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DFL-Präsident Rauball im Gespräch : „Wollen wir dramatische Veränderungen?“

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Rauball: Wie will Chelsea die Schulden abbauen, wenn Abramowitsch sagt, ich will nicht mehr? Bild: dpa

Die meisten Vereine stehen nach Einschätzung von Reinhard Rauball einer stärkeren Öffnung der Bundesliga für den Kapitalmarkt skeptisch gegenüber. „Im Moment gibt es für eine Änderung keine Mehrheit“, sagte der Liga-Präsident im F.A.Z.-Interview.

          Die meisten Vereine stehen nach Einschätzung von Reinhard Rauball einer stärkeren Öffnung der Bundesliga für den Kapitalmarkt skeptisch gegenüber. „Im Moment gibt es für eine Änderung keine Mehrheit“, sagte der Liga-Präsident im F.A.Z.-Interview.

          Sie haben sich vergangene Woche mit Martin Kind getroffen, dem Präsidenten von Hannover 96, um über Fortbestand oder Veränderung der Regel 50+1 zu sprechen. Also darüber, dass der Verein in einer Kapitalgesellschaft der Bundesliga stets mindestens 50 Prozent plus eine Stimme der Stimmrechtsanteile halten muss. Kind plädiert für einen Wegfall dieser Bestimmung, damit künftig Investoren in größerem Stil als bisher in der Bundesliga agieren können. Was kam bei der Diskussion heraus?

          Wir haben festgestellt, dass es nicht so einfach ist, eine Lösung zu finden. Nach dem Motto, wir brauchen uns nur zu öffnen,und dann schwemmt das ganze Geld in die Liga, kommt man nicht weiter. Wir sind so verblieben, dass wir eine Arbeitsgruppe gebildet haben: Da ist Herr Kind drin, Hannovers Anwalt Christoph Schickhardt und von unserer Seite Christian Seifert, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball-Liga (DFL), ein Vertreter der juristischen Abteilung der DFL und des Deutschen Fußball-Bundes (DFB). Anfang des Jahres wird das Thema in der Arbeitsgruppe erörtert.

          Dass Herr Kind, auch Wolfgang Holzhäuser, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Fußball-GmbH von Bayer Leverkusen, einen Wegfall der alten Regelung wollen, ist bekannt. Was steht dem möglicherweise entgegen?

          Wir müssen uns eine Reihe von Fragen stellen. Inhaltlich müssen wir darüber nachdenken, ob die Vorteile überwiegen oder ob die Nachteile doch so gravierend anmuten, dass man es nicht machen sollte. Formal müssten, um eine Änderung zu beschließen, die Statuten geändert werden. Dafür ist eine Zweidrittelmehrheit notwendig im Ligaverband. Außerdem müsste die Satzung des Deutschen Fußball-Bundes mit dem gleichen Quorum geändert werden. Falls man die Möglichkeit herbeiführte, Investoren mit einer größeren Einflussmöglichkeit als bisher in der Bundesliga mitbestimmen zu lassen, müsste außerdem jeder Verein für sich noch einmal entscheiden, ob er sich für Investoren öffnen will oder nicht.

          Täte eine solche Öffnung dem deutschen Fußball gut - und wäre eine Analogie zur englischen Premier League zulässig?

          Ich bin mir nicht sicher, ob man die englischen Verhältnisse umstandslos auf die deutschen übertragen kann. Wir haben bei uns über Jahrzehnte eine eigene Philosophie, eine eigene Plattform für den Profifußball entwickelt. Sollte man die von heute auf morgen über Bord werfen? Und welche Rolle spielten Investoren, die dann die Vereine lenken könnten? Zu diesem Thema planen wir im nächsten Frühjahr einen runden Tisch, an dem neben Vertretern der Vereine und der DFL auch Finanzinvestoren säßen und Fachleute, die darüber Auskunft geben könnten, welche Begehrlichkeiten bei einer Aufgabe von 50+1 vielleicht geweckt werden könnten. Erst danach werden wir den Ligavorstand und anschließend die Mitgliederversammlung der Ligavereine mit diesem Thema konfrontieren in Form einer ergebnisoffenen Diskussion. Ich persönlich habe den Eindruck, dass es im Moment für eine Änderung der Bestimmung keine Mehrheit gibt.

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