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Eichin folgt Allofs Werder wählt die Eishockey-Lösung

 ·  Damit hatte nun wirklich niemand gerechnet: Thomas Eichin wird bei Werder Bremen als neuer Geschäftsführer Sport Nachfolger von Klaus Allofs. Er kommt vom Eishockey-Klub Kölner Haie. Einen kleinen Haken hat die Zusammenarbeit aber.

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© dpa Vergrößern Thomas Eichin muss in Bremen aus dem großen Schatten von Klaus Allofs treten

Eigentlich hatte ja keiner mehr damit gerechnet, dass sich bei Werder Bremen in Sachen Sportchefsuche in diesen verbleibenden Tagen des Jahres 2012 noch etwas tun würde. Geschickt hatten die Bremer Verantwortlichen die Medien eingelullt und nichts mehr dazu gesagt, ob nun Marco Bode Kandidat Nummer eins für die Allofs-Nachfolge sei oder man sich mit Frank Baumann an der Seite von Trainer Thomas Schaaf doch eigentlich gut bedient fühle. Dann kam Weihnachten und mit dem Fest ein anderer Augenmerk, weg vom Sportlichen.

Insofern muss man die Bremer um ihren Aufsichtsratsvorsitzenden Willi Lemke beglückwünschen, am Donnerstag einen neuen Mann zu präsentieren, mit dem nun wirklich niemand gerechnet hat: Am Nachmittag wurde Thomas Eichin offiziell als neuer starker Mann der Bremer vorgestellt. Der 46 Jahre alte gebürtige Freiburger erhielt als „Geschäftsführer Sport“ einen Vertrag bis 2016.

In den Namenslisten der möglichen Allofs-Nachfolge stand Eichin bei wohl keinem, und bis zum Tag der Verkündung sickerte auch nichts von möglichen Verhandlungen durch. Eine reife Leistung Lemkes, nun freudestrahlend diesen Überraschungskandidaten zu präsentieren.

„Er passt mit seinen bisherigen Erfahrungen genau in unser Anforderungsprofil. Thomas Eichin ist sehr seriös und voller Leidenschaft. Wir wollten die ausgetretenen Pfade verlassen und haben für die Nachfolge von Klaus Allofs eine smarte Lösung angekündigt und sie in Thomas Eichin gefunden“, sagte Lemke.

Was auch immer smart in diesem Zusammenhang heißen soll - mutig ist die Wahl. Eichins in jedem Fall, denn der ehemalige Gladbacher Fußballprofi hat sich seine Managersporen (nur) im Eishockey verdient: Seit 13 Jahren arbeitet Thomas Eichin in verschiedenen Management-Positionen der Kölner Haie in der Deutschen Eishockey Liga (DEL).

Er hatte seinen Vertrag beim achtmaligen deutschen Meister erst 2012 um vier Jahre verlängert, wird die Domstadt nun aber verlassen: „Ich musste nicht lange überlegen, als Werder mich kontaktierte“, sagte Eichin am Donnerstag Nachmittag, „es war immer klar, dass ich wieder im Fußball arbeiten will. Das ist nun meine einmalige Chance, in einer sehr interessanten Position bei einem so renommierten Verein in den Fußball zurückzukehren.“

Eichin wird die Bremer Führung mit den anderen beiden Geschäftsführern Klaus Filbry und Klaus-Dieter Fischer komplettieren. Den gerade zum Bremer Direktor Profifußball aufgestiegenen Frank Baumann kennt Eichin noch aus gemeinsamen Nürnberger Spielzeiten; Eichin wird fortan Baumanns Vorgesetzter sein.

Einen kleinen Haken hat die neue Zusammenarbeit allerdings: Eichin wird nach Absprache mit den Haien und Werder so lange in Köln im Amt bleiben, bis der Klub in der laufenden Saison ausgeschieden ist - im aus Bremer Sicht ungünstigsten Fall also erst im April 2013. Derzeit stehen die Kölner Haie auf Rang zwei der DEL.

Eine Ablösesumme soll laut Lemke nicht geflossen sein. Peter Schönberger, der Sprecher der Gesellschafter der Kölner Haie, sagte: „Wir haben Verständnis, dass Thomas Eichin dieses überraschende und herausstechende Angebot annehmen möchte und wollen ihm keine Steine in den Weg legen.“

Man könnte fast den Eindruck bekommen, als gebe es in der Fußball-Bundesliga gerade einen Wettbewerb in Sachen überraschende Personalentscheidungen. Einmal war Werder schon der leidtragende Klub einer solchen Rochade, als der Wechsel von Sportdirektor Klaus Allofs zum VfL Wolfsburg im November ruchbar wurde.

Dann holte sich Wolfsburg nicht Bernd Schuster als neuen Coach, sondern den Nürnberger Dieter Hecking. In Bremen nun wies nach der Absage Dietmar Beiersdorfers und Marc Kosickes alles darauf hin, dass man es entweder bei der kleinen Lösung mit Frank Baumann an der Seite von Trainer Thomas Schaaf versuchen wollte, oder probieren würde, dem frisch ins Amt gewählten Aufsichtsrat Marco Bode die Rolle als Sportchef schmackhaft zu machen.

Für beide Verteilungen hätte es Argumente gegeben. Die Wahl Eichins ist nun eine frische, ungewöhnliche Variante, denn eigentlich traut der hermetische Fußball ja nur Eigengewächsen auf solch verantwortlichen Positionen wie denen des Sportchefs.

Fußball kompakt: 57 Tagen, 7 Zeilen

Immerhin bringt Eichin einiges an Bundesliga-Stallgeruch mit - zwischen 1985 und 1999 bestritt er 180 Bundesligaspiele für Borussia Mönchengladbach. Seinen zukünftig wichtigsten Ansprechpartner überzeugte er bei einem langen Gespräch in Salzburg: In Schaafs Urlaubsort habe Eichin gemerkt „dass es zwischen dem Trainer und mir passt. Wir wollen eng zusammenarbeiten, und das am liebsten lange. Ich bin kein Mann für ein Jahr“, sagte Eichin.

Schaaf habe nach der Unterhaltung sein „Ja-Wort“ gegeben, verriet Lemke. Der Trainer hatte eine Art Veto-Recht und war in alle Absprachen eng eingebunden. Auf dieses neue Gespann an der Bremer Spitze darf man nun gespannt sein.

Thomas Eichin im Kurzporträt

Geburtsdatum: 9. Oktober 1966
Geburtsort: Freiburg/Breisgau

Karriere als Fußballspieler: Jugend: Eintracht Freiburg, Freiburger FC 1985-1999: Borussia Mönchengladbach (180 Bundesligaspiele/0 Tore) 1995: 1. FC Nürnberg (2. Liga, 10 Spiele/1 Tor) -

Stationen nach dem Karriereende: 1999-2001: Marketingleiter Kölner Haie 2001-2013: Geschäftsführer Kölner Haie

Erfolge mit den Kölner Haien: Deutscher Eishockey-Meister 2002 Pokalsieger 2004 Playoff-Finalist 2000, 2003 und 2008

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