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Dienstag, 18. Juni 2013
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Ebbers und St. Pauli Zwischen den Welten

 ·  Zu gut für die zweite Liga, nicht gut genug für die erste: Marius Ebbers möchte die Vorurteile widerlegen. Genau wie sein Klub St. Pauli. Vor der Partie an diesem Sonntag (13:30 Uhr) in Dresden sind die Hamburger Tabellenvierter.

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 Länger als ein Jahrzehnt tingelt Marius Ebbers nun schon durch den Profifußball. Er hat sein Glück in Wattenscheid, Duisburg, Köln und Aachen gesucht und nun beim FC St. Pauli ein Zuhause gefunden. Zu einer kleinen Berühmtheit ist der 34 Jahre alte Stürmer aber nicht durch seine vielen Tore in der Zweiten Fußball-Bundesliga geworden. Sondern durch seine Ehrlichkeit. Sogar Joseph Blatter, der Präsident des Internationalen Fußball-Verbandes, lobte Ebbers für seine Aufrichtigkeit und sagte, ihm imponiere, wie Ebbers den Fair-Play-Gedanken lebe.

Ob man nun ausgerechnet von Blatter gelobt werden möchte, sei einmal dahingestellt. Ebbers hat das schmunzelnd zur Kenntnis genommen. Etwas irritiert hat ihn aber schon, dass er die Szene aus der 80. Minute des Spiels gegen Union Berlin vor knapp drei Wochen bestimmt zwanzig Mal hat nacherzählen müssen. Da ging er mit Kopf und Arm zum Ball, als es 1:1 stand, und gab später auf Nachfrage des Schiedsrichters zu, dass seine Hand im Spiel war. Der Unparteiische nahm das Tor zurück, das er zunächst gegeben hatte, nach Protesten der Union-Spieler aber unsicher wurde. Ebbers stieg zum Helden auf, weil er ehrlich war - und weil St. Pauli das Spiel 2:1 gewann und die Aufstiegschancen wahrte. „Sonst wäre ich der Depp gewesen“, sagt Ebbers.

98 Treffer in der zweiten Liga

Irgendwie muss ihm die Aktion Auftrieb gegeben haben, denn Ebbers schoss im nächsten Heimspiel beim 3:0 gegen Rostock zwei Tore und verkörpert nun St. Paulis Hoffnung, in den verbleibenden beiden Spielen den Sprung auf den Relegationsrang zu schaffen. Vor der Partie an diesem Sonntag (Anstoß: 13.30 Uhr) in Dresden sind die Hamburger Tabellenvierter. Dass Ebbers in dieser Spielzeit noch mal richtig in Fahrt kommt, hatte kaum jemand erwartet. Zwei Muskelfaserrisse, eine Zerrung und eine schwere Ellbogenverletzung verhinderten, dass er auf mehr als 19 Einsätze und neun Tore kam. Keine schlechte Ausbeute für den erfolgreichsten aktiven Schützen der zweiten Liga: 98 Mal hat er dort inzwischen getroffen. „Ich hatte diesen Rekord nicht auf dem Zettel“, sagt Ebbers, „aber ich freue mich darüber und bin auch ein bisschen stolz.“

Allerdings stehen die vielen Zweitliga-Erfolgserlebnisse im krassen Missverhältnis zu seiner Ausbeute in der Bundesliga. Dort ist der geborene Essener, Typ Spaßvogel, den Nachweis seiner Klasse bislang schuldig geblieben: In der Saison 2003/04 gelang ihm ein Tor für den 1. FC Köln; in der Spielzeit 2006/07 traf er als Aachener Stammkraft zwei Mal. Und 2010/11, in der Abstiegsaison von St. Pauli, gelangen ihm auch nur drei Tore, obwohl Ebbers fast immer spielte. Ist die erste Liga eine Nummer zu groß für Ebbers?

„Fast biblisches Alter“

Er sagt: „In Köln und Aachen habe ich viel zu viel nachgedacht, konnte schon am Tag vor den Spielen nicht mehr schlafen.“ Und bei St. Paulis Erstliga-Intermezzo begann er gut, wurde dann aber von der Krise der ganzen Mannschaft erfasst, die in der Rückrunde nur noch drei Spiele gewann. So verkörpert Ebbers auch den Klub, für den er spielt: zu gut für die zweite Liga, nicht gut genug, um dauerhaft in der Bundesliga am Ball zu sein. Ein Urteil, das Ebbers gerne in der kommenden Spielzeit widerlegen möchte.

Die Gelegenheit dazu bekommt er. Ebbers selbst behauptete stets, mit keinem anderen Klub als St. Pauli verhandelt zu haben. Mitte der Woche hatte Sportchef Helmut Schulte noch seine Späßchen gemacht und gesagt, er „suche den neuen Vertrag mit Ebbers auf der Geschäftsstelle“, am Freitag machte St. Pauli ernst und verlängerte mit seinem gefährlichsten Angreifer um ein Jahr bis 2013.

Schulte sagte mit einem Schmunzeln: „Trotz seines fast biblischen Alters ist er immer noch in der Lage, für das Salz in der Suppe zu sorgen: Tore!“ Auch vom Trainer gab es lobende Worte: „Wenn er in einer guten körperlichen Verfassung ist, zählt er zu den Top-Stürmern der Liga“, sagte André Schubert. Gemeint war wohlgemerkt die zweite Klasse. Beim FC St. Pauli hoffen sie nun, dass Ebbers im vierten Anlauf Bundesligatauglichkeit nachweist.

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