, 33 Jahre alt, wird gebraucht. Seitdem feststeht, dass Markus Pröll wegen eines am Donnerstag im Training erlittenen Bänderteilrisses im linken Sprunggelenk vermutlich zwei Monate ausfällt, ist der dienstälteste Fußballprofi der Frankfurter Eintracht in den Fokus gerückt. Wieder einmal.

Doch für Nikolov, den ruhigen, besonnenen Torwart, ist das nichts Besonderes. „Mein Job ist es, der Mannschaft zu helfen. Wir alle wollen gut in die Rückrunde starten.“ Dass Pröll, von Trainer Friedhelm Funkel im Sommer zur ersten Kraft ernannt, wieder einen herben Rückschlag hinnehmen musste, empfindet Freund, Kollege und Mitbewerber Nikolov als „bitter. Er war so gut drauf. Ich hoffe sehr, dass er nicht zu lange ausfällt.“ Schon an diesem Samstag, im letzten Testspiel vor dem Beginn der Rückrunde, wird Nikolov, der scheinbar ewige Eintracht-Profi, zwischen den Pfosten stehen. Funkel wird ihn gegen den Zweitligaklub SV Wehen Wiesbaden neunzig Minuten lang spielen lassen. Eine Woche später, bei Hertha BSC Berlin, folgt der Härtetest im Liga-Alltag. Dass Nikolov Angst davor haben könnte, im Blickpunkt der Öffentlichkeit zu stehen, findet er, dezent ausgedrückt, lächerlich. „Wenn ich Angst verspüre, gebe ich meinen Vertrag zurück. Dann bin ich hier fehl am Platz.“

Zimmermann will nicht immer die Nummer drei sein

Nikolovs Platz ist bei der Eintracht. Hier ist er groß geworden, hier kann er alt werden und seine Karriere eines Tages beenden. Sein derzeitig gültiger Arbeitsvertrag läuft bis zum 30. Juni 2009. Doch was passiert anschließend? „Dann spiele ich weiter“, sagt Nikolov. „Wenn Herr Bruchhagen mir einen Vertrag gibt.“ Nikolov, der im Mai 34 wird, wäre dann 35 und wirklich so etwas wie ein Dinosaurier der Bundesliga. Doch steht nicht Oliver Kahn immer noch im Tor der Bayern? Mit 38? Die Eintracht kann froh sein, einen so zuverlässigen Tormann wie Oka Nikolov unter Vertrag zu haben. „Wir alle wissen, was wir an Oka haben“, sagt Trainer Friedhelm Funkel. „Deshalb sind wir für den Verlauf der Rückrunde auch sehr gelassen. Dass er, anders als Pröll, nicht so impulsiv ist, kennen wir doch. Er strahlt Ruhe aus.“

Auch Jan Zimmermann, der dritte im Bunde der Torhüter, gehört zu den eher ruhigen Vertretern der Bälle abwehrenden Spezies. Dabei weiß der 22 Jahre alte Profi, von den Kollegen „Zimbo“ gerufen, genau, wie es zukünftig mit ihm weitergehen soll. „Es ist nicht mein Ziel, fünfzehn Jahre lang die Nummer drei zu sein“, sagt der Pendler zwischen Bundesliga- und Oberligamannschaft. „Ich weiß, dass ich jetzt auf Zeit die Nummer zwei bin und deshalb auch mehr Verantwortung auf mich zukommt. Aber ich möchte auch gerne die Möglichkeit haben, mich hochzuarbeiten. Über ein Ausleihgeschäft habe ich schon nachgedacht.“ Bis 2010 noch ist Zimmermann vertraglich an die Eintracht gebunden, und auch er findet es „furchtbar, dass Markus jetzt nicht zeigen kann, wie gut er schon in den vorangegangenen schweren Trainingseinheiten gewesen ist. Das ist richtig bitter für ihn, dass er nicht dabei ist.“

Preuß: Froh, dass ich operiert wurde

Auch Christoph Preuß ist seit längerem schon nicht mehr dabei. Doch jetzt schöpfen sowohl der Eintracht-Profi wie auch die behandelnden Mediziner wieder Hoffnung, denn nach einer in Augsburg vorgenommenen Kontrolluntersuchung wurde festgestellt, dass sich das Ergebnis der Operation und der bisherige Heilungsverlauf optimal gestalten würden. Und weil auch die Nachbehandlungen und die Reha-Maßnahmen als „ausgesprochen zufriedenstellend“ bewertet werden, könne nun mit einem stufenweise Belastungsaufbau begonnen werden. „Ich bin froh, dass ich auf unseren Doc gehört habe und von Dr. Bönisch in Augsburg operiert wurde“, sagt Preuß, dessen Krankenakte sich abenteuerlich liest: Bandscheibenvorfall im Frühjahr 2006, Meniskusoperation im Oktober 2006, Entzündung unter der Kniescheibe im November, 15-Zentimeter-Risswunde am linken Oberschenkel im April 2007, doppelter Nasenbeinbruch im Oktober 2007 und schließlich am 4. Dezember 2007 abermalige Meniskusoperation im rechten Knie inklusive Eingriff im Knorpel.

Schlimme Dinge allesamt. Oka Nikolov kennt Verletzungen nur vom Hörensagen. Er ist stets präsent und einsatzbereit. So wie jetzt, da er wieder einmal gefordert ist.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1961, Sportredakteur.

Jüngste Beiträge

Umfrage

Wer gewinnt das Champions-League-Finale 2013?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.