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Der Bundesliga-Kommentar Leeres Marketinggerede aus München

29.01.2007 ·  Das wochenlange Gerede des FC Bayern über die eigene Stärke - die angekündigte Großartigkeit erstarb im klassischen Kaltstart. Der Meister von gestern ist in der Winterpause trotz aller Anstrengungen keinen Schritt vorangekommen. Der Bundesliga-Kommentar von Michael Horeni.

Von Michael Horeni
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Bayern - ein Wintermärchen. Karl-Heinz Rummenigge hat mit seiner Prognose in der Winterpause, die doch eher ein gefühlter Frühling war, vollkommen richtiggelegen. Meteorologisch jedenfalls. Diese Entwicklung war angesichts der fortschreitenden Klimaerwärmung gar nicht so leicht vorherzusehen. Aber pünktlich zum Rückrundenstart kleidet sich München nun tatsächlich in eine herrliche weiße Pracht, in der Stadt liegt mehr Schnee als auf der Streif.

Aber eigentlich wollte der Münchner Vorstandsvorsitzende in der Fußballpause seine Qualitäten gar nicht als Wetterfrosch erproben, sondern als Experte auf seinem Spezialgebiet: dem Innenleben des FC Bayern. In diesem Fall jedoch haben nun neunzig Minuten Fußball in Dortmund genügt, um der Bundesligakonkurrenz sowie den Zuschauern deutlich zu machen: Ein bayrisches Wintermärchen war nur das wochenlange Gerede über die eigene Stärke - die angekündigte sportliche Großartigkeit erstarb im klassischen Kaltstart.

„Phasenweise völlig bewegungslos“

Die rhetorischen Münchner Superlativen vom "besten Trainingslager", der "besten Vorbereitung" sowie dem Angriff auf die Tabellenspitze entpuppten sich nach dem ersten Praxistest des Jahres 2007 als leeres Marketinggerede einer Meistermannschaft von gestern, die trotz aller Anstrengungen keinen Schritt vorangekommen ist. Rund fünf Wochen nach dem 2:4 im Pokal bei Alemannia Aachen folgte mit dem 2:3 in Dortmund schon die fünfte Bundesliganiederlage (Abstiegskandidat HSV hat nur einmal öfter verloren). Das "Frühlingserwachen", von dem Manager Uli Hoeneß frohlockte, könnte aber noch kommen - ganz anders allerdings, als die Bayern sich das in ihrem Wintertraumland erhofft hatten.

Franz Beckenbauer als wenige Stunden zuvor frisch gekürtes Mitglied der Fußball-Weltregierung wurde in Dortmund ganz schnell wieder vom substanz- und emotionslosen Alltag seines Klubs eingeholt. "Im Prinzip hat sich bei den Bayern nicht viel verändert. Die haben genauso gespielt wie in der Hinrunde: phasenweise völlig bewegungslos, ohne Engagement und Leidenschaft", kritisierte Beckenbauer. Und auch Trainer Felix Magath war für Winterpausen-Wortgeklingel nicht mehr zu haben: "Es ist fünf vor zwölf." Wenn die Mannschaft an diesem Dienstag nicht gegen Bochum gewinne, sei es vorbei mit den Titelträumen. Willkommen in der Wirklichkeit 2007.

Beeindruckend stabile Schalker

Die Schalker als erster, kurzzeitiger Tabellenführer des neuen Fußballjahres mussten um den durch den schweren Münchner Rückschlag veredelten 3:1-Sieg in Frankfurt gar keine großen Worte mehr machen. Die schon zum Ende der Vorrunde beeindruckend stabilen Schalker hinterließen bei ihrem geglückten Einstand stets den Eindruck, dass der Glaube an den ersten Titelgewinn nach fast einem halben Jahrhundert nicht mehr ständig öffentlich beschworen werden muss. Er gehört mittlerweile durch zwölf Saisonsiege schon zur verinnerlichten Schalker Grundausstattung in dieser turbulenten, aber sportlich erstaunlich geradlinigen Spielzeit. "Wir denken nur an eines", sagte Trainer Mirko Slomka am Samstag: "Erster sein."

Nach dem Bremer 3:0 vom Sonntag heißt die Aufgabe aber bis auf weiteres wie erwartet: Erster werden. In dem intakten Schalker Gefüge lieferte aber zudem der seit einem Jahr aus der Nationalelf verbannte Kevin Kuranyi mit zwei Toren und einer wunderbaren Vorarbeit ein weiteres Rückkehrgesuch bei Bundestrainer Löw für den Länderspielauftakt in zehn Tagen ab. Zumindest dieser persönliche Lohn könnte ganz schnell Realität werden.

Quelle: F.A.Z., 29.01.2007, Nr. 24 / Seite 25
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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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