20.04.2010 · Dietmar Hopp ist nicht nur Mäzen, sondern auch Freund des Vereins TSG 1899. Der Erschaffer des Hoffenheimer Fußball-Aufstiegs im Gespräch mit Michael Eder über die aktuelle Krise, Rangnicks Chancen und das Abschaffen von Privilegien.
1899 Hoffenheim hat einen steilen Absturz hinter sich. Wie gehen Sie die Krise an? Wie ein Unternehmer, kühl und analytisch?
Es ist etwas schwieriger als in der freien Wirtschaft, weil im Fußball die Medienbegleitung extrem ist. Bevor man den ersten Gedanken gefasst hat, wollen alle schon wissen, was kommt hinten raus. Das hat man in einem normalen Wirtschaftsunternehmen nicht, da kann man seine Entscheidungen in aller Ruhe vorbereiten und dann auch treffen und begründen. Im Fußball wird man unmittelbar nach jedem Spiel befragt, und man kann nicht immer nein sagen. Was immer man dann sagt, ist problematisch.
Sie sollen nach der Niederlage gegen Köln die Mannschaft heftig kritisiert haben. Wie ist das angekommen?
Der eine sagt, das ist okay, der andere sagt, ich verstehe überhaupt nicht, wie man die Mannschaft kritisieren kann. Aber ich kann mich doch nicht hinstellen und sagen, die Mannschaft hat toll gespielt, wenn 30.000 Menschen im Stadion bitter enttäuscht waren. Ich war nach dem Spiel gegen Köln in der Kabine und habe kühl und nicht ohne Enttäuschung die Mannschaft gefragt, was los ist.
Kann dieser Druck, den die Medien und das Publikum ausüben, zu Fehlern verleiten, zu übereilten Konsequenzen?
Ich hoffe, dass das in unserem Fall nicht so ist, ich mache in aller Regel keine Schnellschüsse. Aber ich bin gleichzeitig auch entscheidungsfreudig, ich bin kein Mensch, der etwas ewig hinausschiebt. Aber im Moment ist eine Phase, da wir noch vier Spiele vor uns haben, wo wir noch keine endgültigen Schlüsse ziehen können. Wir werden sorgfältig diskutieren und nicht übers Ziel hinausschießen.
Es heißt, Sie wollten externe Experten zu Rate ziehen. Welcher Art?
Wir haben schon länger einen inoffiziellen Kreis, den wir Beirat nennen, der wird zur neuen Saison offiziell in die Satzung aufgenommen. In diesem Beirat wird diskutiert mit allen Leuten, die Verantwortung tragen, auch mit dem Trainer und dem Manager. Was externe Experten betrifft, meine ich nicht Berater-Gurus, sondern Leute anderer Vereine, die schon länger Erfahrung haben und Ähnliches erlebt haben. Der VfB Stuttgart zum Beispiel hat das unter Trainer Babbel ja eins zu eins erlebt. Die haben auch keinen Ball mehr über die Linie gebracht. Und dann kommt Gross als Trainer, und der Knoten war gelöst.
Das klingt, als dächten Sie an einen Trainerwechsel?
Nein, das Strickmuster muss ja nicht immer das gleiche sein. Das Beispiel VfB heißt nicht, auf Hoffenheim projiziert, dass wir einen Trainerwechsel brauchen. Ich gehe davon aus, dass Rangnick in der nächsten Saison noch unser Trainer ist. Er wird sicherlich nicht von Hoffenheim entlassen.
Warum denken Sie, dass er noch der richtige Mann für Hoffenheim ist?
Schauen Sie seine Bilanz seit Juli 2006 an. Sie war zweieinhalb Jahre lang sensationell. Die letzte Rückrunde war immer noch gut. Auch diese Vorrunde war noch ordentlich. Wir waren nach sieben Spielen Dritter, wir waren nach elf Spielen Fünfter, einen Platz vor den Bayern. Das habe ich der Mannschaft gesagt. Ich habe ihr nicht gesagt, dann seid ihr zusammengebrochen, aber im Hinterkopf habe ich es gehabt. Rangnick hat gemeinsam mit der Mannschaft ein Tief durchlaufen, und ich hoffe, dass wir dieses Tief ohne Abstieg überstehen.
Wer ist für die Fehleinkäufe vor dieser Saison verantwortlich? Manager Schindelmeiser?
Das war ein Gemeinschaftswerk von Trainer und Manager. Es wäre ungerecht, wenn man das Schindelmeiser alleine anlasten würde. Ich rede auch nicht von Fehleinkäufen. Aber natürlich ist, verglichen mit den Transfers, die wir davor gemacht haben, die Reihe derer, die mit Wellington begonnen hat, nicht sonderlich erfolgreich.
Wie weit sind Sie in die Transfers eingebunden?
Insoweit, als ich gefragt werde, können wir es uns leisten oder nicht. Wenn man mich fragt, können wir jetzt 4,5 Millionen für einen Zuccolini ausgeben, dann gehe ich davon aus, dass er sportlich top ist. Aber es ist dann letztlich leider Gottes wohl doch so gewesen, dass er mit seinen 19 Jahren entwurzelt in Deutschland nicht seine Form gefunden hat. Vielleicht muss man da auch noch einmal einen neuen Anlauf nehmen und dem Jungen jemanden zur Seite stellen. Es geht darum, den Schlüssel zu finden, wie man an das Potential der Leute herankommt, und das traue ich Rangnick nach wie vor zu.
Sie haben von tiefen Einschnitten gesprochen, die auf den Verein zukommen würden, was meinen Sie damit?
Das bedeutet, dass wir Spielern, die bei uns ja ein üppiges Gehalt beziehen und weit entfernt sind von den mit ihnen verbundenen Ansprüchen, sagen, bevor du bei uns auf der Tribüne sitzt, suche dir einen neuen Verein. Aber wir werden keine Spieler, die noch Transferpotential haben, auf diese Weise wegschicken. Wir müssen den Leuten immer mit Menschlichkeit begegnen, aber wenn es einer überhaupt nicht mehr kann, dann kann man ihn eben auf Dauer nicht mitschleppen. Die andere Geschichte ist die, dass wir bestimmte Sparmaßnahmen ergreifen werden. Wir müssen nicht alles viel besser haben als die anderen.
In welche Richtung denken Sie?
Man kann bestimmte Privilegien abschaffen. Das ist Gegenstand unserer Diskussion, das sind Punkte, die ich ins Feld führe. Ich bin ja bekannt dafür, dass ich zum Beispiel bei der SAP extrem gute Erfahrungen damit gemacht habe, dass ich Mitarbeiter verwöhnt und dafür Leistung zurückbekommen habe. Wenn die Leistung zurückkommt, ist das in Ordnung, und ich hoffe, dass das auch bei unseren Fußballern so bleibt. Aber wenn die Leistung nicht zurückkommt, dann müssen wir ausgewogene Verhältnisse schaffen.
Fühlen Sie sich manchmal ausgenutzt?
Das ist die Gefahr. Es gibt im Fußball Fälle von Undankbarkeit, wie sie in einem Industriebetrieb undenkbar wäre. Bei der SAP sind höchstens mal Leute gekommen und haben gesagt, da sind welche, die nutzen aus, dass wir keine Stempeluhren haben. Ich habe gefragt, wie viele sind es, mehr als fünf Prozent? Nein, haben sie gesagt, viel weniger. Da habe ich gesagt, okay, dann schaut ihr, wie ihr solche Leute in der Gruppe darauf hinweist, dass sie unfair sind.
Eröffnet eine Krise auch Chancen? Die Chance zum Beispiel, alles noch einmal auf den Prüfstand zu stellen?
Nun, ich habe ein hochwertiges Stadion gebaut, ein hochwertiges Trainingszentrum, habe ein Jugendförderkonzept entwickeln lassen, das seinesgleichen sucht, wir können nicht mehr überdenken, ob es richtig ist, in der Bundesliga zu spielen. Das müssen wir tun. Wir müssen uns dort etablieren. Was ich dazu tun kann, werde ich tun. Über Strukturen im Verein, da können wir nachdenken. Mag sein, dass wir an manchen Stellen überbesetzt sind. Vielleicht fehlt uns auch ein Spielertyp wie van Bommel, der mal dazwischen haut.
Sie sind letztlich nicht Mäzen, sondern Freund des Vereins und Investor. Der Verein zahlt Miete für das Stadion, das Sie betreiben, und auch für das Trainingszentrum. Ist es Ihr Ziel, dass sich Ihr Hoffenheimer Investment eines Tages lohnt?
Nein, lohnen muss es sich nicht. Aber es soll nicht eine dauerhafte Verlustquelle sein. Eine solche möchte ich meinem Sohn Daniel nicht hinterlassen; ich werde ihm viel Gutes hinterlassen, und da muss nicht unbedingt ein faules Ei dabei sein.
Man hat Ihnen vorgeworfen, Sie würden mit Ihrem Engagement die 50+1-Regel umgehen, die verhindern soll, dass ein Investor die Entscheidungsmacht in einem Bundesligaklub übernimmt.
Das zu behaupten, dazu gehört schon viel Phantasie. Ich habe nun einmal nur 49 Prozent an unserer Spielbetriebs GmbH, und der Verein hat 51.
Aber Sie halten 96 Prozent am Stammkapital, und Ihnen gehört sowohl das Stadion wie auch die Trainingsanlage.
Vielleicht habe ich sogar 99 Prozent des Stammkapitals, das weiß ich gar nicht. Aber so sind die Regeln, und wir leben alles genau nach den Regeln. Wenn sie in einer Aktiengesellschaft 49 Prozent haben, dann dominieren Sie natürlich jede Hauptversammlung, aber das ist bei uns nicht der Fall. Wenn es Abstimmungen gibt, dann habe ich nur 50 minus 1.
Aber es wird sich im Zweifel keiner in den Gremien trauen, gegen Sie zu stimmen.
Das ist ja auch in Ordnung. Wir ziehen an einem Strang. Und warum soll einer gegen mich stimmen, was habe ich dem Verein getan, außer ihn zu unterstützen? Und wenn das, was ich tue, einmal unvernünftig würde, dann wird man auch gegen mich stimmen, da bin ich sicher.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
Hamburger SV | 21 | -8 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Köln | 21 | -12 | 24 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 21 | -12 | 22 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 21 | -14 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |