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DFB Präsident Zwanziger erwägt Rücktritt

Theo Zwanziger setzt sein Amt als Präsident des Deutschen Fußballbunds (DFB) aufs Spiel. Der erste Mann im Verband macht sein Schicksal abhängig vom Ende seines Rechtsstreits mit einem Journalisten.

© dpa Vergrößern DFB-Präsident Zwanziger: „Wenn die Diffamierung meiner Person auf diese Art möglich ist, dann hat das Amt des DFB-Präsidenten jede Faszination für mich verloren”

Der Anlass war ganz harmlos. Theo Zwanziger, der Präsident des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), wollte auf dieser Pressekonferenz lediglich Bilanz ziehen für das Jahr 2008. In einem dreiviertelstündigen Monolog bekundete er am Montag seine große Zufriedenheit mit den sportlichen Leistungen der verschiedenen Nationalmannschaften, betonte die soziale Verantwortung, die der Fußball für die Gesellschaft habe, und erwähnte seine Sorgen über die wirtschaftliche Rezession, die auch seinen Verband treffen werde.

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Auf Nachfrage erläuterte Zwanziger dann seine distanzierte Haltung im Konflikt zwischen Bundestrainer Löw, Manager Bierhoff und Nationalmannschaftskapitän Ballack: „Ich bin nicht der Schulmeister oder das Aufsichtsorgan für die Nationalspieler. Ich gebe gerne Ratschläge, aber in die sportliche Hierarchie werde ich öffentlich nicht eingreifen.“ Zwanziger behandelte alle Themen so, wie er es in seiner vierjährigen Amtszeit oft getan hat: umsichtig, überlegt, konziliant, mit einem Blick für das große Ganze, über das Fußballspezifische hinaus. Eine Haltung, die ihm viel öffentliches Lob eingebracht hat.

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Rücktritssdrohung Zwanzigers

Dann aber, am Ende des harmonischen Mittags, erschreckte Zwanziger alle Anwesenden mit einer persönlichen Anmerkung, mit der er das Jahr beschließen wollte: „Ich werde meine persönliche Ehre nicht auf dem Altar des Amtes opfern.“ Der DFB-Präsident stellte die unverhohlene Rücktrittsdrohung in Zusammenhang mit der Auseinandersetzung, die er seit Monaten mit dem Wandlitzer Journalisten Jens Weinreich führt.

Der ehemalige Sportchef der „Berliner Zeitung“ hatte Ende Juli in dem Internet-Blog direkter-freistoss.de Präsident Zwanziger unter anderem als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet. Zwanziger las am Montag noch einmal die Formulierungen Weinreichs vor, gegen die er seit September gerichtlich vorgeht. Das Amtsgericht Berlin jedoch wies den Antrag auf Einstweilige Verfügung gegen Weinreichs Aussagen am 9. September zurück, ebenso die folgende Beschwerde am 30. September. Das Kammergericht Berlin bestätigte am 10. Oktober die Entscheidungen des Landgerichts, das die Meinungsfreiheit in diesem Fall höher einschätzte als eine mögliche Ehrverletzung. (siehe auch: Jens Weinreichs Blog)

Zwanziger koppelt Schicksal an Urteil

Doch für Zwanziger war die Causa damit nicht beendet, sie ist es bis heute nicht. In einer Pressemitteilung versuchte der DFB, Stimmung für Zwanziger und gegen Weinreich zu machen. Dagegen ging wiederum der Journalist vor. Am 25. November untersagte das Landgericht Berlin dem DFB unter anderem, weiter zu behaupten, Weinreich habe den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger ohne Anlass als „unglaublichen Demagogen“ bezeichnet.

Daraufhin kündigte der DFB eine Klage im sogenannten Hauptsacheverfahren an, um zu klären, ob der Journalist Jens Weinreich „im Rahmen der Presse- und Meinungsfreiheit einen berechtigten Grund hatte, Dr. Zwanziger als ,unglaublichen Demagogen‘ zu diffamieren oder ob er damit die persönliche Ehre des DFB-Präsidenten verletzt hat.“ Zwanziger kündigte am Montag unmissverständlich die Konsequenz an, falls das zuständige Gericht zu einer anderen Ansicht komme als er: „Wenn die Diffamierung meiner Person auf diese Art möglich ist, dann hat das Amt des DFB-Präsidenten jede Faszination für mich verloren.“ Zwanziger sagte jedoch auch, dass er ein Urteil in seinem Sinne erwarte. Es handele sich in Weinreichs Beitrag um eine „klassische Schmähkritik“, die ehrverletzend sei. „Im Grundgesetz wird nicht nur das Gut der Pressefreiheit festgelegt, sondern auch, dass sie an der Grenze zur persönlichen Ehre endet“, sagte Zwanziger.

Der Präsident beharrt auf seinem Weg

Dass schon drei Urteile seiner Ansicht widersprechen, Weinreichs Formulierungen seien ehrverletzend, irritiert Zwanziger nicht. Er ist optimistisch, diesmal Recht zu behalten. „Die einstweiligen Verfügungen waren schlecht vorbereitet. Da wurde nur der bloße Begriff geklärt.“ Diesmal würden die Bezüge und die Zusammenhänge hergestellt. Dafür werde er selbst sorgen: „Ich werde wesentliche Inhalte der Anklageschrift mitgestalten“, kündigte Zwanziger an. Der DFB-Präsident ist Jurist, war unter anderem fast sechs Jahre lang Verwaltungsrichter in Koblenz. Anwaltlich vertreten lässt er sich in dem Verfahren von Christian Schertz, dem DFB-Anwalt für Medienrecht.

Mit ihm stimmt der DFB-Präsident an diesem Dienstag sein weiteres Vorgehen ab. Ob dieser ganze Aufwand gerechtfertigt sei, wurde Zwanziger gefragt, ob er sein Amt nicht besser schützen solle, statt seine Position von einem Gerichtsurteil abhängig zu machen: „Das wäre politisches Taktieren, das tue ich nicht, da kennen Sie mich schlecht. Ich habe in meinem Leben schon zweimal in ähnlichen Situationen gestanden und gegen allen Rat Prozesse geführt, und ich habe sie gewonnen.“

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 08.12.2008, 20:21 Uhr

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