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Dortmund statt Gladbach Reus bleibt Borusse

 ·  Borussia statt Bayern: Marco Reus wechselt von Mönchengladbach nach Dortmund. Für 17,5 Millionen Euro kehrt der Nationalspieler in seine Heimat zurück. Reus ist nicht der einzige Gladbacher Verlust.

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© REUTERS Vergrößern In einem halben Jahr bricht Marco Reus seine Zelte in Mönchengladbach ab und kehrt nach Dortmund zurück

Um kurz vor vier Uhr war Hans-Joachim Watzke noch nicht danach zumute, über den bevorstehenden Transfercoup Auskunft zu geben. „Schreiben Sie erst mal nichts“, sagte der Geschäftsführer des aktuellen deutschen Fußballmeisters Borussia Dortmund und empfahl, sich noch eine Dreiviertelstunde zu gedulden.

Letztlich dauerte es dann nur noch ein paar Minuten, bis der Verein offiziell bestätigte, einen großen Transfer in die Wege geleitet zu haben. Borussia Dortmund hat sich mit Marco Reus, dem von vielen Vereinen umworbenen Stürmer von Borussia Mönchengladbach, auf eine Zusammenarbeit von der kommenden Saison an geeinigt.

Reus, den auch der Bayern München gerne in seinen Reihen aufgenommen hätte, erhält in Dortmund einen Arbeitsvertrag bis Juni 2017. Der Nationalspieler hatte seinen Vertrag bei Borussia Mönchengladbach zwar bis 2015 verlängert, allerdings unter dem Vorbehalt, gegen eine Ablöse von rund 17,5 Millionen Euro schon zum Ende der aktuellen Spielzeit wechseln zu können.

So viel sind Profis seiner Klasse dem BVB also inzwischen wieder wert. Nach Jahren der Konsolidierung sind die Dortmunder wieder imstande, Transfers dieser Größenordnung zu stemmen, wenn auch „nicht jede Woche“, wie Watzke sagte. Er hatte zuletzt schon mehrmals angedeutet, für einen Spieler der Güteklasse Reus sei genug Geld da, aber immer wieder auf Bayern München als hohen Favoriten bei diesem Pokerspiel genannt.

„Es gibt kein Paradigma, dass wir so einen Transfer nicht stemmen können. Darauf haben wir jahrelang hingearbeitet“, sagte Watzke. Reus sei „ein Spieler, der den Verein nicht vielleicht weiter bringt, sondern ganz definitiv“. Noch vor zwei Tagen will Watzke allerdings „das Gefühl gehabt haben“, Reus werde doch dem Ruf der Bayern folgen gehen. Dieses „Gefühl“ hat ihn getrogen – falls er es wirklich hatte.

Reus war neben Mario Götze, der bereits für Dortmund spielt, der auffälligste (Jung-)Star des ersten Halbjahres in der Bundesliga. Sein Talent und seine gute Form haben wesentlich zum Aufschwung der Gladbacher Borussen beigetragen, die im Frühjahr knapp dem Abstieg in die zweite Liga entgangen waren, danach aber in die Spitzengruppe der ersten Klasse stürmten und die Hinrunde als Bundesliga-Vierter abgeschlossen haben. Reus erzielte dabei dreizehn Pflichtspieltore.

Die Rheinländer hatten zwar bis zuletzt darauf spekuliert, ihren auch sportlich wertvollsten Profi wenigstens noch ein Jahr oder auch länger halten zu können und hätten sich das auch einiges kosten lassen. Doch am Ende waren sie schließlich chancenlos. „Wir haben Marco ein neues Angebot gemacht, bei dem der Verein über seine Schmerzgrenze gegangen ist“, sagte der Gladbacher Sportdirektor Max Eberl, der auch den Abgang von Mittelfeldspieler Roman Neustädter verkraften muss. Er verlängert seinen auslaufenden Vertrag nicht und geht wie Reus im Sommer.

Eberls Dortmunder Kollege Michael Zorc jubilierte dagegen wie nach einem großen Sieg auf dem Rasen. „Wir haben unseren Wunschspieler bekommen und uns gegen hochkarätige Konkurrenz durchgesetzt. Reus sei ein variabel einsetzbarer Offensivspieler, „der in jedem Spiel den Unterschied ausmachen kann“.

Für den Standort Dortmund sprechen aus der Sicht von Marco Reus gleich mehrere Faktoren. „Ich habe mich entschieden, in der kommenden Saison den nächsten Karriereschritt zu machen“, sagte der 22 Jahre alte Angreifer. Zwar bietet auch Mönchengladbach neuerdings eine interessante sportliche Perspektive, auch mit Blick nach Europa.

Das Erreichen der Champions League scheint mit dem aktuellen Liga-Zweiten Dortmund, der über eine entwicklungsfähige Mannschaft verfügt, aber deutlich verlässlicher, zumal über einen längeren Zeitraum hinweg. Zudem passt Reus in das „junge“ Konzept, das Watzke gemeinsam mit Trainer Jürgen Klopp und Sportdirektor Michael Zorc seit einigen Jahren verfolgt.

Und auch private Gründe mögen den Stürmer veranlasst haben, in seine Heimatstadt zurückzukehren. Seine Freundin wohnt in Dortmund, und auch sportlich ist Reus in der größten Stadt des Ruhrgebiets verwurzelt. Er begann bei Post SV Dortmund mit dem Fußball, wechselte später zur großen Borussia, wurde dort als Jugendlicher buchstäblich für zu leicht befunden, ging nach Ahlen, wurde in der zweiten Liga vom Gladbacher Manger Eberl entdeckt und darf nun, unter ganz anderen Umständen, wieder sein Glück beim BVB versuchen.

Manchmal führen auch Umwege zum Ziel. Zuvor will Reus mit Borussia Mönchengladbach aber noch ein Zwischenziel erreichen. „Am liebsten würde ich mich mit einem Titel aus Gladbach verabschieden. Der Pokal ist ja auch noch drin.“

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Marco Reus im Kurzportät

Name: Marco Reus

Geburtsdatum: 31. Mai 1989

Geburtsort: Dortmund

Größe/Gewicht: 1,80 Meter/70 Kilogramm

Vereine: Post SV Dortmund (Jugend), Borussia Dortmund (bis 2006), Rot Weiss Ahlen (2006-2009), Borussia Mönchengladbach (seit 2009), Borussia Dortmund (von Juli 2012; Vertrag bis 2017)

Bundesligaspiele/Tore: 80/28 alle für Borussia Mönchengladbach

Nationalmannschaft: 3 Spiele/0 Tore; Debüt 7.10. 2011 in der Türkei (3:1)

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04.01.2012, 16:13 Uhr

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