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Eintracht Frankfurt : Schaaf und der Spaß am Fußball

Mann mit Brille: Der neue Eintracht-Trainer Thomas Schaaf. Bild: AP

Nach 14 Jahren in Bremen ist Frankfurt die zweite Trainerstation für Thomas Schaaf. Den Fans verspricht er mutigen Offensivgeist, seinem neuen Verein Vernunft.

          Es war genau 14.33 Uhr, als Thomas Schaaf offiziell auf die Bühne Bundesliga zurückkehrte. Begleitet von den Vorständen Heribert Bruchhagen und Axel Hellmann sowie Sportdirektor Bruno Hübner bahnte sich der neue Trainer der Eintracht durch die vielen Reporter, Kamerateams und Fotografen einen Weg auf das Podium in den Katakomben der Frankfurter Arena. Der scheinbar ewige Bremer – nun also in Frankfurt bei der Eintracht. Der Nachfolger für Armin Veh ist endlich gefunden. Kein Roberto Di Matteo, kein Bernd Schuster und auch kein Thorsten Fink. Die 53 Jahre alte Werder-Ikone Schaaf darf sich fortan um die sportliche Weiterentwicklung der Eintracht kümmern. Und wer Schaaf genau zusah und zuhörte, wie er seinen ersten öffentlichen Auftritt absolvierte, bemerkte einen Mann, der weiß, was er will. „Wir wollen unterhaltsamen Fußball abliefern“, versprach Schaaf. „Wir wollen mit viel Spaß und Freude Fußball spielen und die Fans begeistern.“ Mit seinem Vorgänger Veh hatte sich Schaaf in einem längeren Gespräch ausgetauscht, und wohl auch deshalb sagte er voller Optimismus: „Wir wollen den in Frankfurt eingeschlagenen Weg weitergehen und stärken.“ Offensiv, attraktiv, mit dem Blick auch für Talente, wie Schaaf sagte. „Ich bin positiv ausgerichtet. Eintracht Frankfurt hat in den vergangenen Jahren eine gute Entwicklung genommen. Ich freue mich darauf, dass ich Identifikation und Fleiß in der täglichen Arbeit erleben darf.“

          Die Tagesarbeit freilich lässt noch auf sich warten. Erst Anfang Juli wird der neue Eintracht-Trainer erstmals auf dem Übungsplatz stehen. Nicht alleine natürlich, denn längst ist es üblich, dass sich die Chefs mit den Assistenten ihres Vertrauens umgeben. So auch Schaaf, der erwartungsgemäß gleich drei Helfer aus gemeinsamen Werder-Zeiten mit nach Frankfurt bringt. Wolfgang Rolff (54 Jahre alt) und Matthias Hönerbach (52), die beiden Assistenztrainer, werden ebenso zum neuen Trainerstab gehören wie auch Michael Kraft (48). Letzterer kümmert sich um die Ausbildung der Torhüter, was bedeutet, dass der aktuelle Torwarttrainer Manfred Petz seinen Job verliert. Beschäftigungslos aber wird Petz nicht; er rückt bei der Eintracht in die Scouting-Abteilung, in der nach dem Abschied von Ralf Weber ein Platz frei geworden ist. Konditionstrainer Christian Kolodziej und Rehatrainer Michael Fabacher bleiben an Bord und komplettieren die neue, von Schaaf angeführte Trainerriege.

          Nach monatelangem Gesprächsmarathon

          Knapp ein Jahr lang hat sich Thomas Schaaf aus den verschiedensten Blickwinkeln heraus das professionelle Treiben im Fußball angeschaut. Pikant: Als am 14. Mai 2013 die vierzehn Jahre dauernde Trainerzeit mit Werder zu Ende ging, war es drei Tage zuvor ausgerechnet ein Spiel gegen seinen neuen Arbeitgeber Eintracht, in dem Schaaf letztmals als Bremer Chefcoach wirkte. Damals gab es im Weserstadion ein 1:1. Werder war gerettet – und die Eintracht war ihrem großen Ziel Platz sechs einen entscheidenden Schritt vorangekommen. „Ich habe danach immer wieder etwas mit dem Fußball gemacht und war zuletzt auch für die Uefa tätig“, sagte Schaaf am Mittwoch bei seiner Vorstellung in Frankfurt. „Ich will mich wieder mit der Bundesliga beschäftigen“, sagte er über seinen Entschluss, sich der Herausforderung Eintracht zu stellen.

          Mann mit Pott: Thomas Schaaf hält 2009 mit Werder-Manager Klaus Allofs den DFB-Pokal hoch.

          Fast schon in Vergessenheit geraten, aber Tatsache ist: Schaaf war der erste Kandidat, der von den Frankfurter Verantwortlichen angesprochen und gefragt wurde, ob er die Nachfolge von Veh antreten wolle. Im März ist das gewesen. „Er war der Allererste, den wir kontaktiert hatten“, bestätigte Eintracht-Finanzvorstand Hellmann in kleiner Runde. „Wir dachten aber, er sei nicht finanzierbar. Und dann gab es eine Funkdelle“, wie Hellmann süffisant bemerkte. Eine „Delle“, die dazu führte, dass sich Sportdirektor Hübner anderweitig umschaute und sich heftig um Roger Schmidt bemühte. Der aber zog es vor, ein lukrativeres Angebot anzunehmen. Leverkusen statt Frankfurt. Dann tauchten die Namen Di Matteo, Schuster und Fink auf – und am Ende wurde es Schaaf. Jener erfahrene Fußballlehrer, den man eigentlich von Beginn an haben wollte. „Wir haben uns die Zeit für diese elementare Trainerentscheidung genommen“, sagte Hübner über das Ende seines monatelangen Gesprächsmarathons mit den Kandidaten. „Mit Thomas Schaaf haben wir eine sehr gute Lösung bekommen“, versicherte der Manager.

          Mann mit Sportdirektor Hübner: Fünf Jahre nach dem DFB-Pokal für Werder Bremen kommt Thomas Schaaf in Frankfurt an.

          „Lieber ein 4:3 als ein quälendes 1:0“

          Beide, Cheftrainer wie Sportdirektor, wollen in den kommenden Wochen Doppelpass spielen und am neuen Gesicht der Eintracht basteln. Wobei Hübner nochmals klar stellte, „dass richtig Bewegung in den Transfermarkt erst nach der WM kommen wird“. Schaaf wird sich das weltmeisterliche Treiben in Brasilien entspannt am Fernseher anschauen. „Urlaub ja, WM ja, Brasilien nein“, sagte die neue Frankfurter Führungskraft über die kommenden Wochen bis zum Start in eine für ihn neue Epoche. Schaaf verbreitete bei seiner Präsentation Freude auf das Abenteuer Eintracht. „Ich bin auf alles Neue gespannt“, sagte er und kündigte an, „dass ich mich positiv überraschen lassen möchte“. Schaafs Credo für zumindest zwei kommende Jahre, die er sich vertraglich gebunden hat: „Wichtig ist, dass man eine Philosophie hat. Wir wollen vernünftig, aber auch mutig sein. Ich habe lieber ein 4:3 als ein quälendes 1:0.“ Schaaf und die Eintracht: Für den Bremer Langzeittrainer ist es erst die zweite Station seiner langen Bundesligakarriere.

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