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Eintracht Frankfurt An Caio scheiden sich die Geister

14.01.2009 ·  Ist Eintracht Frankfurts Rekordeinkauf eine millionenschwere Fehlinvestition? Nach fast zwölf Monaten und drei verpatzten Laktattests steht der Brasilianer Caio vor dem endgültigen Scheitern. Mittlerweile leidet der auch der Vereinsfrieden und das Ansehen von Trainer Funkel.

Von Ralf Weitbrecht, Vale do Lobo/ Portugal
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Der Mann hat alle Dimensionen gesprengt. Als feststand, dass Caio Cesar Alves dos Santos, genannt Caio, für die Rekordsumme von 3,8 Millionen Euro von Socidade Esportivo Palmeiras in São Paulo zur Frankfurter Eintracht wechseln würde, schlugen sie sich im fernen Deutschland vor Freude auf die Schenkel.

„Mit Caio verbinden die Fans die Hoffnung auf internationalen Fußball“, sagte Eintracht-Vorstandschef Heribert Bruchhagen. Genau ein Jahr ist das nun her, doch aus den Hoffnungen, Träumen und Sehnsüchten ist nichts geworden. Der mittlerweile 22 Jahre alte Brasilianer, eine millionenschwere Fehlinvestition?

Bruchhagen: „Es fehlt ihm an Willenskraft“

Caio polarisiert in Frankfurt. Die Chance, sich in der Bundesliga einen Namen zu machen, hat der Mittelfeldmann bislang nicht genutzt. Dreimal bat Trainer Friedhelm Funkel ihn und die anderen Mitspieler zum Laktattest - dreimal scheiterte Caio. „Es fehlt ihm an Willenskraft“, urteilte Manager Bruchhagen. In diesen Tagen, da sich die Eintracht zum fünften Mal nacheinander an der portugiesischen Algarve im Winterstammquartier Vale do Lobo auf den Rückrundenstart vorbereitet, ist Caio besonders gefordert. Einer seiner Förderer, Aufsichtsratschef Herbert Becker, fragte unmittelbar nach der Ankunft am Atlantik: „Was macht mein Caio?“

An dem Brasilianer scheiden sich in Frankfurt die Geister. Die einen glauben unbeirrt, dass er doch noch den Durchbruch schafft. Andere sind skeptisch. Funkel, der in diesen Tagen und Wochen gemeinsam mit seinem Vorgesetzten Bruchhagen darum bemüht ist, in weiterführenden Gesprächen eine Basis für eine Zusammenarbeit über das Saisonende hinaus zu finden, hat sich zuletzt mit Einschätzungen über Caios Leistungsvermögen zurückgehalten. Aus gutem Grund, denn er weiß, dass seine kritischen Worte nicht immer auf fruchtbaren Boden gefallen sind. „Die Sache Caio“, behauptet Becker, „wird ganz kritisch gesehen. Wir geben 3,8 Millionen aus, und der Mann wird durch die Diskussionen in seinem Wert gemindert.“ Der oberste Kontrolleur findet gar, dass es eine Katastrophe sei, wie mit dem Brasilianer umgegangen werde.

Funkel einfach nur korrekt

Tatsache ist: Funkel lässt sich nicht von Namen leiten. Und von Geld schon gar nicht. „Mir ist es egal, wie teuer ein Spieler ist und was er gekostet hat“, sagt der 55 Jahre alte Trainer, der bei der Eintracht seine fünfte Saison bestreitet. Keine Sonderbehandlung also für jemanden, der bei der Eintracht als bislang teuerster Transfer die Massen bewegt. Hallten in der Hinrunde immer wieder „Caio“-Rufe durch die Frankfurter Arena, weil der Brasilianer sich im Laufe einer vorbereitenden Arbeitswoche keinen Platz in der Stammelf erkämpfen konnte, galt dies zugleich auch als Kritik an Funkel.

Doch Funkel verhielt sich einfach nur korrekt. Caio, der über eine feine Schusstechnik verfügt, immer wieder aber auch sinnfreie Übersteiger im Niemandsland des Spielfeldes macht, ist nicht der Spielmacher und Genius, den viele in ihm sehen wollen. Besonders Bernd Hölzenbein, den Weltmeister von 1974, schmerzt dies. Schließlich war der Chefscout der Eintracht in Brasilien und hat dort Auftritte von Caio gesehen, denen der bis heute nichts Gleichwertiges folgen ließ.

Caio: „Ich bin jetzt so weit“

Die Tage im portugiesischen Wolfstal sollen nun die Wende bringen. „Ich bin jetzt so weit“, sagt Caio, der beim 4:1-Testspielsieg gegen Rot-Weiß Oberhausen immerhin als Vorbereiter gefiel. „Toll, wie er sich an der Torauslinie durchgesetzt hat. Das kann kein anderer Spieler von uns“, schwärmt Bruchhagen. „Ich weiß, dass ich bislang nicht so gut gespielt habe“, sagt Caio. „Aber jetzt bin ich bereit, um in der Bundesliga Fuß zu fassen. Und wenn der Trainer laut ,Caaaaaaio' ruft, zeigt mir das, dass er Interesse hat, mich zu verbessern.“

Dass der Brasilianer noch immer konditionelle Defizite aufweist, aber immerhin bestrebt ist, an sich zu arbeiten, macht er an der Mentalität fest. „Überall, wo man hinguckt, gibt es Probleme. Das ist mit uns Brasilianern eben so.“ Sich bedingungslos quälen, über Grenzen gehen: Bei der Eintracht sollten sie auch zukünftig von Caio keine Wunderdinge erwarten. „Es hat etwas mit dem Kopf zu tun. Ich schaffe es dann einfach nicht mehr“, sagt er. „Ich weiß, dass ich mich noch verbessern muss. Den Durchbruch will ich unbedingt schaffen.“ Zeit dafür, wenn man sie ihm gibt, ist ausreichend vorhanden. Sein Vertrag läuft noch dreieinhalb Jahre.

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Jahrgang 1961, Sportredakteur.

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