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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Die Weltmeister von 1990 Der Fluch des Titelgewinns

29.04.2009 ·  Jürgen Klinsmann ist das jüngste Beispiel für das Scheitern der Weltmeister von 1990. Fast alle wollten im Fußballgeschäft bleiben, fast alle tun sich damit schwer. Außer Rudi Völler hat kaum einer sein Glück als Trainer, Teamchef oder Sportdirektor gefunden.

Von Hartmut Scherzer
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Willkommen im Klub: Nun gehört auch Jürgen Klinsmann zum Kreis der als Fußballtrainer, Teamchefs oder Sportdirektoren vorerst gescheiterten Weltmeister von 1990. Ihre Karriere abseits des Rasens ist 19 Jahre nach dem glanzvollen Auftritt in Italien getrübt von herben Rückschlägen. Am Tag, als der FC Bayern seinen Reformer vor die Tür setzte, gehörten mit Ausnahme von Rudi Völler die ehemaligen Stars Lothar Matthäus (Maccabi Netanja), Pierre Littbarski (FC Vaduz), Jürgen Kohler (VfR Aalen), Thomas Häßler (1.FC Köln) als Christoph Daums Technik-Trainer und Andreas Brehme, beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) zuständig für die Kinder-Aktion „1000 Mini-Spielfelder“, längst der zweiten oder gar nur dritten Reihe an.

Klaus Augenthaler, Guido Buchwald und Stefan Reuter sind arbeitslos und auf Jobsuche, seit sie in Wolfsburg, Aachen und vom TSV München 1860 entlassen wurden. Thomas Berthold hat nach einem einmaligen Missverständnis als Manager von Fortuna Düsseldorf nicht weiter an einer zweiten Karriere gebastelt. Bodo Illgner, als Torwart ohnehin Außenseiter, hatte als einziger römischer Weltmeister erst gar nicht eine zweite Laufbahn im operativen Fußballgeschäft angestrebt.

Lattek:„Sie setzen als brillante Fußballer zu viel voraus“

Udo Lattek, als Spieler nur auf Regionalliga-Niveau, zusammen mit dem ehemaligen Amateur-Nationalspieler Ottmar Hitzfeld aber der erfolgreichste deutsche Klubtrainer, glaubt zu wissen, warum Stars von einst – den „außerirdischen“ Franz Beckenbauer natürlich ausgenommen – scheitern. „Sie setzen als brillante Fußballer zu viel voraus und vernachlässigen das permanente Üben der Grundelemente. Trainieren ist Kärrnerarbeit.“

Die hatten die Weltmeister schon bei der eigenen Ausbildung zum Fußballlehrer nicht nötig. In einem sogenannten Crashkurs, übrigens von Klinsmann angeregt, schulte Gero Bisanz 2000 verdiente Nationalspieler, darunter der Initiator selbst sowie unter anderem Brehme, Buchwald, Kohler, Littbarski und Reuter, für das Trainer-Diplom des DFB – in 240 statt der üblichen 560 Unterrichtsstunden.

Matthäus musste in Israel bleiben

Lothar Matthäus holte Versäumtes nach. Der deutsche Rekordnationalspieler wurde als Teamchef von Rapid Wien entlassen, mit Partizan Belgrad Meister von Serbien-Montenegro, besiegte mit Ungarn im Jubiläumsspiel fünfzig Jahre nach dem „Wunder von Bern“ Deutschland 2:0, schaffte aber die WM-Qualifikation für 2006 nicht. Nach einem kurzen Abenteuer in Brasilien und der vorzeitigen Entlassung an der Seite Giovanni Trapattonis in Salzburg drückte Matthäus vor einem Jahr zwei Monate lang in einem Sonderlehrgang die Schulbank. Beim damaligen Chefausbilder des DFB, Erich Rutemöller, bestand Matthäus im Mai 2008 die Prüfung zum lizenzierten Fußballlehrer.

Wann immer südlich des Mains eine Stelle vakant wurde, hatte sich Matthäus ins Gespräch gebracht, in Frankfurt, in Nürnberg und zuletzt bei München 1860: „Wenn jemand meint, dass ich helfen kann, wird er sich bei mir melden.“ Lattek hält Matthäus für einen exzellenten Trainer. „Wenn ich Präsident wäre, würde ich Lothar sofort nehmen.“ Doch der neue starke Mann bei den „Löwen“, Miroslav Stevic, stellte sofort klar: „Solange ich bei 1860 Sportdirektor bin, wird hier kein Trainer mit roter Vergangenheit beschäftigt.“ Matthäus musste in Israel bleiben, wo er mit Netanja an vierter Stelle steht und um einen Platz für die neue Europa League kämpft.

Augenthaler sucht seit zwei Jahren Arbeit

Mit dem Bann der „Sechziger“ gegen ehemalige Bayern-Akteure zerschlugen sich auch die Hoffnungen des seit zwei Jahren unter nervender Untätigkeit leidenden Augenthaler. Der kantige Niederbayer war von ganz unten den harten Weg gegangen: sieben Jahre lang A-Jugend- und Co-Trainer beim FC Bayern, Debüt als Chef beim Grazer AK, Aufstieg mit dem 1.FC Nürnberg in die Bundesliga, Bayer Leverkusen vor dem Abstieg gerettet, dennoch später gefeuert wie anschließend auch in Wolfsburg. Seitdem hat der frustrierte 51 Jahre alte Trainer im Unruhestand kein Stadion mehr betreten.

Guido Buchwald kehrte als Double-Gewinner mit den Urawa Red Diamonds aus Japan zurück und fing in Deutschland – ganz bescheiden – in der zweiten Bundesliga an. „Ich habe unterschätzt“, sagt er heute, „wie argwöhnisch man als Weltmeister in der zweiten Klasse beäugt wird. Ich hatte in Aachen noch gar nicht angefangen, da war ich schon wieder weg.“ Wie bei Augenthaler fehlt es nicht an Anfragen aus dem Ausland. Aber der Schwabe will wie auch der Bayer in Deutschland arbeiten, und sei es in der dritten Liga.

Kohler in der dritten Liga

Wie jetzt notgedrungen Jürgen Kohler. Nahtlos hatte sich dessen Übergang vom Ende der aktiven Laufbahn zum DFB-Trainer der „U21“-Nationalmannschaft vollzogen. Eigentlich die ideale Aufgabe für den aufrechten Kerl. Doch schon bald erlag Kohler den Verlockungen der Liga, scheiterte aber auf dem durch Völlers Engagement als Teamchef der Nationalmannschaft frei gewordenen Posten des Sportdirektors in Leverkusen ebenso wie als Trainer des MSV Duisburg. In einer zweijährigen Auszeit hat er sich weitergebildet, vor allem in England. Wegen Herzproblemen wechselte Kohler beim Drittligaklub VfR Aalen jedoch vom Sportplatz an den Schreibtisch.

Der schwäbische Verein steht auf einem Abstiegsplatz. Den Aufstieg hatte Kohler bei Amtsantritt im vergangenen Sommer als Saisonziel ausgegeben. Der Aufsichtsratsvorsitzende Johannes Moser verkündete unlängst eine Jobgarantie für Sportdirektor Kohler und Trainer Petrik Sander, die bei einem Abstieg in die Regionalliga hinfällig sein dürfte.

Littbarski in Liechtenstein

Der Abstieg Littbarskis mit dem FC Vaduz aus der Schweizer Super League ist so gut wie besiegelt, was aber für den Weltenbummler in dem kleinen Fürstentum nach Ansicht der Landeszeitung „Liechtensteiner Vaterland“ keine Konsequenzen haben wird. „Litti“, mit dem FC Yokohama japanischer und dem FC Sydney australischer Meister, war erst im Herbst 2008 von Saipa Teheran in die Puppenstube des europäischen Fußballs gewechselt. Zu klein: Der FC Vaduz hat gegen die mächtigen Schweizer Klubs keine Chance.

Was sagt diese negative Bilanz? Ein WM-Titel macht aus einem mit viel Talent gesegnetem Fußballprofi nicht automatisch einen hochqualifizierten Klubtrainer in Deutschland. Mit einem Pädagogik-Studium kann man dagegen ziemlich weit kommen. Siehe Udo Lattek und Ottmar Hitzfeld.

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