Der erkrankte Patient VfB Stuttgart hat nach einem Drittel der Saison in der Fußball-Bundesliga ein Lebenszeichen von sich gegeben, doch bis zur völligen Genesung ist es noch ein langer Weg.
„Das Erfolgserlebnis hilft uns, ändert aber die Situation nicht schlagartig“, sagte Trainer Armin Veh nach dem glücklichen 1:0 (0:0) gegen Bayer 04 Leverkusen. Im Top-Duell des elften Spieltags trennten sich der FC Schalke 04 und Werder Bremen 1:1 und spielten mit dem Unentschieden in erster Linie dem souveränen Spitzenreiter Bayern München in die Karten.
Der Rekordmeister nutzte diese Vorlage jedoch nicht und geriet am Sonntag phasenweise sogar ins Straucheln, rettete schließlich aber vor der tollen Kulisse von 80.708 Zuschauern ein 0:0 bei Borussia Dortmund über die Runden. Bei der Rückkehr von Bayern-Trainer Ottmar Hitzfeld an seine alte Wirkungsstätte stand der Titelfavorit vor der ersten Saisonniederlage, wahrte aber mit jetzt 27 Punkten seinen Nimbus. Hitzfeld war nicht unzufrieden. „Ein Punkt in Dortmund ist nie schlecht“, analysierte der Coach: „Zumal wir sehr müde waren. Das Spiel in Belgrad hat sehr viel Kraft gekostet, und deshalb konnten wir nur 70 Prozent Leistungsvermögen bringen.“ Der Hamburger SV rückte dank des 1:0 in der zweiten Sonntags-Partie beim MSV Duisburg an Position zwei (23).
Vehs Wagnis lohnt sich
Der erste Sieg nach fünf Pflichtspiel-Niederlagen in Serie war für die Stuttgarter ein erster Schritt aus der Krise, mehr aber auch nicht. Veh ordnete den schwer erkämpften Heimerfolg entsprechend nüchtern ein. „Ich bin glücklich, dass wir gewonnen haben, aber nicht euphorisch, da unsere Personalprobleme bleiben. Spielerische Glanzpunkte können wir angesichts unserer Situation nicht setzen“ (Siehe auch: Veh: „Ich bin Fußball-Lehrer und kein Zauberer“).
Umjubelter Torschütze war Andreas Beck (72.). Der Abwehrspieler, nur wegen der vielen Verletzten ins Meisterteam gerutscht, war bester Mann auf dem Platz. Als wichtige Stütze für die junge Mannschaft erwies sich vor allem der noch immer nicht ganz genesene Thomas Hitzlsperger. Veh war froh, dass er das Wagnis eingegangen war: „Normalerweise würde er jetzt nicht spielen, aber in der Situation.“
Beim wechselhaften Team aus Leverkusen herrschte nach dem Rückschlag Frust pur. „Einmal mehr haben wir eine gute Partie abgeliefert und dominiert, aber aus guten Chancen kein Tor gemacht“, sagte Trainer Michael Skibbe.
Bayern-Jagd kein Thema auf Schalke
Trotz des Unentschiedens gab es auf Schalke überwiegend zufriedene Gesichter in beiden Lagern. Schalke gelang der Befreiungsschlag zwar nicht, bot aber nach den herben Enttäuschungen der letzten Wochen wieder eine Leistung, die den eigenen Ansprüchen genügte. Gleichwohl räumte Trainer Mirko Slomka ein, dass man insgesamt „deutlich zu wenig Punkte“ habe. Immerhin bot der zuletzt stark in die Kritik geratene Torhüter Manuel Neuer eine solide Leistung. Seine Fehler in Rostock und Chelsea habe er abgehakt, sagte der 21-Jährige nach dem laut Werder-Coach Thomas Schaaf „sehr intensiven Spiel“ zweier Spitzen-Mannschaften.
Die Bayern-Jagd haben beide Teams zwar nicht ganz aufgegeben, ist aktuell aber kein Thema für die Konkurrenten, die vor allem die abermalige Champions-League-Qualifikation im Sinn haben. „Wir brauchen derzeit nicht über Platz eins zu reden“, sagte Schalke-Manager Andreas Müller, und sein Kollege Klaus Allofs meinte: „Wichtig war, Schalke auf Abstand zu halten.“
„Club“ im Abstiegskampf
Während Eintracht Frankfurt und Hannover 96 bereits am Freitag ihre Fans mit einem torlosen „Grusel-Kick“ vergraulten, war das zweite 0:0 des Spieltages im Aufsteiger-Duell bei Hansa Rostock für den Karlsruher SC ein Erfolg. Dank der stabilen Abwehr und des überragenden Torhüters Markus Miller haben die Badener ihr Saisonziel (40 Punkte) bereits zur Hälfte erreicht. Der Platz in der Spitzengruppe ist gefestigt. „Aber wir sollten nicht vermessen sein und zu gierig werden“, sagte KSC-Coach Edmund Becker.
Einen Rückschlag nach dem tollen 5:1 gegen Frankfurt erlebte der 1. FC Nürnberg. Der Pokalsieger verlor beim aufstrebenden VfL Wolfsburg klar 1:3 und steckt weiter mitten im Kampf gegen den Abstieg. Das gleiche „Schicksal“ teilen der VfL Bochum und Energie Cottbus. Zwar rettete der Däne Dennis Sörensen mit seinem Treffer in der Nachspielzeit den Lausitzern beim 1:1 in Bielefeld einen wichtigen Zähler, aber auch unter dem neuen Trainer Bojan Prasnikar gelang dem Schlusslicht nicht der erste Saisonsieg.
Bochumer Sorgen
Die Talfahrt der Bochumer nimmt nach dem 0:2 bei Hertha BSC Berlin und dem achten Spiel ohne Sieg allmählich ebenfalls ernste Züge an. „Während der ganzen 90 Minuten haben wir die Bälle zu leicht verloren, haben den Kampf nicht angenommen“, sagte Marcel Maltritz, der die sechste Saisonniederlage mit seinem Eigentor (26.) selbst eingeleitet hatte.