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Der Bundesliga-Kommentar Schmorbraten mit dicker Soße

10.12.2006 ·  Die Bundesliga redet sich ihren Fußball schön. Die Soße des eigenen Gequatsches wird bei allen Vereinen immer dicker und deckt alles zu, vor allem die vielen Unzulänglichkeiten. Der Bundesliga-Kommentar von Peter Penders.

Von Peter Penders
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International, sagte der braungebrannte Mann, hinke der deutsche Fußball mittlerweile hinterher, weil er viel zu lange an Altbewährtem festgehalten habe. Und als Trainer sei man manchmal machtlos: "Da kommen 60 000 Zuschauer, und die Kerle bewegen sich trotzdem kaum. Da sitzt du da und mußt freundlich fragen: Wie wäre es denn mal mit ein bißchen Laufen?"

Wer das war? Nein, nicht Jürgen Klinsmann während seiner Zeit als Bundestrainer, in der für viele Bundesliga-Kollegen völlig unverständlich Kritik an der Arbeit in den deutschen Vereinen geübt wurde. Am Freitag wiederholte der Norddeutsche Rundfunk in seinen "Talkshow-Classics" eine Gesprächsrunde von 1988 mit dem in der vergangenen Woche verstorbenen Meistertrainer Max Merkel.

Warum kommen die Zuschauer immer noch?

Viel hat sich in den 18 Jahren offenbar nicht geändert, eines allerdings schon. "Die Zuschauer zahlen viel Geld", fand Merkel und läge soweit auch heute noch richtig, "aber sie wollen unterhalten werden, ansonsten kommen sie nicht." Falsch, sie kommen trotzdem: So viele Zuschauer wie am 16. Spieltag rannten nur zur Saisoneröffnung in die Stadien - aber warum kommen die eigentlich immer noch?

Ein halbes Jahr nach dem Sommermärchen liegt die Bundesliga längst wieder träge in ihrem Schmortopf und bruzzelt langsam vor sich hin. Immerhin, die Bayern haben die Zeit erkannt und wollen den Fans künftig noch mehr bieten. Kann so schwer nicht sein, wenn man sich die Spielkunst des Rekordmeisters ansieht. Gilt aber nur für das Internet - die Bayern haben mit Microsoft Xbox eine Markenpartnerschaft abgeschlossen und freuen sich, weil der Videospiel- und Entertainment-Markt ein sehr interessantes Umfeld sei. "Wichtig ist auf'm Platz" - das galt nur früher, noch zu Merkels Zeiten, jetzt ist alles wichtig. Aber was ist mit "auf'm Platz"?

Müssen es so viele Worthülsen sein?

Da klappt es schon länger nicht, wie jeder internationale Spieltag beweist. Groß war der Groll der Vereine, als Klinsmann & Co den Finger hoben, und überhaupt stimme das alles nicht. Ein halbes Jahr später spricht lieber niemand mehr darüber, dabei gehört die Bundesliga doch zur Unterhaltungsbranche, und fast jeder redet da gerne mit. Aber müssen es so viele Worthülsen sein? Die Glaubwürdigkeit ist längst dahin, man hört noch hin, aber es geht links rein und rechts wieder raus.

Die Bayern wollten einst zur WM 2006 eine deutsche Mannschaft aufbauen - das hat ungefähr so gut geklappt, wie Santa Cruz als Ballack-Nachfolger aufzubauen. Dafür sind sie weltweit offenbar der Verein, der am meisten unter den Spätfolgen der WM leidet, zumindest erwecken sie den Eindruck. Dortmund verkündete im Sommer, die Zeit des Geldverbrennens sei vorbei, verlängerte den Vertrag mit dem Trainer vorzeitig um ein Jahr und löste den Vertrag im Oktober. Der Bielefelder Trainer von Heesen, ins Dortmunder Personalkarussell geraten, beteuert, er werde erst in der Winterpause mit der Arminia reden, und bis dahin brauche er seine Konzentration für seine Trainerprüfung. Klingt gut, nur hatte er vor ein paar Wochen vehement Vertragsgespräche gefordert, und durch die DFB-Trainerprüfung kann man nicht fallen, wie jeder weiß und was vielleicht vieles erklärt.

Aber so geht das von Verein zu Verein, jeder redet sich seine Situation schön, und die Soße des eigenen Gequatsches wird immer dicker, breitflächig verteilt und deckt alles zu. Das allerdings gilt - glücklicherweise nur ausnahmsweise - auch für den Vorzeigeklub Bremen. So durfte Werder-Torwart Wiese nun unwidersprochen behaupten, solche Freistöße wie die von Ronaldinho könne man nicht trainieren. Aber - wieso eigentlich nicht?

Quelle: F.A.Z., 11.12.2006, Nr. 288 / Seite 25
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Jahrgang 1959, Sportredakteur.

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