24.05.2008 · Von der Spielzeit 2009/10 an wird es fünf verschiedene Anstoßzeiten in der Bundesliga geben. DFL-Boss Reinhard Rauball begründet im Interview die unpopulären Neuerungen mit sportlichen wie wirtschaftlichen Zwängen.
Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) hat eine Spielplanreform beschlossen. Von der Spielzeit 2009/10 an werden die neun Bundesligaspiele deutlich mehr auseinander gerissen als bisher. Während es bislang lediglich drei verschiedene Anstoßzeiten an einem regulären Bundesligawochenende gab, wird künftig zu bis zu fünf verschiedenen Zeiten angepfiffen. Die Zweitligaspieler müssen zudem sonntags bereits um 12.30 Uhr ran (Siehe: Bundesliga-Spielplan: Acht Spiele des Monats - Zweite Liga um 12.30 Uhr).
Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes DFL, begründet die unpopulären Neuerungen im Gespräch mit sportlichen wie wirtschaftlichen Zwängen. Der 61 Jahre alte Jurist trat Anfang August 2007 nach der Generalversammlung der 36 Profiklubs die Nachfolge von Wolfgang Holzhäuser an. Darüber hinaus wurde er im vorigen November in seinem Amt als Präsident des Fußball-Bundesligaklubs Borussia Dortmund bestätigt.
Die Fans werden sich in Zukunft an einen anderen Spielplan gewöhnen müssen. Was hat die Liga zu diesem Schritt bewogen?
Zum einen sportliche Gründe. Wie beispielsweise bei der Einführung des dritten Sonntagsspiels, das aufgrund der zunehmend zahlreichen Uefa-Cup-Spiele mit deutscher Beteiligung am Donnerstag nötig wurde. Oder bei dem Entschluss für ein 'Spiel des Monats' am Samstag, das nach Länderspielen zusätzliche Erholungszeit bieten soll. Darüber hinaus haben natürlich auch - und es wäre töricht, das zu verschweigen - Vermarktungsaspekte eine Rolle gespielt. Die Fernseheinnahmen sind ein gravierender Eckpfeiler zur Finanzierung des Profi-Fußballs. Es ist dabei natürlich schwierig, es allen recht zu machen. Um den größten gemeinsamen Nenner zu finden, haben wir dieses Modell gewählt. Wir sind sicher, dass es greift.
Der Sonntag gilt als Tag der Familie und des Amateurfußballs. Macht es deshalb Sinn, drei Bundesligaspiele am Sonntag auszutragen?
Erlauben Sie mir den Hinweis auf die Verhältnisse im Ausland. Wir haben sechs verschiedene Anstoßzeiten allein in der Premier League; in Spanien gibt es vier. Die Italiener haben auch zwei Spiele am Samstag- und am Sonntagabend. Die sind auch sehr familienfreundlich, dennoch hat sich das dort eingependelt. Zudem gab es Klagen von Uefa-Cup-Teilnehmern über zu kurze Regenerationszeiten. Hätten wir das alte Muster beibehalten, wäre das Problem kaum zu lösen gewesen.
Dennoch haben einige Vertreter von Amateurvereinen Unverständnis geäußert. Wird der Graben zwischen Amateur - und Profifußball größer?
Dieses Modell haben wir vorher in einem Gespräch mit dem Präsidenten und dem Generalsekretär des DFB besprochen. Der DFB ist sehr kooperativ in dieser Frage und überlässt der Liga in diesem Punkt die Vorreiterrolle. Wir waren bei Treffen mit Amateurvereinen. Dabei haben wir mehr Zustimmung bekommen, als wir erwartet haben. Hinzu kommt, dass nur noch ein gutes Drittel aller Amateurspiele am Sonntag stattfindet. Im Übrigen - und das ist weithin nicht bekannt - profitiert auch der DFB über den Grundlagenvertrag mit drei Prozent von den Medien-Einnahmen der Liga.
Wie kommentieren Sie die Kritik an den frühen Anstoßzeiten in der zweiten Liga am Sonntag um 12.30 Uhr?
Es gab bei der Informationsveranstaltung, bei der die DFL den Spielplan und die Verwertungsszenarien vorgestellt hat, nicht eine einzige kritische Stimme. Die zweite Liga hat schließlich einige Vorteile von dem neuen Spielplan-Modell. Das Montagsspiel bleibt unangetastet, es gibt ein zusätzliches Live-Spiel am Samstag - und vor allem werden anders als in anderen europäischen Ländern zeitliche Überlappungen mit der Spitzenliga vermieden.
Kommerzielle Gründe haben bei der Neugestaltung des Spielplans die größte Rolle gespielt. Wird die Rechnung aufgehen?
Vermarktungsgesichtspunkte haben eine wichtige, aber nicht die alleinige Rolle gespielt - so sollte man es wohl formulieren. Dass der neue Spielplan ebenso wie die Verwertungsszenarien für interessierte Medien-Unternehmen hochattraktiv sind, davon sind wir überzeugt. Das liegt auch am neuen Vermarktungsmodell. Sender und Infrastruktur-Betreiber wie Kabel-Anbieter können nun ohne große Vorab-Investitionen ein fertigproduziertes Programm erwerben. Hinzu kommt, dass sich Unternehmen, die sich nicht das ganze Paket leisten können, die Chance erhalten, sich für attraktive Einzelpakete wie beispielsweise das Samstagabendspiel zu bewerben. Wir schaffen damit Wettbewerb - ganz im Sinne des Bundeskartellamts. Es liegen bereits 200 Interessenbekundungen vor.
Welchen Einfluss hat Leo Kirch bei der Erstellung des Spielplans genommen?
Gar keinen. Natürlich spricht und kooperiert man mit Vertragspartnern. Aber in den Spielplan redet der Liga niemand rein.
Müssen die Fans fürchten, dass es die ARD-Sportschau in der bisherigen Form bald nicht mehr gibt?
Das wird die Ausschreibung entscheiden. Klar ist aber: All jene, die es sich nicht leisten können, Geld für das Pay-TV auszugeben, haben bei einem Aus für die zeitnahe Zusammenfassung am Samstag die Möglichkeit, mindestens 18 Live-Spiele pro Jahr im Free-TV zu sehen. Hinzu käme eine Mini-Sportschau mit bis zu vier Begegnungen am Sonntag, von welchem Free-TV-Sender auch immer sie gezeigt wird. Der Ball liegt jetzt im Vorgarten der ARD. Die ARD kann mit einem entsprechenden Gebot unter Beweis stellen, was ihr die Sportschau wert ist. Es ist also nicht ausgeschlossen, dass es die ARD- Sportschau am frühen Samstagabend weitergibt.
Aber warum soll die ARD mehr Geld für weniger Spiele geben?
Wir konnten früher für eine Million Euro einen Weltklassespieler verpflichten, heute muss man dafür 20 Millionen Euro hinlegen. So wie sich der Spielermarkt weiterentwickelt hat, haben sich auch das Produkt Bundesliga und der TV-Markt weiterentwickelt. Es steht außer Frage, dass die Bundesliga ein hochattraktives Premiumprodukt ist.
Wo liegen die Grenzen der Kommerzialisierung? Wie groß ist die Gefahr, in den Ruf der Geldgier zu geraten?
Das Wort Geldgier möchte ich so nicht stehen lassen. Wir reden über ein Produkt, das im Markt unter Wettbewerbsbedingungen angeboten wird. Es ist nicht sittenwidrig, das auszureizen. Aber es gibt Grenzen. Ich habe mit ziemlicher Enttäuschung das Urteil des Landgerichts in Hannover verfolgt, wonach demnächst auch auf Hosen Werbung getragen werden darf. Wir müssen verhindern, dass kickende Litfass-Säulen die Punktspiele bestreiten.
Aber es wird bereits über weitere Erlösmöglichkeiten wie der Vermarktung des Liganamens nachgedacht ...
Wir waren in Deutschland bisher im Grundsatz außerordentlich konservativ. Wir haben weder einen Liga-Sponsor noch einen einheitlichen Ligaball. Gleichzeitig haben wir die niedrigsten Eintrittspreise aller Top-Ligen in Europa und verfügen über die modernste Stadion-Infrastruktur. Ich vertrete daher die Auffassung: Wir haben das konservativste System, was es in Europa gibt. Wohlüberlegt ausgewählte Entwicklungen nachzuholen, die in anderen Ländern längst Usus sind, hat daher nichts mit Geldgier zu tun.
Wie zuversichtlich sind Sie, dass das Kartellamt der zentralen Vermarktung zustimmt?
Wir sind in einem lautlosen Dialog mit dem Kartellamt. Unser Zeitdruck ist dort bekannt. Es gibt in Europa in 16 von 19 Ländern die Zentralvermarktung. Zwei weitere überlegen, auch die zentrale Vermarktung einzuführen. Das Europäische Parlament hat in der vorigen Woche außerordentlich positive Signale ausgestrahlt. Das alles stimmt uns optimistisch, dass wir eine Lösung im Sinne unserer Clubs bekommen.
Was passiert, wenn das Kartellamt nicht in Sinne der DFL entscheidet? Gibt es einen Plan B?
Sie können sicher sein, dass es bei Ligaverband und DFL grundsätzlich bei sämtlichen Themen von Bedeutung - auch jenseits von der Vermarktungsthematik - Alternativüberlegungen gibt. Auch wenn diese niemals zum Tragen kommen. Wir sind aber weiter fest davon überzeugt, dass wir nicht in einer Sackgasse landen und unser innovatives Vermarktungskonzept umsetzen können. Für alles andere gibt es keine Anhaltspunkte.
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 21 | 32 | 46 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 21 | 35 | 44 | ![]() |
| 3. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 21 | 22 | 43 | ![]() |
| 4. | ![]() |
FC Schalke 04 | 21 | 18 | 41 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Werder Bremen | 21 | -1 | 33 | ![]() |
| 6. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 21 | 0 | 31 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 21 | -2 | 31 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 21 | -11 | 27 | ![]() |
| 9. | ![]() |
VfB Stuttgart | 21 | 3 | 26 | ![]() |
| 10. | ![]() |
Hamburger SV | 21 | -8 | 26 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 21 | -2 | 25 | ![]() |
| 12. | ![]() |
1. FC Köln | 21 | -12 | 24 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 21 | -6 | 23 | ![]() |
| 14. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 21 | -12 | 22 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hertha BSC | 21 | -11 | 20 | ![]() |
| 16. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 21 | -11 | 18 | ![]() |
| 17. | ![]() |
FC Augsburg | 21 | -14 | 18 | ![]() |
| 18. | ![]() |
SC Freiburg | 21 | -20 | 17 | ![]() |