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Eintracht Frankfurt In der 40-Punkte-Falle

 ·  Die Eintracht hat sich vor ihrem Trainer in den Staub geworfen, um Armin Veh zum Bleiben zu überreden. Sie würde gerne planen, ist aber in der 40-Punkte-Falle gefangen. Dabei könnte der Coach seine Entscheidung längst getroffen haben.

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© dpa Zögerer: Trainer Armin Veh verrät nicht, wohin sein Weg ihn führen soll

Nimmt man Armin Veh beim Wort, dann hätte es am Sonntag ein langer Abend für ihn werden können. Mit ausgiebigen Gesprächen und intensiven Verhandlungen. So aber endete er gegen sechs, halb sieben, danach war Feierabend. Nach dem 1:2 von Eintracht Frankfurt gegen den VfB Stuttgart verharren die Frankfurter in der Fußball-Bundesliga bei 39 Punkten - womit wir bei einem eigenartigen Zahlenspiel wären. Die Eintracht möchte Veh gern behalten und seinen auslaufenden Vertrag verlängern, Schalke04 hätte ihn gern, und der Trainer selbst weiß wohl auch, was er will - nur verrät er es nicht.

Erst nach dem 40. Punkt werde er mit den Frankfurtern verhandeln, sagt er seit Monaten. 40 steht für Klassenverbleib. Jedenfalls in der Theorie. In Wirklichkeit ist es eine Phantomzahl, die Eintracht ist nicht mehr in realer Gefahr, allenfalls in konstruierter. So oder so fehlte gegen Stuttgart angeblich nur ein Törchen, irgendein über die Linie gestocherter Ball, um aus Veh, dem Verweigerer, umgehend Veh, den Verhandler zu machen. Schwer zu glauben.

Der Trainer hat die Eintracht mit seiner Prämisse für Verhandlungen in Geiselhaft genommen, und sie kann sich nicht mehr befreien. Er ist begehrt, weil den Frankfurtern mit ihm der Aufstieg gelang und sie inzwischen der Qualifikation für den Europapokal nahe sind. Dass Schalke ihn verpflichten will, dass der mit Veh befreundete Manager Horst Heldt mit ihm gesprochen hat - ja, was denn sonst? Nur ist die Eintracht, die gern für die neue Saison planen würde, in der 40-Punkte-Falle gefangen. Egal, wie absurd sie ist, wie viel Geheimniskrämerei und Unehrlichkeit darin stecken. Dass die Frankfurter zuletzt von sechs Spielen keines gewannen, macht die Sache nicht einfacher.

Das „Rumgeeiere“ müsse ein Ende haben

Keiner kann sagen, dass die Mannschaft plötzlich erfolglos ist, nur weil sie nicht weiß, wie es mit ihrem Trainer weitergeht. Aber es garantiert auch niemand, dass die Ungewissheit und die Debatten darüber nicht ablenken. Immerhin hat Veh jetzt gesagt, es könne auch eine Entscheidung vor dem nächsten Spiel in Fürth geben, das „Rumgeeiere“ müsse ein Ende haben. Es ist ja auch bald Ostern.

Die Eintracht hat sich vor ihrem Trainer regelrecht in den Staub geworfen, um ihn zum Bleiben zu bewegen. Sie hat Verstärkungen zugesagt, die dieser gefordert hatte, die finanzielle Schmerzgrenze soll touchiert werden, wenn auch nicht überschritten. Diese rote Linie hat Heribert Bruchhagen, der Vorsitzende des Vorstands, gezogen: Es werden keine Schulden gemacht. Das alles weiß Veh, von dieser Seite dürfte es keine Fragen mehr geben. Es liegt wohl nur noch daran, was Schalke bietet - wenn überhaupt noch etwas fehlt zur Einigung mit den „Königsblauen“, die ihren aktuellen Trainer Jens Keller als zu grau empfinden.

Trotzdem schweigt Veh, und wenn er etwas sagt, dann oft mit dem Habitus des Gutmenschen. Im moralisch einwandfreien Angebot, verteilt über die vergangenen Wochen: Die Eintracht sei sein erster Ansprechpartner. Es gehe ihm nicht ums Geld. Er habe keinen unterschriftsreifen Vertrag der Schalker vorliegen. Er habe keine Verhandlungen dort geführt, so etwas mache er nicht. Da gibt sich jemand große Mühe, an der Wahrheit vorbeizureden, ohne als Schwindler zu gelten. Dafür muss man nur eins und eins zusammenzählen - wenn es sein muss, so lange, bis vierzig dabei herauskommt.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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