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Veröffentlicht: 22.02.2010, 15:38 Uhr

DFB Der Zickzack-Zwanziger

Erst der Vertragsstreit mit dem Trainerstab, dann der Fall Amerell: Das Krisenmanagement des DFB leidet unter einem Problem. Präsident Theo Zwanziger hält sich mitunter für wichtiger als seinen Verband.

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© REUTERS In der Kritik: DFB-Präsident Theo Zwanziger

Es gibt Momente, da kann sich der Deutsche Fußball-Bund (DFB) keinen besseren Präsidenten als Theo Zwanziger wünschen. Die Trauerfeier im vergangenen November für Robert Enke war ein solcher Moment. Vor Innenminister de Maizière und Ministerpräsident Wulff trat der DFB-Präsident an das Mikrofon, und er fand im Stadion von Hannover mit traumwandlerischer Sicherheit genau die Worte, nach denen ein trauerndes Fußballland verlangte (siehe: Kommentar zur Trauerfeier: Ein Stück mehr Gemeinsamkeit) . Wenige Tage zuvor war Zwanziger mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden für seinen vorbildlichen Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit und Diskriminierung geehrt worden. Der DFB-Präsident war nach mehr als fünfzig Jahren der erste Preisträger aus dem Sport, und er sah sich aufgenommen in die erste Reihe des Staates mit Bundespräsidenten und Bundeskanzlern: von Weizsäcker, Herzog, Rau, Kohl, Merkel - Zwanziger. Höhere Weihen kann ein Fußball-Präsident nicht empfangen.

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Aber nur wenige Monate später reiht Zwanziger einen Fehltritt an den nächsten. Nur wenige Tage nach dem Desaster in Sachen Vertragsverlängerung mit dem Bundestrainer versagt Zwanziger auch im „Fall Amerell” in atemberaubender Weise. Es ist mehr als nur eine Formkrise, die den Präsidenten im WM-Jahr befallen hat. Es taucht eine altbekanntes Phänomen auf, das unter Zwanziger beim DFB eigentlich als erledigt galt: das Führungsproblem.

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Das Krisenmanagement im „Fall Amerell“ hat das Zeug, einen Tiefstand in der Ära Zwanziger zu markieren. Am Donnerstag erklärte der Präsident die Angelegenheit höchstpersönlich für „abgeschlossen”. Nur drei Tage später hielt sich der Zickzack-Zwanziger selbst nicht mehr an die eigene Verordnung. Er legte im Fall des von allen Ämtern zurückgetretenen ehemaligen Bundesliga-Schiedsrichters - dem vorgeworfen wird, mehrere Unparteiische sexuell belästigt zu haben - selbst nach. „Die kolportierte Zahl von vier Betroffenen ist falsch. Es sind mehr“, sagte er in einem Interview mit der „Welt“. Auch die Gegenseite blieb nicht untätig. Nach den internen DFB-Ermittlungen wird sich nun wohl im März auch die Justiz mit der Angelegenheit befassen. Amerell will vor Gericht.

Theo Zwanziger © APN Vergrößern Wachsende Beratungsresistenz bei Theo Zwanziger

Zwanzigers untauglicher Versuch, den eigenen Wunsch zur Wirklichkeit umzudeuten, sorgte im deutschen Fußball in dieser Woche wieder einmal für Verwunderung. Eine Sache „von oben herab“ für beendet zu erklären sei doch arg fragwürdig, befand Karl-Heinz Rummenigge, der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern. „Was der DFB im Moment auf seiner Kommunikationsschiene macht, finde ich irritierend.“

Eitelkeit des Präsidenten

Schon im Verlauf der Affäre wurde deutlich, dass sich der Umgang Zwanzigers mit der „Causa Amerell“ zu einer neuen Belastung für den DFB auswächst. Zur Lage passte eine ausufernde Presseerklärung, in der die Eitelkeit des Präsidenten in den Mittelpunkt rückte. Erst wurde darin festgestellt, dass DFB-Vizepräsident Koch, der wegen unzureichender Einbindung von seiner Zuständigkeit für das Schiedsrichterwesen zurückgetreten war, das „Vorgehen des Präsidenten nicht beanstande“. Erst ganz am Ende, als sich Zwanziger entsprechend positioniert fühlte, konnte es dann wieder um die Sache gehen: die vom DFB geplanten Neuordnung des Schiedsrichterwesens.

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