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Eintracht schlägt die Bayern 1:0 Höhenluft im Tabellenkeller

18.03.2007 ·  Siege gegen die Bayern schmecken der Eintracht stets gut, doch der Triumph am Samstag bekam schnell das Prädikat „besonders wertvoll“. Christoph Preuß versetzte die Eintracht mit seinem fulminanten Siegtreffer in Jubellaune - und verpasste die Feier mit der Mannschaft.

Von Tobias Rabe
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Christoph Preuß hätte sicher viel zu erzählen gehabt. Wie er den Ball mit seinem artistischen Kunstschuss im Tor von Oliver Kahn unterbrachte. Wie wichtig die Punkte im Abstiegskampf für Eintracht Frankfurt sind. Oder wie sehr er sich freut, nach einer persönlich schweren Zeit endlich wieder in der Bundesliga Fußball spielen zu dürfen. Doch auch Spieler des Tages erfahren von Doping-Kontrolleuren keine Sonderbehandlung. So wurde Preuß nach Abpfiff zur Toilette beordert während die Mannschaftskollegen den 1:0-Sieg über den FC Bayern feierten.

Wie lange die Prozedur auf dem gar nicht so stillen Örtchen mitunter dauern kann, wissen wir aus Sönke Wortmanns Sommermärchen und Oliver Neuvilles langem Leiden nach dem Ecuador-Spiel. Daher ließ Preuß seine Sicht der Dinge lieber schnell vom Pressesprecher übermitteln. Er habe gesehen, dass der Ball die richtige Höhe hatte und dann alles in den Schuss gelegt. Man habe gemerkt, dass sich die Eintracht mit Haut und Haaren gegen den Abstieg wehre. Und in Halbzeit zwei sei dann auch der Funke vom Team auf das Publikum übergesprungen.

Mit dem alten Huub-Stevens-Prinzip zum Erfolg

Dieser Funke war anscheinend so gewaltig, dass sich mit Abpfiff ein Jubel unter den 51.500 Besuchern in der ausverkauften Frankfurter Arena entlud, als hätte die Frankfurter Eintracht soeben die Meisterschale erobert. Bis es soweit ist, wird noch viel Wasser den Main hinunter fließen. Daran ändert auch ein Sieg gegen die Bayern nichts. Doch mit dem erhofften, aber keineswegs erwarteten Erfolg über den aufstrebenden Rekordmeister verschaffte sich das Team von Friedhelm Funkel immerhin etwas Luft im Abstiegskampf, in dem die halbe Liga steckt.

Platz zwölf, drei Zähler Vorsprung auf Rang 16: Das sind Zahlen, die die Eintracht vorerst durchatmen lassen. „Wichtig war, dass die Null steht“, sagte Funkel in bester Huub-Stevens-Manier. Er hatte seiner Mannschaft ein neues Defensivkonzept verordnet. Die Dreier-Abwehr formierte sich bei Bedarf zur Fünfer-Kette, davor sollte ein dichtes Mittelfeld die Münchner zur Verzweiflung treiben. Funkels Plan ging auf. „Wir haben aufs richtige Pferd gesetzt“, sagte der Trainer. Klubpräsident Peter Fischer lobte gar eine „taktisch ganz große Leistung“.

„Wille und Kampfgeist waren stärker als bei Bayern“

Bei den Heimspielen gegen die Topteams aus Bremen, Schalke und Stuttgart waren die Frankfurter jeweils noch ins offene Messer gelaufen und fingen sich 13 Gegentreffer ein. Diesmal hielt Oka Nikolov, der den verletzten Markus Pröll wiederum vertrat, sein Tor sauber. „Wille und Kampfgeist waren stärker als bei den Bayern“, meinte Michael Fink. Zur Wende zum Guten, die der Mittelfeldspieler schon sah, fehlt indes noch einiges. Vor allem Punkte. Frankfurt wäre nicht das erste Team, das einem Erfolg über den FC Bayern eine Negativserie folgen ließe. Das aktuelle warnende Beispiel ist Borussia Dortmund, das nach dem überzeugenden Sieg gegen die Münchner zum Rückrundenauftakt bedrohlich ins Schlingern geraten ist.

„Damit hat keiner gerechnet. Aber wir haben von Anfang an gemerkt, dass etwas geht“, sagte Michael Thurk. Letztendlich sei der Sieg verdient und gebe nun viel Mut für die nächsten Spiele. Selbstvertrauen ja, Selbstüberschützung nein. So sollte nun die Marschroute der Eintracht lauten. Denn bei aller Begeisterung über den Sieg: Das defensive Konzept funktioniert nicht gegen jedes Team. Und nicht jede Woche gelingt der Offensive um Preuß und Co. ein Treffer Marke „Tor des Monats“, wie Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld den Treffer nannte.

Nach der Pause folgen sechs „Sechs-Punkte-Spiele“

Zunächst kann man den Erfolg aber ein wenig genießen. Denn wegen der Länderspielpause steht die nächste Aufgabe bei Schlusslicht Mönchengladbach erst in zwei Wochen an. Danach folgen die Gegner Cottbus, Bielefeld, Bochum, Dortmund und Aachen. Sechs „Sechs-Punkte-Spiele“, wie es Christoph Spycher ausdrückte. „Mit den drei Punkten gegen die Bayern haben wir jetzt zum Glück etwas Luft“, sagte der Schweizer. Das habe den Vorteil, in den kommenden, direkten Duellen auch mal mit einem Unentschieden leben zu können.

Doch das sicherste Mittel gegen den Abstieg sind immer noch Siege. Das weiß auch der erfahrene Eintracht-Trainer: „Der Schritt heute zum Klassenerhalt war nur minimal. Die nächsten Spiele sind noch viel wichtiger“, sagte Funkel. Dennoch ist er felsenfest davon überzeugt, dass seine Mannschaft die nötigen Punkte holt. Doch wie viele Zähler sind in dieser Saison nötig? Vergangenes Jahr reichten bereits 34 Punkte. „37, 38 könnten es dieses Jahr schon sein“, meint Funkel. „Aber es ist eigentlich egal. Wir werden die Zahl erreichen, die wir brauchen.“

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Jahrgang 1983, Sportredakteur.

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