10.02.2008 · Die einzige Schwäche der Münchner ist die Abhängigkeit von Franck Ribéry. Nun ist der französische Star verletzt. Wer soll ihn im Spitzenspiel der Bundesliga gegen Bremen ersetzen? Schlägt schon die Stunde des erst 18 Jahre alten Toni Kroos?
Von Elisabeth Schlammerl, MünchenDie Frage war unvermeidlich, und niemand kam um sie herum. Die Spieler nicht und natürlich auch nicht Trainer Ottmar Hitzfeld. Die Frage, wie sehr dem FC Bayern München Franck Ribéry fehlen werde und wer ihn am besten ersetze. Über keinen Spieler wurde in den vergangenen Tagen an der Säbener Straße so viel geredet wie über den Franzosen, der gar nicht dabei sein wird beim Bundesliga-Gipfel an diesem Sonntag gegen Werder Bremen.
Er ist verletzt, eine Oberschenkelzerrung zwingt ihn, mindestens noch zwei Wochen zu pausieren. Seine Mannschaft muss nun zeigen, dass das Spiel auch ohne ihn läuft. Er sehe damit zwar kein allzu großes Problem auf den Verein zukommen, verkündete der wieder einmal positiv gestimmte Manager Uli Hoeneß. Aber wenn Ribérys Fehlen nicht auffallen würde, „hätten wir nicht 25 Millionen Euro zahlen sollen“.
„Können auf höchstem Niveau spielen, auch ohne Ribéry“
Der Franzose ist sein Geld bisher wert, ohne Zweifel. Er hat bei den Bayern die meisten Torschussvorlagen gegeben und die meisten Flanken geschlagen. Er dribbelt so effektiv und ist mit dem Ball so zweikampfstark wie kein anderer. Obwohl er sich meistens gegen zwei Bewacher durchsetzen muss, läuft mit Ribéry das Spiel der Bayern, ohne ihn stockt es manchmal, wie in der zweiten Halbzeit gegen Hansa Rostock in der vergangenen Woche. Der Rückrundenauftakt hat wieder einmal gezeigt, dass die größte und vielleicht einzig eklatante Schwäche des Münchner Starensembles in dieser Saison die Abhängigkeit von Ribéry ist.
Bei der einzigen Niederlage des FC Bayern in dieser Bundesligasaison, dem 1:3 bei Meister VfB Stuttgart, hatte er einen seiner wenigen glanzlosen Tage. „Sein Ausfall ist sicher eine Schwächung für das Team, weil er nicht gleichwertig zu ersetzen ist“, gibt Hitzfeld zu, aber er sieht das bayerische Kreativspiel nicht allein im Zuständigkeitsbereich von Ribéry. „Wir haben genügend Spieler, die den Ball laufen lassen und entscheidende Pässe spielen können.“ Und auch Kapitän Oliver Kahn findet, „dass wir jederzeit auf höchstem Niveau spielen können, auch ohne Ribéry. Wir haben so viel Qualität und Potential in der Mannschaft.“
Hoeneß plädiert für „Schweinsteiger, Altintop und Kroos“
Tatsächlich wohl mehr als Bremen. Aber manche Spieler, hatte Hoeneß am Ende der Hinrunde moniert, versteckten sich auch ganz gerne hinter Ribéry. In den nächsten drei, vier Spielen gibt es für die Männer hinter Ribéry Gelegenheit, sich dem Verein zu zeigen – und natürlich auch dem künftigen Trainer Jürgen Klinsmann.
Es wurde viel gerätselt, wer den Rhythmus gegen Bremen vorgeben, wer Ribéry ersetzen soll. Hoeneß hat in dieser Woche dem Trainer ein paar Vorschläge gemacht. „Wir haben Schweinsteiger, Altintop und Kroos“, hatte er auf der Internetseite des FC Bayern verkündet. Und dabei sogar noch ein paar Kandidaten vergessen. Auch Jan Schlaudraff, Lukas Podolski oder Zé Roberto könnten die Position auf der linken Seite besetzen. Aber Hitzfeld sieht Schlaudraff und Podolski eher als Stürmer, und Zé Roberto soll sich abwechselnd mit Mark van Bommel im defensiven Mittelfeld um Diego kümmern, was ganz nach dem Geschmack des Brasilianers ist. „Ich bin zufrieden auf meiner Position. Wir haben genügend Spieler, die links spielen können.“
Solide ist zu wenig
Schweinsteiger ist die nächstliegende Lösung; der Nationalspieler fühlt sich auf der linken Seite wohl und hat dort auch seine besten Auftritte gezeigt. Allerdings lassen seine Leistungen in dieser Saison größte Zweifel aufkommen, ob er der richtige Mann ist, ein Spiel anzutreiben, er hat sich zuletzt eher als Spielverzögerer hervorgetan. Hamit Altintop, ein zuverlässiger Allrounder, würde die Aufgabe vermutlich solide erledigen, aber solide ist zu wenig als Ersatz von Ribéry.
Die Alternative mit Toni Kroos wäre die mutigste, aber auch die mit der größten Vision. Hoeneß hat dem 18 Jahre alten Talent schon einmal die Nummer „10“ reserviert. Er soll irgendwann beim FC Bayern die Rolle des Spielmachers übernehmen – und Beweise seiner außergewöhnlichen Begabung hierfür hat er bei den Profis schon ein paar abgeliefert.
Kahn über Kroos: „Ich hätte keine Bedenken“
Im September feierte er mit zwei Torvorlagen beim 5:0 gegen Cottbus sein Bundesliga-Debüt, und einen Monat später trumpfte er im Uefa-Cup gegen Belgrad auf. Nachdem der damals noch Siebzehnjährige in der 80. Minute eingewechselt worden war, bereitete er den Ausgleich durch Klose vor und erzielte den Siegtreffer selbst. „Ich hätte keine Bedenken. Toni hat schon gezeigt, dass er problemlos von Anfang an spielen kann“, sagt Kahn. Allerdings müsste Hitzfeld hierzu sein System im Mittelfeld ändern und auf eine Raute mit einem zentralen Spieler umstellen.
Wäre Ribéry für die Partie gegen Bremen fit gewesen, hätte sich wahrscheinlich vor, während und nach dem Spiel auch viel um den 24 Jahre alten Franzosen gedreht und darum, ob er nun der Bessere ist oder doch Diego, der Bremer Regisseur. Aber womöglich lassen sich die beiden gar nicht so richtig vergleichen, denn der Franzose spielt in München auf der linken Offensivseite – und der Brasilianer in Bremen im Zentrum. Diego ist der Mittelpunkt in Werders Spiel wegen seiner Klasse, aber auch wegen seiner Position. Ribéry ist es allein wegen seiner Klasse.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |