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Werder und „sein“ Afrika : Grenzenlose Dummheit

Bremens Papy Djilobodji: Zu spät für Reue. Die Strafe sitzt. Bild: AP

Beim Spiel gegen Mainz 05 drohte Werder-Spieler Djilobodji einem Gegenspieler mit einer Kopf-ab-Geste. Noch dümmer sind die Rechtfertigungsversuche von Sportchef Eichin.

          Den Bremern geht gerade ordentlich die Düse, denn der Abstiegskampf in der Fußball-Bundesliga geht einher mit einer gewissen Existenzangst. Also versuchen sie zu retten, was noch zu retten ist. Sportchef Thomas Eichin erledigt dies auf seine ganz eigene Art und Weise. Der Mann war mal Abwehrspieler in Freiburg und Mönchengladbach, arbeitete später als Geschäftsführer beim Eishockeyklub in Köln, und irgendwann zwischendurch hat er ganz offenbar an irgendeiner Fern-Uni auch noch mal in den Studiengang Ethnologie reingeschnuppert. Forschungsschwerpunkt: der Senegal und seine kulturellen Besonderheiten. Denn dazu hat Eichin ordentlich was zu sagen.

          Am vergangenen Wochenende ist der Bremer Abwehrspieler Papy Djilobodji im Spiel gegen Mainz 05 auffällig geworden, weil er seinen Gegenspieler mit einer Kopf-ab-Geste bedacht und ihn dabei richtig böse angeschaut hat. Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes hatte eine Drei-Spiele-Sperre gefordert, das Sportgericht hat Djilobodji nun am Mittwoch für zwei Spiele gesperrt, zudem muss er eine Geldstrafe von 15.000 Euro zahlen. Der Verein, der das Strafmaß akzeptierte, hatte zuvor noch Einspruch eingelegt, denn Eichin hielt eben dieses Strafmaß für unangemessen. Die Gründe verriet er der „Bild“-Zeitung: „Es gibt Gesten, die in unterschiedlichen Kulturen verschiedene Bedeutungen haben. Wir müssen erklären, dass diese Geste in Afrika gebräuchlich ist.“

          Schlechtes Vorbild für die Kinder auf den Bolzplätzen

          Gebräuchlich in Afrika? Der Kontinent erstreckt sich über 54 Länder, hat etwas mehr als eine Milliarde Einwohner mit mehr als eintausend eigenständigen Sprachen und mindestens genauso vielen regionalen Eigenarten und Besonderheiten. Eichin aber ist in Bremen offenbar in der Stereotypenstraße zu Hause, frei nach dem Motto: Kennst du einen Afrikaner, kennst du alle!

          „Afrikakenner“ Thomas Eichin: In der Stereotypenstraße zu Hause
          „Afrikakenner“ Thomas Eichin: In der Stereotypenstraße zu Hause : Bild: dpa

          Dabei entkräftet er sein Argument gleich selbst: Sollte Eichin nämlich recht haben, wäre demzufolge in ganz Afrika diese Kopf-ab-Geste etwas für gute Freunde, jedenfalls nichts für Rivalen oder Gegner. Eine freundliche Auslegung der Kopf-ab-Geste konnte uns allerdings keiner der promovierten Ethnologen, Kulturwissenschaftler und Afrika-Experten bestätigen, die wir angerufen haben, um die These von Eichin bestätigt zu wissen. Nur eine sagte: Die Geste müsse nicht gleich bedeuten „Ich töte dich!“, sie kann auch für Siegeswillen stehen.

          Dennoch war sie unpassend. Und die Worte von Eichin bleiben blanker Unsinn. Der ziemlich einfältige Versuch, seinen Verteidiger in den heißen Wochen des Abstiegskampfes nicht wegen so einer Dummheit zu verlieren.

          Aber dumm war nicht nur das Verhalten von Djilobodji auf dem Platz, sondern auch die Rechtfertigung von Eichin. Dabei ist er lange genug im Geschäft, um zu wissen, dass das, was in den großen Fußballarenen passiert, auf den Bolzplätzen der Republik nachgemacht wird. Ein öffentlicher Rüffel wäre also die passende Antwort gewesen. Djilobodji muss deshalb zwingend gesperrt bleiben. Und Eichin empfehlen wir für die Länderspielpause als Lektüre für, na ja, zumindest so etwas wie ein Basiswissen: Jacob E. Mabe (Hg): Das Afrika-Lexikon. Und danach ein bisschen mehr Zurückhaltung.

          Quelle: F.A.Z.

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