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Der Bundesliga-Kommentar Hochsaison für Spielverderber

29.10.2007 ·  Die Nullnummern in der Bundesliga liegen im Trend, Torarmut ist en vogue. Der Saison 2007/08 ist ein Platz unter den Top Ten der torärmsten Spielzeiten sicher, meint Michael Horeni.

Von Michael Horeni
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Sparsamkeit ist nicht gerade eine Tugend des Profifußballs. Man ist ja bei den Milliardenumsätzen und den vielen seltsamen Gestalten, die sich am Fußball bereichern, auch viel eher geneigt, an barocke Verschwendungssucht zu denken als an Geiz-ist-geil-Kampagnen. Wenn man aber zum Wesentlichen in deutschen Fußballstadien vordringt, dann sieht man seit einigen Jahren, dass dort vor aller Augen eine Mangelwirtschaft betrieben wird, für die es auch ein hässliches Wort gibt, das Fußballfans frösteln lässt: Torarmut.

Die neun Partien des elften Spieltags, bei denen es nur zu zwölf Törchen reichte, waren ein weiteres Beispiel einer nun schon seit Jahren andauernden Entwicklung. Statistisch gesehen fielen nur 1,3 Tore pro Begegnung. Bisher waren nur an zwei Spieltagen in der langen Bundesliga-Geschichte weniger Treffer zu sehen - aber bei diesem Wochenende im grauen Oktober handelt es sich keineswegs um einen statistischen Ausreißer nach unten.

Spitzenplatz in der Spielverderberwertung

Nach nun fast einem Drittel der Saison ist die Torquote bei 2,74 angelangt, damit ist der Saison 2007/08 bisher ein Platz unter den Top Ten der torärmsten Spielzeiten sicher - somit liegen nicht nur die Nullnummern dieses Wochenendes in Rostock und Frankfurt voll im Trend. Unter den acht torärmsten Spielzeiten seit 1963 finden sich drei Runden aus den vergangenen fünf Jahren. Wie es aussieht, wird auch die Saison 2007/08 einen Spitzenplatz in dieser Spielverderberwertung erhalten.

Aber diese wenig vergnügliche Reduzierung des Wesentlichen hat auch ein paar gute Seiten. Es zeigt sich, dass die Trainer ihre Teams mittlerweile taktisch und körperlich auf ein Niveau gebracht haben, das ihnen gestattet, sich sehr erfolgreich gegen Angriffe zu wehren. Keine Mannschaft ist mehr schlecht genug, sich regelmäßig auseinandernehmen zu lassen, und selbst der Tabellenletzte Energie Cottbus hat bisher nur 21 Tore kassiert, das sind nicht einmal zwei pro Spiel. Gewonnen haben die Lausitzer aber auch noch nicht, und da zeigt sich das Dilemma dieser immer erfolgreicheren Sicherheitspolitik, die man auch als den Versuch einer persönlichen Arbeitsplatzerhaltungsmaßnahme für Fußballtrainer betrachten kann. Sie finden solche Spiele nämlich gar nicht schlecht, weil man dann sagen kann, dass die Mannschaft funktioniert,halbwegs zumindest.

Mut zur Trendumkehr

Die Zuschauer haben sogar ein gewisses Verständnis für diese Umkehr der ursprünglichen Fußballidee, die sich nun unter dem verdrehten Motto "Wer nicht wagt, der gewinnt" in der Mittel- und Unterschicht der Liga immer weiter verfestigt. Die Dankbarkeit, mit der ein rassiges, wenngleich ebenfalls torarmes Spitzenspiel wie das 1:1 zwischen Schalke und Bremen bejubelt wird, ist ein Indiz dafür, wie sich die (Tor)-Verhältnisse verkehrt haben. Da ist es tröstlich, dass die langjährigen Ergebnisfußballer des FC Bayern in dieser Saison gegen den Trend beherzt in die Offensive investiert haben.

Man mag sich aber gar nicht vorstellen, welche destruktiven Folgen es hätte, wenn sie (wie die Bremer in den vergangenen Jahren) für ihren Mut zur Trendumkehr nicht mit dem einen oder anderen Titel belohnt würden. Nur wenn sich Offensive wieder lohnt, wird sie animieren.

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Jahrgang 1965, Korrespondent für Sport in Berlin.

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