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DFL-Supercup Schalker Schlankheitskur

24.07.2011 ·  Vierzehn Spieler sind weg - aber für neue Stars fehlt bei Schalke 04 das Geld. Auch die Prämie nach dem Gewinn des Supercups gegen den Meister Borussia Dortmund ändert daran nichts. Noch ist der vormals stark übergewichtige Patient nicht gesund.

Von Richard Leipold, Gelsenkirchen
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Geldnot ist beim FC Schalke 04 seit Jahren ein Dauerthema, das sich manchmal gar zu einer königsblauen Finanzkrise auszuweiten droht. So prekär wie etwa im Herbst 2009 erscheint die Lage des westfälischen Fußball-Bundesligaklubs aktuell zwar nicht, aber es reicht, um Ralf Rangnick einen Teil seiner Illusionen zu nehmen. In diesem Sommer bekommt der Trainer, der seit März wieder für Schalke arbeitet, zu spüren, wie begrenzt die Mittel sind, die für Investitionen in neues Personal zur Verfügung stehen. Daran vermag auch die Zusatzeinnahme nichts zu ändern, die dem DFB-Pokalsieger aus dem Spiel um den Supercup zufließt, das die Schalker am Samstag nach torlosen neunzig Minuten im Elfmeterschießen gegen Meister Borussia Dortmund 4:3 gewannen.

„Die Situation ist ernster, als ich dachte“, sagt Rangnick. Ähnlich hatte sich vor einem Jahr der damalige Trainer Felix Magath geäußert. Doch Magath war auch Manager des FC Schalke und ließ sich von Sparplänen des Aufsichtsrates in seiner offensiven Transferpolitik nicht beirren. Magath zettelte eine öffentliche Debatte an und setzte schließlich durch, dass er die zu erwartenden Einnahmen aus der Champions League schon vorab investieren durfte.

Sein Nachfolger Rangnick hatte gehofft, ähnlich mit dem Erlös aus dem Verkauf des Nationaltorhüters Manuel Neuer verfahren, also mehr als zwanzig Millionen Euro ausgeben zu können. „Das wäre auch normal“, sagte er. Aber was ist „auf“ Schalke schon normal? Eingenommenes Geld sofort in die Mannschaft investieren zu können jedenfalls nicht. Der Klub sieht sich gezwungen, den lange angekündigten Abbau der Schulden - im Konzern sind es noch immer 216 Millionen Euro - endlich stärker voranzutreiben.

Der übergewichtigte Patient ist noch nicht gesund

Vor zwei Wochen suchte Clemens Tönnies, der Chef des Aufsichtsrates, gemeinsam mit den Vorstandsmitgliedern Horst Heldt und Peter Peters den Trainer in seiner Kabine auf. Das Trio machte Rangnick unmissverständlich klar, er müsse seine personellen Ansprüche zurückschrauben - es sein denn, das Management könne noch erhebliche Erlöse erzielen, etwa durch den Verkauf von Stars wie Huntelaar oder Jurado, die im ersten Jahr bei Schalke nicht den Eindruck hinterlassen hatten, unentbehrlich zu sein; auch der zuletzt ausgeliehene Jermaine Jones bekäme die Freigabe, wenn ein angemessenes Angebot für ihn einginge. Solange aber keine außerordentlichen Einnahmen zu erzielen sind, stehen für Ablösezahlungen dem Vernehmen nach nur etwa acht bis zehn Millionen Euro zur Verfügung.

Seinen Wunschstürmer Papiss Demba Cissé dürfte Rangnick also nicht bekommen. Der SC Freiburg fordert angeblich fünfzehn Millionen Euro für den Angreifer, der in der vergangenen Bundesliga-Saison den zweiten Platz der Torschützenliste belegte. Und auch Nolan Roux von Stade Brest ist Schalke (noch) zu teuer; der französische Stürmer soll acht Millionen Euro kosten. „Wenn wir einen Spieler für sechs bis acht Millionen Euro verpflichten, dann gibt es keine Möglichkeit, noch etwas anderes in dieser Dimension zu machen“, sagt Rangnick. Im Gegensatz zu Magath vor einem Jahr lenkt Rangnick, zumindest offiziell, jedoch ein, mag er sich über den begrenzten Handlungsspielraum noch so ärgern. „Ein Trainer muss immer mit den Mitteln zurechtkommen, die vorhanden sind.“ Andererseits gibt er seine Position nicht endgültig auf. „Unsere Personalplanungen sind noch nicht abgeschlossen“, sagt Rangnick und meint eindeutig den Einkauf.

Schalke hat in diesem Sommer deutlich mehr Spieler abgegeben (vierzehn!) als neu unter Vertrag genommen. Eine Schlankheitskur war wegen Magaths hyperaktiven Verhaltens auf dem Transfermarkt unumgänglich, bedeutet aber noch nicht, dass der vormals stark übergewichtige Patient schon gesund ist. Risiken und Nebenwirkungen von Personalentscheidungen sind weiter zu beachten. „Wir müssen genau überlegen, was wir tun“, sagt Rangnick. „Wir dürfen jetzt nichts falsch machen.“

FC Schalke 04 - Borussia Dortmund 4:3 i.E. (0:0)
FC Schalke 04: Fährmann - Höger, Papadopoulos, Höwedes, Fuchs - Matip, Baumjohann (89. Edu) - Draxler (46. Jurado), Raúl, Holtby - Huntelaar (69. Moravek)
Borussia Dortmund
: Weidenfeller - Piszczek, Felipe Santana, Hummels, Löwe (77. Leitner) - Gündogan, Kehl (75. Bender) - Götze (75. Perisic), Kagawa, Großkreutz - Lewandowski
Schiedsrichter
: Kircher (Rottenburg) - Zuschauer: 61.673 (ausverkauft)
Elfmeterschießen
: 0:1 Gündogan, 1:1 Holtby, 1:2 Hummels, 2:2 Edu, Großkreutz gehalten, 3:2 Höwedes, 3:3 Leitner, 4:3 Jurado, Perisic gehalten
Gelbe Karten
: Baumjohann / Großkreutz

Quelle: F.A.S.
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