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Deutsche Fußball Liga Der permanente Aufbruch zahlt sich aus

28.05.2009 ·  Die Deutsche Fußball Liga trotzt der Weltwirtschaftskrise und freut sich über schwarze Zahlen. Mit diversen Maßnahmen soll es in positiver Richtung weitergehen. Dafür muss auch das Spiel mit der Politik erfolgreich gestaltet werden.

Von Roland Zorn
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Zukunft ist immer, und deshalb denkt und handelt Christian Seifert stets mit dem Blick voraus. Mit jetzt 40 Jahren hat sich der Vorsitzende der Geschäftsführung der Deutschen Fußball Liga (DFL) eine permanente Aufbruchshaltung zu eigen gemacht, die weder Stillstand noch bloße Verwaltungsattitüde duldet. Mit anderen Worten: Der Badener Seifert ist alles andere als ein typischer Sportfunktionär.

Der Mann der Wirtschaft tut der Bundesliga gut, die auf der ständigen Suche nach neuen Erlösquellen, Vermarktungsplattformen und Kommunikationsinstrumenten ist. Seit dem 1. Juli 2005 leitet Seifert das Business-Center der Bundesliga in Frankfurt. Dass die DFL, umgeben von den Türmen der Bankenstadt, inzwischen kilometerweit vom Deutschen Fußball-Bund (DFB) im Frankfurter Westend residiert, spiegelt auch ein Stück Emanzipation vom althergebrachten Machtzentrum im Frankfurter Stadtwald.

Die Zahlen, die Seifert von seinem Domizil aus allen düsteren Daten der Weltwirtschaftskrise zum Trotz verkünden kann, belegen die Attraktivität und Prosperität des Geschäftszweigs deutscher Profifußball selbst in schwierigen Zeiten. So flossen der ersten und zweiten Liga in der Spielzeit 2005/06 aus den nationalen Medienverträgen 276 Millionen Euro zu; bis 2013 werden es mit Beginn der Saison 2009/10 im Durchschnitt 412 Millionen Euro sein. „Ein Plus von 49 Prozent“, rechnet Seifert vor.

In Spanien stehen „eine Reihe von Klubs vor der Insolvenz“

Warum das Plus? Weil die Rechte nicht mehr pauschal vergeben und die Spieltage mit verschiedenen Anstoßzeiten aufgesplittet werden – eine bis ins Detail vorzugsweise von Seiferts Geschäftsführerkollegen Tom Bender ausgetüftelte Regelung mit einer Reihe von Vorgaben und begleitenden Maßnahmen für die Rechteinhaber. Mit dem, was die englische Premier League an Fernsehgeldern, vorzugsweise aus einem Milliardendeal mit dem Pay-TV-Sender Sky, einspielt, kommt die Bundesliga zwar noch lange nicht mit, doch hebt Seifert gern hervor, dass „die Bundesliga die zweithöchsten Einnahmen aller Topligen“ verzeichnet.

Zwar erzielten beispielsweise in Spanien die Spitzenklubs FC Barcelona und Real Madrid dank der dort üblichen Einzelvermarktung 50 Prozent der gesamten Fernseherlöse (in der Bundesliga entfallen auf den Meister 5,8 Prozent der TV-Einnahmen), dafür stünden andererseits, sagt Seifert über die iberische Schieflage, „eine Reihe von Klubs vor der Insolvenz“.

Erhebliche Zugewinne kommen der Bundesliga in den kommenden Jahren auch aus der Auslandsvermarktung der Fernsehrechte zugute: Von 12 Millionen Euro in der Spielzeit 2005/06 steigt das Inkasso der Vereine auf durchschnittlich 35 Millionen Euro bis 2012/13. Auch die reinen Marketingerlöse wachsen im selben Vergleichszeitraum von 5 auf 13 Millionen Euro. Dazu kommt der von der Saison 2010/11 an eingeführte einheitliche Spielball, mit dem die DFL, wie man hört, per annum 5 Millionen Euro erlöst – der zweithöchste europäische Betrag in diesem Segment nach der Premier League (7 Millionen).

„Der operative Aufwand musste deutlich steigen“

Erwirtschaftete die erste und zweite Liga 2005/06 inklusive der Einnahmen aus dem DFB-Pokal in der Medienvermarktung rund 350 Millionen Euro, werden es in der Spielzeit 2012/13 knapp 580 Millionen Euro sein. Und das in einem Markt, der längst nicht erschlossen ist. Das Internetfernsehen (IPTV) wartet auf den Durchbruch, die Pay-TV-Abonnentenzahlen stagnieren bei 2,5 Millionen, Fernsehen per Mobiltelefon ist derzeit eher ein Versprechen für die vernetzte Welt von morgen, und auch die Kabelkonzerne sind mit dem Blick auf die Bundesliga nicht mehr so auf Draht wie einst der Premiere-Konkurrent und Ligasender Arena.

Die vielfältigen Aktivitäten der DFL bündeln sich auch im innerbetrieblichen Wachstum. So hatte die vom Ligaverband im Jahr 2001 gegründete GmbH in der Saison 2005/06 24 Mitarbeiter und ein Tochterunternehmen (ein Reisebüro mit Mehrheitsbeteiligung); heute werden 40 Mitarbeiter beschäftigt und florieren drei dem Vernehmen nach profitable Tochterunternehmen (die Produktionsfirma Sportcast, die Marketinggesellschaft Sports Enterprises und das Reisebüro Ligatravel). Um neue Märkte erschließen zu können, sind auch die DFL-Ausgaben entschieden höher als früher. „Der operative Aufwand, mit dem wir unser Geschäft betreiben“, sagt Seifert, „musste deutlich steigen, um diese Ergebnisse zu erzielen.“

„Das Spiel in der Politik können DFL und DFB nur gemeinsam gewinnen“

Seifert weiß, wo das große Geld im deutschen Fußball generiert wird, und wie üppig die Liga auch die Basis finanziell ausstattet. Und so sagt er in vergleichender Eigenwerbung: „Die Liga hat sich finanziell, organisatorisch und in puncto Knowhow weiterentwickelt. So können wir weiterarbeiten.“ Da das intern geschaffene Fundament gesund und die finanziellen Perspektiven trotz Weltwirtschaftskrise verheißungsvoll geblieben sind, wollen er und Ligapräsident Reinhard Rauball sich nun verstärkt um die Lösung offener und aus ihrer Sicht strittiger Fragen im Verhältnis zur Politik und den Behörden kümmern.

Seifert, auch Vorstandsmitglied im Ligaverband und Vizepräsident im DFB, kämpft unter anderem gegen ein Alkoholwerbeverbot im Sport, gegen die 25-Prozent-Quellensteuer, die auf Transfererlösen lastet, gegen staatliche Einschränkungen im Wettgeschäft, gegen die Besteuerung von Stadionlogen und gegen die Restriktionen des Kartellamts bei der Fernsehvermarktung der Liga; ein weites Betätigungsfeld, auf dem der Geschäftsmann und Sportpolitiker Kontroversen nicht scheut: „Ich widerspreche der Einschätzung, dass unser Verhältnis zur Politik intakt sei. So ist es nicht.“

Da der DFL-Vormann jeden seiner Schritte auch strategisch ausmisst, ruft er die Kollegen im DFB zur Neujustierung auf: „Wir haben im Prinzip nicht verstanden, wie das System Politik funktioniert und haben uns zu oft auf das gute Verhältnis zu dem einen oder anderen Spitzenpolitiker zurückgezogen. Eine Wachstumsindustrie mit 34.000 Arbeitsplätzen, die zudem noch durch ihre Abgaben und Nationalmannschaftsabstellungen die Finanzierung des DFB sicherstellt, darf mit Selbstbewusstsein auftreten. Das Spiel in der Politik können DFL und DFB nur gemeinsam gewinnen.“

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