08.07.2008 · Der tatenlose Brasilianer Caio im Dress der Frankfurter Eintracht gelobt Besserung. Gleichwohl bleibt er im Trainingslager unter Beobachtung. Schließlich trägt er sechs Kilogramm zuviel mit sich herum. Mitspieler Chris fordert derweil von Caio, sich gesünder zu ernähren.
Von Ralf WeitbrechtFür die Solofahrt auf dem Rad gibt es gewichtige Gründe. Um die überflüssigen sechs Kilo abzuspecken, muss Caio kräftig in die Pedale treten. Nicht erst im Zillertal, wo sich die Frankfurter Eintracht zum fünften Mal schon auf eine Fußballsaison vorbereitet. Trainer Friedhelm Funkel hatte nach dem für Caio desaströs verlaufenen Laktattest, bei dem der Brasilianer eben nicht so richtig ins Laufen gekommen ist, Zusatzschichten vor dem Frühstück auferlegt. Da in den österreichischen Bergen neben der sonstigen Ballarbeit auf dem Platz Dauerläufe am Ziller sowie Radausfahrten wie beispielsweise an diesem Dienstagmorgen auf dem Übungsprogramm stehen, hat Caio die Hoffnung, „dass ich schon bald wieder der Mannschaft helfen kann“.
Dies freilich dürfte nur dann glücken, wenn der auffällig gewordene Brasilianer seine grundsätzliche Einstellung zu seiner Arbeit ändert. „Er muss noch die nächsten fünfzehn Jahre Profi sein“, sagt sein Landsmann Chris, der bei dem Gespräch im Zeller Mannschaftshotel nicht nur als Dolmetscher fungiert. Der lebenserfahrene Chris, seit Jahren schon fester Bestandteil des Profistamms der Frankfurter Eintracht, muss in diesen Tagen und Wochen für Caio scheinbar auch Ratgeber und Alltagshelfer sein. So ist Caio erst nach seinem Fehlverhalten bewusst geworden, „dass ich mich ganz anders ernähren muss. Jetzt muss ich auch mehr Salat, Obst und Gemüse essen.“ Chris sagt: „Wenn Caio seine bisherigen Ess- und Lebensgewohnheiten nicht sofort ändert, wird er uns nicht helfen können.“
„Zu Hause habe ich nicht so viel gemacht“
Natürlich hat auch der mit knapp vier Millionen Euro teuerste Transfer der Eintracht-Geschichte vor dem Urlaubsantritt in der südamerikanischen Heimat von seinen Frankfurter Vorgesetzten einen dezidierten Trainingsplan an die Hand gereicht bekommen. Allein: „Zu Hause habe ich nicht so viel gemacht“, sagt Caio selbstkritisch. Warum? Er führt die Heirat mit Lebensgefährtin Bruna sowie den Tod seiner Großmutter an. „Da musste ich viel hin und her fliegen. Im übrigen hatte ich schon zum Ende der Saison zwei Kilo Übergewicht.“ Nicht nur Chris vertritt die Auffassung, „dass diese Sache ein großer Rückschlag für ihn ist. Sechs Wochen sind nur schwer aufzuholen. Er muss jetzt viel tun.“
Caio selbst, der sich offen und geduldig den Fragen stellt, hat im Dauerregen von Zell angekündigt, „dass ich ab sofort Gas geben werde“. Er weiß, dass er „viel mehr“ als die anderen machen muss – und wie zur Bestätigung teilt es ihm auch Landsmann Chris mit Nachdruck mit. „Für Caio gibt es jetzt nur zwei Dinge: trainieren und schlafen.“ Caio ist optimistisch und verspricht: „Das nächste Mal passiert mir das nicht mehr. In sechs Wochen will ich wieder topfit sein, um spielen zu können.“ Ob der 22 Jahre alte Brasilianer eine Chance bekommt, in einem absolut professionellen Zustand eine tragende Rolle im erstklassigen Eintracht-Ensemble zu spielen, will Trainer Friedhelm Funkel bei aller Enttäuschung wegen Caios Fehlverhalten „nicht ausschließen“.
Meier mit Freude bei der Sache
So wie die Vorstellung, dass Caio mit Alexander Meier an zentraler Stelle im Mittelfeld gemeinsame Sache machen könnte. Überhaupt Meier: Der lange Zeit verletzte Dauerläufer knüpft auch in Österreich nahtlos an die zuvor in Frankfurt gezeigten Leistungen an und ist derzeit der beste Eintracht-Spieler. „Bei ihm sieht man, mit wie viel Spaß und Freude er am Trainingsbetrieb teilnimmt“, sagt Funkel. „Meier ist schon immer einer der besten Spieler in unserem Kader gewesen. Er war maßgeblich am Aufstieg beteiligt, und in einer guten Verfassung führt an ihm kein Weg vorbei.“ Ob Caio annähernd in eine so gute Verfassung kommt, wird sich spätestens am Ende der sechswöchigen Vorbereitungsphase weisen. Die Grundlagen, die sich ihm dafür bieten, sind nach Ansicht seines Trainers wiederum exzellent. „Der Wohlfühlcharakter hier im Zillertal spielt eine große Rolle für uns. Im ersten Jahr, als wir in der Folge aufgestiegen sind, haben wir bei unserem Trainingslager außergewöhnliche Konditionen genossen. Das werden wir niemals vergessen“, sagt Funkel.
Und dass es am ersten vollen Übungstag fast schon traditionell regnete, findet Funkel auch nicht schlimm. „Das Wetter ist doch super“, sagt er. „Und der Platz ist auch wunderbar.“ Wer genau hinschaute an diesem Montagmorgen, fühlte sich ein bisschen an den Europameisterschaftsspielort Basel erinnert. Ein Hauch von Wasserschlacht gab es auch in Zell zu sehen. Mehrere Dutzend Zuschauer, unter ihnen viele urlaubende Eintracht-Fans, ließen sich das nicht entgehen. Caio übrigens vermochte sich nicht in Szene zu setzen. Aber der geläuterte Brasilianer will ja „Gas geben. Und meiner Frau werde ich sagen, dass sie mehr Salat machen soll.“
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |