10.07.2007 · Die Sommerpause ist eine spannende Phase: Welcher Verein schafft es, die perfekte Mannschaft zusammenzustellen? Der Sozialpsychologe Rolf van Dick über Teambildung beim FC Bayern, die Größe der Kader und Extrawürste für Stars.
Keine Frage, die fußballfreie Zeit ist hart. Ohne Tore und Bundesligakonferenzen fehlt etwas, und trotzdem ist diese Phase in gewisser Weise die spannendste Zeit des Jahres. Fast täglich werden Transfers verkündet - die Liga verändert ihr Gesicht, Millionen fließen, Vorfreude kommt auf. Seit Wochen sind sie wieder unterwegs, die Bundesligamanager und Sportdirektoren. Welcher Verein schafft es, das perfekte Team zusammenzustellen?
Mehr als 100 Millionen Euro wurden bisher in neue Spieler investiert. Harmonieren die Fußball-Millionäre nicht, wird über die „Söldnertruppe“ geschimpft. Wie gründlich die jährliche Einkaufstour schiefgehen kann, haben in der vergangenen Saison sowohl der Hamburger SV als auch Borussia Dortmund gezeigt. Beide Vereine standen mit einem Bein in der zweiten Liga. Ein Gespräch mit dem Sozialpsychologen Rolf van Dick über die Tücken der Teambildung.
Bayern München hat ein neues Star-Ensemble zusammengestellt. Acht Profis sind gekommen, mindestens fünf Spieler verlassen den Verein. Sieht so eine vorbildliche Teamentwicklungsstrategie aus?
Vorbildlich ist dieser radikale Umbruch sicher nicht, aber zu Bayern München passt die Strategie. Andere Vereine würden mit so einem extremen Mannschaftsumbau den Ruin riskieren - man denke nur an die vergangene Saison des HSV. Die Bayern sind in dieser Hinsicht ein Ausnahmefall, denn diese extrem erfolgsorientierte Mannschaft ist ohnehin ständig im Wandel. Zudem sind die verpflichteten Spieler von so hoher Qualität, dass es nebensächlich ist, ob drei Neue kommen oder sieben. Das komplette Umfeld des Klubs verlangt nach exzellenten Spielern und Investitionen.
Geld spielte bei der Einkaufstour der Bayern keine Rolle. Besteht unter dieser Voraussetzung nicht die Gefahr, Spieler mit einer Söldnermentalität zu verpflichten?
Was ist so schlimm an Söldnern? Die Vereine agieren beim Transfer ähnlich rational wie die Spieler, beide Vertragspartner rechnen sich Profit aus. Wir leben nun mal in einer Welt, in der Leistung bezahlt wird. Solange Spieler und Verein das gleiche Ziel verfolgen, spricht wenig dagegen, einen hochprofessionellen, aber scheinbar emotionslosen „Söldner“ zu verpflichten, der Leistung bringt. Auf der anderen Seite stehen natürlich die Interessen der Fans, die vom Spieler die Identifikation mit dem Klub verlangen. Mehr als zwei Spieler mit einer ausgeprägten Söldnermentalität sind daher kaum zu integrieren.
Bundesligakader bestehen heute aus 20 bis 30 internationalen Profis. Ist so ein Team zu groß, um kontrollierbar zu sein?
Ja, das sind aus wissenschaftlicher Sicht definitiv zu viele Spieler für eine Mannschaft. Merkwürdigerweise unterliegen Führungspersonen quer durch verschiedenste Branchen dem Trieb, möglichst viele Mitarbeiter um sich zu scharen - das ist jedoch reines Prestigedenken. Theoretisch braucht ein Team gerade so viele Mitarbeiter, wie für die Lösung einer Aufgabe erforderlich ist.
Je größer das Team ist, desto mehr Auswahl hat der Trainer. Ist das Ziel so nicht leichter zu erreichen?
Der Trainer verliert bei dieser Anzahl an Spielern zwangsläufig den Überblick über die Talente und Qualitäten der Akteure. Seine kognitive Kapazität ist überfordert. Notwendig ist ein Kernteam von sieben bis acht Spielern, die sich mit dem Verein und seinen Zielen identifizieren. Ehemalige Jugendspieler sind prädestiniert für das Kernteam. Natürlich muss das Ganze durch Ergänzungsspieler, Spezialisten und internationale Stars aufgestockt werden.
Weniger ist auch im Fußball mehr?
Stimmt. Denken Sie mal an die Spieler. Profis brauchen Anerkennung, um ihr Potential auszuschöpfen. Es gibt nur einen großen Anerkennungskuchen. Je mehr Spieler im Kader sind, desto kleiner ist das Stück für den Einzelnen. Manager sollten häufiger die Spielerperspektive und die Fanperspektive annehmen. Fans brauchen Identifikationsfiguren, die dem Verein treu bleiben.
Manche Spieler verlangen ein besonders großes Stück vom Anerkennungskuchen. Oliver Kahn legte während der Saison einen Kurzurlaub in Südfrankreich ein. Sind solche Sonderrechte angemessen?
Hat das Team Erfolg, werden die Sonderrechte von den Mitspielern respektiert. Es ist auch absolut legitim, Schlüsselspielern spezielle Boni für außerordentliche Verdienste anzubieten. Dem Spieler wie auch der Mannschaft muss aber klar mitgeteilt werden, dass die Privilegien an besondere Leistungen geknüpft sind. Wenn der Spieler die Leistung nicht mehr bringt, müssen die Extrawürste konsequent gestrichen werden. Kleinere Formschwankungen zu bestrafen wäre aber falsch. Gerade Spieler, die im Rampenlicht stehen, haben einen extrem hohen Anspruch an ihre eigene Leistung und reagieren mit Verunsicherung, wenn es nicht mehr läuft. In so einer Situation braucht der Spieler zunächst Unterstützung, keine Sanktionen.
Wirken „Aggressiv Leader“ wie Mark van Bommel oder ein unberechenbarer „Vulkahn“ wie Oliver Kahn wirklich positiv auf eine Mannschaft?
Natürlich, die Fans und auch die Gegner reiben sich an solchen Charaktertypen. Sie machen doch die Faszination Bundesliga aus, diese Spieler bestimmen die Außenwirkung eines Vereins. Allerdings werden mehr als ein bis zwei Leitwölfe zu Störfaktoren, weil sie Konflikte innerhalb des Teams provozieren. Das Problem sind dann zu viele Häuptlinge und zu wenige Indianer. Wichtig ist zudem, dass die Individualisten immer wieder signalisieren, dass sie unbedingt den Erfolg des Teams wollen, nicht nur den persönlichen Ruhm. Oliver Kahn ist ein Paradebeispiel - er sagt in jede Kamera, dass er sich nur mit dem Titel zufriedengibt. Das macht er prima.
Was sind denn die Voraussetzungen für erfolgreiches Teamwork?
Absolut entscheidend ist das gemeinsame Ziel. Alle müssen wissen, wohin die Reise geht, sei es der Klassenerhalt oder die Champions League. Hauptsache, das Ziel ist anspruchsvoll und klar definiert. Wird dieses Ziel im Verlauf der Saison unrealistisch, muss es unbedingt angepasst werden, damit die Motivation hoch bleibt. Der BVB hat zum Beispiel viel zu lange am Ziel Uefa-Cup festgehalten und wäre daran fast zerbrochen. In Krisensituationen kann es hilfreich sein, immer wieder Teilziele anzuvisieren, etwa den Sieg gegen den Lokalrivalen.
Hertha BSC Berlin hatte in der vergangenen Saison ein ganz spezielles Problem: Eine Gruppe von Jungprofis mit Migrationshintergrund entwickelte eine Geheimsprache, um sich von den Kollegen abzugrenzen. Wie kann es dazu kommen?
Eine besonders heterogene Mannschaft mit Spielern aus unterschiedlichen Kulturkreisen und Altersgruppen hat Vor- und Nachteile. In Berlin waren die Nachteile in extremer Form zu sehen. Jeder Mensch mag Leute, die ihm ähnlich sind. Man versteht sich und bildet Gruppen. Bleibt diese Teamentwicklung unbegleitet, werden Unterschiede schnell als Problem gesehen. Es kommt zu einem Wir-sie-Denken, was sich dann zum Wir-ihr-Denken steigert. So etwas ist ungeheuer schädlich für ein Team. Es ist ein Mythos, dass Sport Unterschiede zwischen Gruppen auflöst - es sei denn, die Probleme werden erkannt und im Sinne eines in großen Unternehmen verbreiteten Diversity-Managements systematisch verarbeitet. Der Vorteil einer heterogenen Gruppe ist ein großes Kreativitäts-Potential.
Ailton und Marcelinho vs Effenberg und Ballack
Ralf Becker (mfoe)
- 10.07.2007, 15:09 Uhr
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |