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Düsseldorfs Rösler „Es ist okay, eine Reizfigur zu sein“

15.12.2011 ·  Sascha Rösler ist geübt in der Verunsicherung des Gegners. Der aggressiv-provokante Düsseldorfer Fußballprofi über sein Auftreten, sein Image und seine Karriere.

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© picture alliance / dpa Sascha Rösler: „Es gehört dazu, dem ein oder anderen mal einen Spruch reinzudrücken“

Aggressiv, theatralisch, provokant: Fußballprofi Sascha Rösler ist nicht nur ein Mann für schöne Tore, sondern auch geübt in der Verunsicherung des Gegners. Fortuna Düsseldorf hat er an die Spitze der zweiten Liga geschossen.

Sie sind während der vergangenen Saison als arbeitsloser Profi zum damaligen Tabellenletzten Fortuna Düsseldorf gekommen. 14 Monate später ist der Verein auch dank Ihrer Tore Zweitliga-Herbstmeister. Was ist da passiert?

Als die Düsseldorfer mich eingeladen haben, wollten sie wahrscheinlich erst mal gucken, ob ich schon dick geworden bin. Es ist schon überraschend, dass es so gut lief. Wie wir damals unten rausgekommen sind, war und ist beeindruckend. Ich habe natürlich gehofft, dass ich der Mannschaft helfen kann - auch mit meiner Art.

Diese Art ist aggressiv, theatralisch, provokativ. Den Titel Unsympath des Tages" würden Sie fast nach jedem Spiel vom Gegner verliehen bekommen.

Ja, und? Dass ich bei den gegnerischen Fans und Spielern nicht so beliebt bin, ist ganz normal. Ich komme über die Aggressivität und die Emotionen und bin auch mal jähzornig. Es ist doch besser, wenn die Gegenspieler sagen: „O nein, bitte nicht gegen den Rösler", als wenn es heißt: „Der macht nichts mehr, der wehrt sich nicht mehr, mit dem kannst du auf dem Platz alles machen."

Fallen die Gegner in der zweiten Liga eher auf Ihre Provokationen herein als Erstligaspieler?

Das hat nichts mit den Gegenspielern zu tun. Es ist ja auch nicht gezielt gegen bestimmte Gegenspieler gerichtet, sondern kommt aus der Emotion heraus. Manchmal muss auch der Schiedsrichter herhalten. Wenn ich merke, die Mannschaft ist nicht wach, nicht aggressiv, dann versuche ich, das Spiel für uns in die richtige Bahn zu lenken.

Wie schaffen Sie es, mit elf gegnerischen Spielern, den Fans und dem Schiedsrichtergespann im Clinch zu liegen?

Das ist übertrieben: nicht mit allen. Es gehört dazu, dem ein oder anderen mal einen Spruch reinzudrücken, um dessen Aggressivität und damit auch Fehlerquote zu steigern.

Was ist ein typischer Rösler-Spruch auf dem Feld?

Das gehört hier nicht hin. Wenn ich auch außerhalb des Platzes solche Emotionen zeigen würde, hätte ich keine Freunde und würde ganz alleine wohnen. Ohne Fußballschuhe an den Füßen bin ich eher ein umgänglicher Typ, harmoniebedürftig, mit null Bock auf Stress. Meine Freundin hat sich zu Anfang ganz schön erschreckt, als sie mich auf dem Platz oder im Fernsehen gesehen hat. Mittlerweile ist sie es gewohnt, schüttelt aber immer noch den Kopf.

Empfinden Sie es als Lob, wenn Gegner, wie in dieser Saison, sagen: Wir sind dem Rösler auf den Leim gegangen" oder Was der auf dem Platz macht, ist nicht in Ordnung".

Ich werde lieber ausgepfiffen als gar nicht wahrgenommen. Es ist schon okay, eine Reizfigur zu sein. Man muss immer aufpassen, die Grenze nicht zu überschreiten, nicht zu viel Energie dafür aufzuwenden, sich mit dem Schiedsrichter zu beschäftigen. Das klappt nicht immer.

Sie hatten einen Kreuzbandriss, mehrere Operationen an Jochbein, Hand- und Sprunggelenken, Sie sind dreimal in die Bundesliga aufgestiegen und zweimal aus der Bundesliga abgestiegen, Sie haben siebenmal den Verein gewechselt, fast 300 Zweitligaspiele und zwei Tatoos auf dem Körper. Mehr geht nicht rein in eine Fußballkarriere, oder?

Da ist schon viel zusammengekommen in 17 Jahren im Aktivenbereich. Es war nicht immer einfach. Einige Leute monieren meine häufigen Vereinswechsel, aber das waren in meinen Augen nicht überdurchschnittlich viele. Es ist doch klar, dass man in seiner kurzen Zeit als Fußballer mal ein bisschen was sehen und erleben will.

Haben Sie manchmal zu früh aufgegeben?

Natürlich habe ich in meiner Karriere auch Fehler gemacht. Das ist aber im Nachhinein immer leicht gesagt. Bei 1860 München habe ich zu schnell aufgegeben, als ich unter Werner Lorant nicht so zum Zug gekommen bin, und habe mich nach Oberhausen ausleihen lassen. Da hätte ich mich vielleicht mehr durchbeißen müssen.

Sie haben Ihre Karriere überwiegend in der zweiten Liga verbracht mit nur gelegentlichen Ausflügen in die Bundesliga. Empfinden Sie das im Nachhinein als Makel?

Das hat schon seine Gründe. Klar hätte es das ein oder andere Bundesligaspiel mehr sein können. Von einem bestimmten Alter an steht auch das Finanzielle im Vordergrund, das ist einfach so. Auch wenn es kaum einer zugibt: Wir spielen Fußball auch für Geld. Aber ich hätte nach dem Abstieg mit Aachen in der Bundesliga bleiben können und bin freiwillig nach Gladbach in die zweite Liga gegangen. Die Frage war: Macht es mehr Sinn, mit Gladbach wieder aufzusteigen oder mit einem Verein wie Karlsruhe um den Abstieg zu spielen?

Ihr Gladbacher Trainer Hans Meyer sagte damals nach kurzer Zeit: Der Rösler ist ein sehr guter Zweitligaspieler" - und warf Sie aus dem Bundesliga-Kader.

Das musste ich damals akzeptieren, auch wenn es mir psychologisch sehr schwer gefallen ist, dies zu verkraften. Ich hatte mir ein Jahr lang den Hintern aufgerissen für den Wiederaufstieg. Im Übrigen: Ein Hans Meyer muss auch nicht immer recht haben.

Welche Lektion haben Sie damals gelernt?

Dass es in diesem Geschäft kaum Dankbarkeit gibt. Es hat lange gedauert, bis ich mich aus diesem Loch heraus gekämpft hatte, aber im Endeffekt habe ich es ja geschafft.

Wie hat sich Ihr Blick auf das Geschäft verändert?

Ich bin lockerer geworden. In jungen Jahren kann man noch nicht so gut damit umgehen, wenn man mal ein paar gute Spiele macht und dich jeder in den Himmel lobt. Man merkt dann später, dass dich die Medien nicht umsonst hochschreiben, sondern es tun, um dich in schlechteren Phasen ganz schnell wieder runterzuholen. Das muss man lernen, damit muss man klarkommen. So wie jetzt bei unserer Serie mit Fortuna - da weiß ich, wie man das einordnen muss.

Schlagzeilen wie Fortunas Bester", die Düsseldorfer Lebensversicherung" oder der Wundermann" lassen Sie kalt?

Man liest so etwas natürlich lieber als: „Der Rösler trifft nix mehr." Aber das ist ein Tagesgeschäft, in der nächsten Woche geht es wieder bei 0:0 los, und man kann schnell wieder der Buhmann sein.

Sie treffen in dieser Saison per Kopf, per Distanzschuss, per Direktabnahme und mal per verunglückter Flanke. Wenn es läuft, dann läuft es - taugt das als Erklärung?

Klar, es läuft. Aber es ist schon noch harte Arbeit. Das klappt nicht von allein. Ich kriege auch von Freunden schon Sprüche gedrückt. Die sagen: Du kannst schießen, von wo du willst, und die Dinger sind drin. Aber so einfach ist es nicht.

Worauf basiert der Höhenflug der Fortuna?

Fast die gesamte Mannschaft mit allen Leistungsträgern wurde zusammengehalten, und in der Breite haben wir uns noch gut verstärkt. Es ist ein Riesenvorteil, mit einer eingespielten Mannschaft eine Saison zu beginnen. Zudem haben wir uns auswärts stabilisiert, was vorher unser Problem war. Mittlerweile gehen wir auch auswärts in die Spiele mit der Selbstverständlichkeit, dass wir sie gewinnen. Wir wissen, dass wir nicht alle überragende Fußballer sind, nur weil wir oben stehen. Da muss man aufpassen, dass man sich von den vielen Schulterklopfern und denen, die uns in den Himmel loben, nicht blenden lässt.

Was für einen Charakter braucht eine Mannschaft, um in die Bundesliga aufzusteigen?

Ich habe schon in anderen Vereinen erfolgreich gespielt. Aber der Charakter dieser Düsseldorfer Truppe ist überragend. Bei dieser Mannschaft beeindruckt, wie bodenständig sie ist. Hier lässt keiner nach einem Sieg raushängen, dass er ein Großer ist. Und wenn mal einer den Höhenflug kriegt, dann sind wir älteren Spieler da. Dann erzähle ich demjenigen, dass ich fast sein Vater sein könnte. 

Wie ist das als Vierunddreißigjähriger mit der körperlichen Belastung? Sie haben oftmals Vormittags- und Nachmittagstraining. Verfluchen Sie nach 14 Jahren im Profifußball solche Tage mit zwei Einheiten?

Man tut sich ja im Alter allgemein mit dem Training etwas schwerer. Da muss man das ein oder andere Mal mit Augenmaß einsteigen. Wenn man älter wird, weiß man, wann und wie es sich lohnt zu laufen. Man kann sich den ein oder anderen Sprint sparen. Aber ein- bis zweimal in der Woche zwei Einheiten am Tag kriege ich noch hin. Ich war in dieser Saison auch noch nicht verletzt.

Auch nicht am Rücken? Sie sagten nach Ihrem Fallrückziehertor gegen Bochum, dem Tor des Monats Juli, dass man sich das in Ihrem Alter nicht so oft erlauben könne.

Nein, danke, es geht schon wieder.

Das Gespräch führte Alex Westhoff.

Quelle: F.A.S.
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