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Eintracht Frankfurt Tage der Abrechnung

Bei der Frankfurter Eintracht muss „jeder Stein umgedreht werden“, wie Präsident Fischer sagt. Der bevorstehende Krisengipfel soll die vorherrschende Frage klären: Was wird aus Trainer Funkel?

© ddp Vergrößern „Ich bin ein Kämpfer”, sagt Friedhelm Funkel, „und habe gute Nerven.”

An diesem Dienstag trifft sich in einem Hotel in Höchst alles, was aktuell bei der Eintracht Rang und Namen hat und in der Vergangenheit hatte. Karl-Heinz Körbel hatte schon vor Wochen für 19.30 Uhr eingeladen, um im Kreise der sogenannten Frankfurter Fußballfamilie auf die Veröffentlichung seiner Biografie „Ein Rekord für die Ewigkeit – Die Karriere des Charly Körbel“ anzustoßen. Es sollte, so die ursprüngliche Planung, eine muntere Feier in sommerlicher Atmosphäre im Kreis von Freunden, Bekannten und alten Weggefährten werden. Auch die Bundesligamannschaft und Trainer Friedhelm Funkel werden zu späterer Stunde erwartet, wenn sie das Privatspiel am frühen Abend gegen den Kreisligaklub SG 01 Hoechst hinter sich gebracht haben. Allzu prächtig wird die Stimmung bei diesem Empfang nun aber wohl nicht werden – dafür ist bei der Eintracht in den vergangenen Tagen zu viel Unvorhergesehenes passiert.

Spätestens seit den desaströsen Niederlagen gegen Bremen (0:5) sowie Bochum (0:2) und dem äußerst glücklich zustande gekommenen Klassenverbleib erreichte die sportliche Krise beim Tabellendreizehnten eine neue Dimension: der Chefcoach wurde verbal so heftig wie nie vom eigenen Anhang attackiert; der wiedergenesene Kapitän Ioannis Amanatidis stellte sofort nach seiner Rückkehr die Qualität einiger Mannschaftskollegen öffentlich in Frage; und der Vorstandsvorsitzende Heribert Bruchhagen rückte erstmals ein Stück von seinem wichtigsten Angestellten ab. Turbulenter hätte die letzte Woche der Saison kaum beginnen können.

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Spätestens am 25. Mai alles klar

„Wir werden nach 34 Spieltagen besonnen nachdenken und dann entscheiden, was für Eintracht Frankfurt richtig ist“ – mit diesem knappen Satz, vom enttäuschten Bruchhagen nach Spielschluss in Bochum zu Protokoll gegeben, erreichten die Spekulationen über eine baldige Ablösung Funkels endgültig ein neues Maß. Spätestens am 25. Mai wird sich klären, ob der 55 Jahre alte Rheinländer, dessen Vertrag Anfang Februar bis Sommer 2010 verlängert wurde, eine Zukunft in Frankfurt besitzt. Dann trifft sich in einem Ausflugslokal am Main der Aufsichtsrat zu einer routinemäßigen Sitzung und lud zur Analyse der Lage unlängst Funkel und sein dreiköpfiges Assistententeam sowie den Vorstand der Eintracht Frankfurt Fußball AG (Bruchhagen, Thomas Pröckl und Klaus Lötzbeier) hinzu.

Bestimmendes Thema des Krisengipfels: Welche Konsequenzen sind nach der sportlichen Talfahrt zu ziehen? „Es muss jeder Stein umgedreht werden. So etwas wie in dieser Saison will niemand mehr erleben“, kündigte Vereinspräsident Peter Fischer mit Blick auf den Tag der Abrechnung bereits an. Die jüngsten Ergebnisse verbesserten Funkels Ausgangslage jedenfalls nicht. In der Rückrunde sind die Frankfurter das drittschwächste Team (14 Punkte aus 16 Spielen), haben in diesem Jahr überhaupt nur dreimal gewonnen und dabei lediglich 14 Tore erzielt. Alles andere als ein ausnahmsweise mit Glanz und Gloria herausgespielter Erfolg zum Rundenausklang gegen den Hamburger SV würde Funkels Position weiter schwächen. Der Druck sei „immens“, räumte Bruchhagen ein, der bislang immer rückhaltlos an Funkels Seite gestanden hatte.

Vorstand muss entscheiden

Fakt ist: Der Aufsichtsrat, in dem Funkel seit jeher nicht nur Freunde hat, besitzt kein Mandat, um die Zusammenarbeit mit dem umstrittenen Rheinländer von sich aus zu beenden. Eine Entlassung Funkels kann nur der Vorstand beschließen. Würde Bruchhagen also seine Solidarität mit dem Fünfundfünfzigjährigen erneuern, bliebe er ungeachtet anderer Voten im Aufsichtsrat auf seinem Posten. Eine denkbare Möglichkeit, den Trainer gegen den Willen des Vorstands zu stürzen, bestünde darin, Bruchhagen abzuberufen und einen neuen Manager zu installieren, der sodann den Auftrag erhielte, in der Sommerpause nach einem anderen Fußballlehrer Ausschau zu halten. Die Folgen der anstehenden Entscheidung könnten also so oder so weitreichend sein.

Ein Rauswurf Funkels würde aller Voraussicht nach auch die Trennung von seinen Helfern Armin Reutershahn, Andreas Menger und Michael Fabacher nach sich ziehen; dass auch deren Kontrakte unlängst verlängert wurden (und vor allem Mengers Engagement als Torwarttrainer in der Branche weithin geschätzt wird), gestaltet die ganze Angelegenheit umso diffiziler. Zumal die Eintracht zuletzt kein Geheimnis daraus machte, dass sie dringend zum Sparen bei Personalausgaben gezwungen ist, um die wegbrechenden Einnahmen als Resultat der Weltwirtschaftskrise und die Kündigungen zahlreicher Business-Logen kompensieren zu können. Die Abfindungen auf der einen und die Kosten für ein unverbrauchtes Trainerteam auf der anderen Seite kann sich die Eintracht unter den momentanen finanziellen Rahmenbedingungen eigentlich nicht leisten.

„Ich bin ein Kämpfer und habe starke Nerven“

Funkel, der zuletzt seiner Elf zwei freie Tage gönnte und erst an diesem Dienstag mit den Profis wieder zusammenkommt, gab sich ungeachtet der persönlich ungemütlichen Situation gelassen: „Ich bin ein Kämpfer und habe starke Nerven. Ich habe überhaupt keinen Grund, mich zu verteidigen. Wir haben gute Arbeit abgeliefert“, sagte er. Sollte er diese Krise überstehen, wäre auch ihm ein Eintrag in eine ganz besondere Lektüre sicher: der Verewigung im Eintracht-Geschichtsbuch. Am 2. Juli wäre er 1827 Tage im Amt und würde dann zum Frankfurter Rekordtrainer. Doch so weit nach vorne blickt bei dem Klub momentan aus gutem Grund niemand.

Quelle: F.A.Z.

 
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