26.09.2009 · Das Finanzdesaster hätte Dortmund 2005 fast in die Insolvenz geführt. Nun hat Schalke 04 mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Beim Thema Geld schönen sich die beiden Rivalen - vor dem Derby an diesem Samstag (15.30 Uhr).
Von Richard Leipold, GelsenkirchenWenn Borussia Dortmund an diesem Samstag (15.30 Uhr / FAZ.NET-Bundesliga-Liveticker) zum Revierderby gegen Schalke 04 antritt, freuen sich die Fans wieder auf einen bundesweit beachteten Festtag des Fußballs. Doch das Aufeinandertreffen dieser beiden Nachbarn, die einander nicht ausstehen können, steht auch für Größenwahn, der in einer pulsierenden Fußballregion beide Protagonisten in Schwierigkeiten gebracht hat: erst den BVB, dem es dank eines straffen Sanierungsprogramms wieder bessergeht; dann den FC Schalke, der das Schlimmste noch vor sich hat, wenn die Skeptiker recht behalten, die von den Verantwortlichen (noch) als missgünstige Schwarzmaler eingestuft werden. Es gibt Parallelen zum Dortmunder Desaster, das im März 2005 fast zur Insolvenz geführt hätte, aber auch Anhaltspunkte dafür, dass Schalke nicht ganz so in Bedrängnis geraten dürfte wie einst der verhasste Nachbar.
Die Königsblauen sind mit einem Schuldenstand von fast 137 Millionen Euro in das Geschäftsjahr 2009 gegangen (Verbindlichkeiten aus dem Stadionbau nicht eingerechnet), die Borussia war in der Spitze mit 122 Millionen Euro verschuldet, hat den Berg aber nach eigenen Angaben auf nunmehr sechzig Millionen abgetragen (den Stadionrückkauf schon eingeschlossen).
Auch der Gehaltsetat des FC Schalke erinnert an die Dortmunder Geldverbrennung von einst. Statt das Budget wie geplant auf deutlich unter fünfzig Millionen Euro zu reduzieren, soll die Profiabteilung jenseits der sechzig Millionen Euro im Jahr verschlingen. Nach Medienberichten beziehen allein der neue Trainer Felix Magath und seine Entourage per annum insgesamt acht Millionen Euro. Zudem haben Vertragsverlängerungen mit den Stammkräften Westermann, Höwedes und Jones die Entlastungen relativiert, die aus der Trennung von den Besserverdienenden Engelaar, Krstajic und Ernst resultieren.
„Dazu geben wir keine Auskunft“ - sagt Sportdirektor Magath
Eine weitere Parallele besteht darin, dass Schalke zu Beginn der vergangenen Saison als Dritter der Bundesliga die Qualifikation für die Champions League verpasst hat, ohne für diesen Fall finanziell vorgesorgt zu haben. Auch bei Dortmund hatte die Krise nach dem Scheitern in der Champions-League-Qualifikation (im Sommer 2003) ihren Lauf genommen.
Das Geschäftsgebaren ähnelt sich noch in einem weiteren Punkt. Wie die Dortmunder haben auch die Gelsenkirchener Forderungen der Zukunft genutzt, um sich frisches Geld zu verschaffen und aktuelle Engpässe zu überbrücken. Schalke hat die zu erwartenden (erfolgsunabhängigen) Garantiesummen aus langfristigen Verträgen mit dem Hauptsponsor Gasprom (44,3 Millionen Euro) und der Ausrüsterfirma Adidas (12,8 Millionen) an Banken veräußert und so vorab zu Geld gemacht.
In gewisser Hinsicht geht es Schalke derzeit aber auch besser als einst den Borussen. Die Gelsenkirchener brauchen ihr Stadion nicht wie der BVB zurückzukaufen, sondern könnten Anteile daran sogar noch veräußern. Ob Transferrechte an werthaltigen Spielern wie Verteidiger Rafinha und Torwart Neuer zur Sicherheit übereignet sind, ist nicht bekannt. „Dazu geben wir keine Auskunft“, sagte Magath, der auch Sportdirektor ist.
„Es wird keine Notverkäufe geben, weil wir nicht in Not sind“
Unabhängig davon fällt auf, dass Schalke die Schulden im Geschäftsjahr 2008 um dreißig Millionen Euro erhöht hat, obwohl der Klub noch Einnahmen aus internationalen Wettbewerben erzielen konnte. Im aktuellen Geschäfts- und Kalenderjahr muss der Verein in dieser Hinsicht ohne jeden Cent auskommen. Ein Insider vermutet, am Ende des ersten Quartals 2010 könnte sich eine Etatlücke von „dreißig Millionen plus x auftun“, falls es Schalke nicht gelingt, dank Spielertransfers oder anderen außerordentlichen Mittelzuflüssen zu gesunden.
Der Aufsichtsratsvorsitzende Clemens Tönnies gibt sich bei all dem entspannt. Die allseits erwarteten Spielerverkäufe seien eine Option, aber nicht zwingend notwendig, um zu überleben, behauptet er. „Es wird keine Notverkäufe geben, weil wir nicht in Not sind.“ Allerdings müsse der Klub die Einnahmen steigern und die Kosten senken. Über die strategische Partnerschaft mit einem Investor habe Schalke „bisher nicht nachgedacht“.
In Dortmund hat das geholfen. Die Borussia hat ihren Mannschaftsetat inklusive Trainerteam auf unter 35 Millionen Euro im Jahr zurückgeführt. Hämische Bemerkungen über die Schalker Finanzkrise sind aus Dortmund vor dem Derby nicht zu hören. Im Gegenteil. BVB-Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke äußert sich zuversichtlich, dass die Schalker Lage nicht so dramatisch sei wie jene des BVB vor vier, fünf Jahren. Mehr möchte er dazu öffentlich nicht sagen. „Ich habe es als sehr wohltuend empfunden, dass die Schalker sich während unserer existentiellen Krise zurückgehalten haben. Deshalb halte ich es genauso.“
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |