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Der Bundesliga-Kommentar VfB - Vorbild für Bayern

07.05.2007 ·  Die Schalker Schwerstarbeiter registrieren bewundernd die Lockerheit, mit der die Stuttgarter ihren Höhenflug fortsetzen. Der VfB hat schon mehr erreicht, als er sich selber zugetraut hat. Der Bundesliga-Kommentar von Hans-Joachim Leyenberg.

Von Hans-Joachim Leyenberg
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Ein Klischee gefällig? Das von den tüchtigen Schwaben. Wobei man so gesehen natürlich auch noch Mexikaner, Schweizer und Brasilianer einbeziehen muss. Beim VfB Stuttgart haben die entsprechend sozialisierten Profis das Zeug, zu Schwaben ehrenhalber ernannt zu werden. In dieser Saison erinnert die Gemeinschaft der Fußballschaffenden an den Meisterjahrgang von 1992 - wenn zwei sich streiten, freuen sich am Ende die Schwaben. "Am VfB", so jubelt die Stuttgarter Zeitung schon jetzt, "kommt keiner vorbei." Wobei der Verfasser nicht die Tabelle, sondern das grundsätzliche Thema des schwäbischen Aufschwungs im Auge hat.

Zugegeben, der VfB ist längst über das Stadium des Stadtgesprächs hinaus. Sogar auf Schalke registrieren sie die Lockerheit, mit der sie in Stuttgart ihren Höhenflug fortsetzen. Während Schalke demnächst Schwerstarbeit im Westfalenstadion erwartet, traut der Gelsenkirchener Manager Andreas Müller den Bochumern nicht einmal Schützenhilfe des VfL im Duell mit dem VfB zu.

Im Kollektiv auf Wolke sieben

Die Stuttgarter gewinnen - die unterlegenen Mainzer registrierten das am Samstag mit dem Unterton des Bedauerns - in wichtigen Phasen wichtige Spiele souverän. "Wieso sollten wir unsere Leichtigkeit verlieren?" Eine rein rhetorische Frage, der Armin Veh eine Lebensweisheit folgen lässt. "Das ist wie im richtigen Leben: wenn man etwas mit Macht erzwingen will, erreicht man damit das Gegenteil.“

Der VfB hat schon mehr erreicht, als er sich selber zugetraut hat. Mittlerweile schwebt die von sich selbst so angenehm überraschte Gemeinschaft im Kollektiv auf Wolke sieben. Klubpräsidenten Erwin Staudt, der Veh einst als Übergangslösung ansah, hat sich längst revidiert. In diesem Fall hat sich der Unternehmer liebend gern geirrt und kokettiert sogar damit. Auch von personellen Rückschlägen hat sich das Ensemble nicht beirren lassen. Als Mario Gomez, der Stürmer mit den spanischen Wurzeln, verletzt passen musste, füllte Cacau die Lücke.

Der VfB-Motor summt verlässlich

Im Land der Maultaschen wird schon gewitzelt, das Kürzel bedeute gar nicht Verein für Bewegungsspiele, sondern Vorbild für Bayern. Ein Wortspiel, das Uli Hoeneß nicht gefallen dürfte. Und in Aachen gehen sie am besten in die schwäbische Harmonielehre, um zu erfahren, wie man es anstellt, sich mit unterschiedliche Typen und Temperamente auf ein Ziel zu verständigen. In Frankfurt haben sie im Fall Albert Streit gerade noch die Kurve gekriegt. Gesetzt den Fall, er hätte seine Zelte am Neckar aufgeschlagen, wäre Streit entweder handzahm geworden oder sie hätten ihn wie einst Danijel Ljuboja in eine der vier Himmelsrichtungen abgeschoben. Der VfB-Motor summt so verlässlich wie die Motorenpalette aus einem dem Klub benachbarten Betrieb, der sich auch in der Formel 1 engagiert.

Mit "Berlin - wir kommen" ist es mit Blick auf das Pokalfinale allein nicht mehr getan. Der VfB ist der Tipp im Roulette um die deutsche Meisterschaft, da gerade noch zwei Spieltage anstehen. Nach einer WM, die von schwäbischer Innovation geprägt war, erscheint die neue schwäbische Fußballherrlichkeit wie eine nationale Entsprechung. Und ist es mit Ralf Rangnick nicht auch ein Schwabe, der jetzt die TSG Hoffenheim aus dem Kraichgau in die Zweite Bundesliga geführt hat? Die Mission begann im Kriechgang. Rangnick war in der Frühphase der Saison ähnlich kritisch gemustert worden wie Veh.

Wir können alles außer Hochdeutsch, heißt es in der Werbekampagne des Musterländles. Wir können auch deutscher Meister werden, könnte es demnächst heißen. Im Business Center des Stadions fand unlängst der 1. Stuttgarter Kulturgipfel statt. "Fußball ist im Idealfall Kunst" hörte man bei dieser Gelegenheit Präsident Staudt den Spitzen des Kulturlebens sagen. Das Meisterstück des VfB wäre sogar ein großes Kunststück.

Quelle: F.A.Z., 07.05.2007, Nr. 105 / Seite 25
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