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DFB-Präsident Theo Zwanziger „Ich wünsche mir 16 Klinsmänner“

08.09.2006 ·  Der neu gewählte DFB-Präsident Theo Zwanziger spricht im F.A.Z.-Interview über ungeteilte Macht, die Auswirkungen der WM und Gerhard Mayer-Vorfelder. „Eine innige Freundschaft ist da nicht entstanden“, beschreibt Zwanziger das Verhältnis zu seinem Vorgänger.

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DFB-Präsident Theo Zwanziger spricht im F.A.Z.-Interview über ungeteilte Macht, die Auswirkungen der WM und Gerhard Mayer-Vorfelder. „Eine innige Freundschaft ist da nicht entstanden“, beschreibt Zwanziger das Verhältnis zu seinem Vorgänger. Beim DFB-Bundestag wurde Zwanziger am Freitag ohne Gegenstimme bei einer Enthaltung zum Nachfolger von Mayer-Vorfelder gewählt, der nach fünf Jahren im Amt wie vereinbart nicht mehr kandidiert hatte (Siehe auch: Fußball: Zwanziger ist neuer DFB-Präsident).

Werden Sie sich demnächst einsam fühlen?

Wieso?

Weil Ihnen doch Ihr Partner abhanden kommt, Gerhard Mayer-Vorfelder, Ihr Ko-Präsident an der Spitze des Deutschen Fußball-Bundes (DFB).

Einsam würde ich mich dann fühlen, wenn Herr Mayer-Vorfelder mein einziger Bezugspunkt gewesen wäre. Es sind ja noch immer viele andere Freunde und Kollegen da, mit denen ich sehr gern zusammenarbeite. Generalsekretär Horst R. Schmidt war und ist weiter mein wichtigster Partner beim DFB. Wolfgang Niersbach kommt nach seinen Jahren als Vizepräsident im WM-Organisationskomitee wieder dazu. Darüber hinaus sind so viele mir vertraute Persönlichkeiten im Präsidium und im Vorstand des DFB, daß es mir überhaupt nicht einsam werden kann.

Wie beurteilen Sie denn beim Blick zurück auf zwei Jahre des Miteinanders, Nebeneinanders, manchmal auch Gegeneinanders mit Mayer-Vorfelder Ihre Erfahrungen in dieser großen Koalition?

Das kann nur ein Ausnahmemodell sein - auf Zeit, in einer ungewöhnlichen Situation. Sonst geht das nicht, weil die Konfliktfelder, die sich daraus ergeben können, einen derart in der Öffentlichkeit stehenden Sportfachverband wie unseren mehr belasten als ihm nützen.

Ziehen Sie damit eine alles in allem positive Bilanz zum Ende der in der Öffentlichkeit stets bestenfalls skeptisch beurteilten Doppelspitze?

Mit der damaligen Entscheidung bin ich im nachhinein sehr zufrieden. Auch die Erfahrungen, die ich in der Zeit gemacht habe, waren nicht schlecht.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Mayer-Vorfelder ausgangs zweier schwieriger Jahre?

Offen und vertrauensvoll. Eine innige Freundschaft aber ist da nicht entstanden. Das hat er nicht gewollt, und ich habe es auch nicht gewollt. Wir sind zwei unterschiedliche Charaktere. Mein Denken ist sehr viel mehr auf den gemeinnützigen Sport ausgerichtet, er kommt aus dem professionellen Fußball.

Es hat manchmal den Anschein, als ob Ihre jüngeren Mitarbeiter Oliver Bierhoff, Teammanager der Nationalmannschaft, und Matthias Sammer, DFB-Sportdirektor, vor allem auf ihre Kompetenzen bedacht wären, statt um die Sache zu ringen.

Ich bremse da niemand öffentlich und schon gar nicht im Sinne der sogenannten Machtworte. Ich versuche nur mit meiner Erfahrung, diesen erfolgreichen ehemaligen Nationalspielern bei ihren Verbandsaufgaben ein bißchen zu helfen. Manchmal wäre es sinnvoll, sie telefonierten erst miteinander, ehe der eine tatsächliche oder vermeintliche Aussagen des anderen in der Öffentlichkeit kommentiert. Die beiden sind neben dem Bundestrainer die wichtigsten sportlichen Persönlichkeiten des DFB, die für Kontinuität in der Entwicklung des Sports stehen. Öffentliche Diskussionen über Kompetenzen ergeben keinen Sinn, weil sie beide genügend Kompetenz haben. Mein Vertrauen zu beiden und zu ihrem Zusammenwirken ist sehr stark. Ich versuche auf meine Weise, dem DFB neben der starken Administrative ein sportliches Gesicht zu geben. Und dabei sind Leute gefragt, die im Fußball schon Großes erreicht haben - wie Bierhoff und Sammer.

Vermissen Sie Jürgen Klinsmann?

Ich habe in meiner Einschätzung über ihn geschwankt. Anfangs dachte ich, er handelt so, wie er es nach der WM getan hat. Dazwischen aber hatte ich doch gehofft, er bliebe unser Bundestrainer. Es hat sich dann doch gezeigt, daß er ein Projektarbeiter ist und nicht Kontinuität und langfristige Anbindung an eine Aufgabe sucht. Jetzt macht er eine kurze Pause, sein Marktwert steigt, und dann wird er ein neues Projekt in Angriff nehmen. Für ihn ist das augenscheinlich reizvoller als der Alltag in einem Verband. Ich vermisse ihn ein bißchen. Ich habe ihm vor kurzem zu seinem Geburtstag einen, wie ich hoffe, aufmunternden Brief geschrieben und ihm noch einmal für alles gedankt, was er geleistet hat. Ein bißchen Klinsmann müssen wir hierbehalten.

Wo sind Ihre Reformprojekte innerhalb des Verbandes verortet?

Wir müssen den Schub der WM an die Basis bringen und ihn auch international nutzen. Durch Franz Beckenbauer haben wir ein international hohes Standing, das Deutschland in der Welt nie hatte. Durch die WM und das Ansehen, das wir uns damit erworben haben, sind wir geradezu verpflichtet, uns international zu positionieren. Zum Beispiel in der Entwicklungshilfe. Wir werden in Zukunft hier noch deutlicher Flagge zeigen. Nach innen ist das genauso. Wir müssen stärker auf die Schulen zugehen. Wir müssen das Bewußtsein für den Fußball gerade jetzt sichtbar machen. Wir stellen vierzig Mitarbeiter aus dem OK für die Bildung von Schulpartnerschaften zur Verfügung. Auch Integrationsprojekte oder die Fanarbeit inklusive der Unterstützung von Fanzentren sollen vorangetrieben werden. Wenn wir diese Brücke stabiler machen können, ist die Verbindung da zwischen dem DFB mit seinen sechs Millionen Mitgliedern, der Bundesliga, den 26.000 Vereinen und allen, die sich dem Fußball zurechnen.

Spielt da die Politik mit?

Die Politiker waren ja alle da bei der Weltmeisterschaft. Sie haben alle erlebt, welche gemeinschaftsbildende Kraft der Fußball hat. Es ist an der Zeit, das da umzusetzen, wo die Amtsstuben der Kultusministerien beginnen. Ich wünsche mir für unsere 16 Bundesländer 16 Klinsmänner, die in ihren Sportministerien dafür werben, was der Fußball ist und bedeuten kann. Wir sind unter Einschluß hochkarätiger Politiker aus allen Parteien dabei, ein Gremium einzurichten zur Förderung des Fußballs in den Schulen. Wir wollen, daß die Erkenntnisse aus dem Ereignis WM nicht wieder in Vergessenheit geraten. Ich werde da sehr beharrlich sein.

Das Gespräch führte Roland Zorn.

Das gesamte Interview lesen Sie in der F.A.Z. vom 8. September 2006

Quelle: F.A.Z.
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