20.09.2008 · Vor dem Schlager bei Bayern München an diesem Samstag kämpft Rückkehrer Claudio Pizarro um seine Form. Das einstige Werder-Idol hat sich weiterentwickelt, kann es aber nicht umsetzen. Doch Bremen vertraut dem Peruaner.
Von Sebastian Stiekel, BremenÜber die Unterschiede zwischen Bayern München und Werder Bremen kann kaum jemand mehr erzählen als Claudio Pizarro. „Bayern ist ein großer Verein mit internationalem Namen“, sagt er, „und Werder will erst ein großer Verein mit internationalem Namen werden.“ Das klingt so, als wäre er gerade von Bremen nach München gewechselt und müsse sich dafür rechtfertigen, aber tatsächlich ist es ja genau umgekehrt.
Nach sechs Jahren beim FC Bayern kehrte Pizarro im August nach Bremen zurück. Spätestens seit er zwischendurch auch kurz beim FC Chelsea war, denkt der Peruaner vor allem in internationalen Maßstäben. Und nach denen trifft sein Vergleich zwischen Bayern und Werder zu.
„In dieser Woche telefonieren wir natürlich nicht“
Am Samstag spielen beide in der Fußball-Bundesliga gegeneinander (15.30 Uhr / Live bei Premiere und im FAZ.NET-Liveticker) und Pizarro erstmals wieder in der Allianz-Arena (“Ein besonderes Spiel für mich“). In Bremen gab er deshalb eigens eine Pressekonferenz. Wer ihn dort letztmals 2001 erlebt hatte, als er für 16 Millionen Mark zu den Bayern wechselte, konnte gut beobachten, wie sieben Jahre bei Weltklubs in München und London einen Fußballer prägen.
Aus dem jungen, lausbübischen „Schlawiner“ (Uli Hoeneß) ist ein Vollprofi geworden, der jede Frage routiniert und ohne viel preiszugeben beantwortet. Zu welchem Bayern-Spieler er noch Kontakt habe, wollte ein Reporter von ihm wissen, und Pizarro sagte, was jeder Trainer gern hört zwei Tage vor so einem Spiel: „Zu Ottl, Schweini und Micho (Demichelis), aber diese Woche telefonieren wir natürlich nicht.“ In seinen beiden ersten Bremer Jahren hätte er an dieser Stelle vielleicht noch erzählt, wann er mit wem um welche Häuser gezogen ist.
„Damals wollte er auf sich aufmerksam machen“
Doch das ist lange her. „Damals war ich 20 und wusste nicht einmal, was Druck ist“, sagt er. Frank Baumann bestätigt, dass „Claudio reifer und noch ein bisschen abgezockter geworden ist. Damals wollte er auf sich selbst aufmerksam machen. Heute hat er wesentlich mehr erlebt und gibt das auch an andere Spieler weiter.“ Baumann und Torsten Frings sind die beiden einzigen Bremer, die schon von 1999 bis 2001 mit Pizarro zusammenspielten.
Damals schoss der Peruaner 29 Tore in zwei Jahren und wurde zum ersten Werder-Idol seit Rudi Völler - lange bevor Ailton oder Diego das schafften. Es gibt deshalb noch einen anderen Unterschied für ihn zwischen Werder und dem FC Bayern: In München hatte Pizarro einen Makel, er stand ständig unter dem Verdacht, aus seinem Talent zu wenig zu machen. „Er könnte absolute Weltklasse sein“, sagte sein Trainer Felix Magath einmal, „aber manchmal vergeudet er seine großen Fähigkeiten.“
„Er ist der Spieler, den wir uns gewünscht haben“
Diskutieren ein paar Bayern-Fans über Pizarro, werden sie sich nie einig, die einen sehen die drei Meistertitel und 71 Bundesliga-Tore, die er mit ihrem Klub bejubelte, die anderen teilen Magaths Sicht. In Bremen ist das anders. Dort hat Pizarro einen Bonus.
„Er ist der Spieler, den wir uns gewünscht haben“, sagt Sportchef Klaus Allofs, und bei einigen Aussagen aus München über ihn „haben wir uns hier verwundert die Augen gerieben“. Diskutieren ein paar Werder-Fans über Pizarro, sind sie verzückt und landen schnell im Februar 2001. Da nahm er gegen Schalke einen 40-Meter-Pass von Krstajic direkt aus der Luft und hob ihn über den herauseilenden Reck ins Tor.
Bremen bei den Bayern? „Respekt ja, Angst nein“
Von diesem Bonus zehrt Pizarro gerade, denn Vergleichbares ist ihm seit seiner Rückkehr nach Bremen noch nicht gelungen. Beim blamablen 0:0 in der Champions League gegen Famagusta (Siehe auch: Champions League: Bremer Blamage gegen Debütant Famagusta) vergab er drei Großchancen und wurde ausgewechselt. Pizarro ist noch nicht in Form, man sieht zurzeit kaum etwas von seiner Technik, seiner Übersicht und seiner Schlitzohrigkeit. Aber das hat plausible Gründe. Er kam erst nach der Saisonvorbereitung und ohne Spielpraxis aus Chelsea, „ihm fehlen noch ein wenig Sicherheit und Kraft“, sagt Allofs.
Doch Werder vertraut diesem Stürmer. Deshalb ist er zurückgekehrt. Ihn ausgerechnet in München aus dem Team zu nehmen ist für Trainer Schaaf kein Thema. „Wir haben dort keine Angst“, sagt Pizarro trotz der für ihn wie Werder schwachen Phase. „Respekt ja, Angst nein.“ Das hat er bei den Bayern gelernt.
Die Saison 2011/2012
| Verein | Sp | Diff | Pkt. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 1. | ![]() |
Borussia Dortmund | 34 | 55 | 81 | ![]() |
| 2. | ![]() |
Bayern München | 34 | 55 | 73 | ![]() |
| 3. | ![]() |
FC Schalke 04 | 34 | 30 | 64 | ![]() |
| 4. | ![]() |
Bor. Mönchengladbach | 34 | 25 | 60 | ![]() |
| 5. | ![]() |
Bayer Leverkusen | 34 | 8 | 54 | ![]() |
| 6. | ![]() |
VfB Stuttgart | 34 | 17 | 53 | ![]() |
| 7. | ![]() |
Hannover 96 | 34 | -4 | 48 | ![]() |
| 8. | ![]() |
VfL Wolfsburg | 34 | -13 | 44 | ![]() |
| 9. | ![]() |
Werder Bremen | 34 | -9 | 42 | ![]() |
| 10. | ![]() |
1. FC Nürnberg | 34 | -11 | 42 | ![]() |
| 11. | ![]() |
1899 Hoffenheim | 34 | -6 | 41 | ![]() |
| 12. | ![]() |
SC Freiburg | 34 | -16 | 40 | ![]() |
| 13. | ![]() |
FSV Mainz 05 | 34 | -4 | 39 | ![]() |
| 14. | ![]() |
FC Augsburg | 34 | -13 | 38 | ![]() |
| 15. | ![]() |
Hamburger SV | 34 | -22 | 36 | ![]() |
| 16. | ![]() |
Hertha BSC | 34 | -26 | 31 | ![]() |
| 17. | ![]() |
1. FC Köln | 34 | -36 | 30 | ![]() |
| 18. | ![]() |
1. FC Kaiserslautern | 34 | -30 | 23 | ![]() |