http://www.faz.net/-gtm-76fhy
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 11.02.2013, 13:20 Uhr

Christian Seifert im Gespräch „Die Uefa kann massiv Schaden nehmen“

Christian Seifert ist der Mann an der Spitze der DFL. Im FAZ.NET-Interview spricht er über den Kampf gegen Wettbetrug, die wachsende Kraft der Bundesliga, Geld-Injektionen - und die zweifelhafte Macht der Qatar-Connection.

© firo Sportphoto Ansichtssache: Der Fußball ist für die meisten pure Unterhaltung geblieben - für einige aber ist er ein Spielfeld für Manipulationen und Wettbetrug

Europol hat mit seinen Zahlen zu Spielabsprachen und Wettbetrug für Aufsehen gesorgt. Welche Abwehrmaßnahmen hat die Liga?

Wir haben als Liga bereits nach dem Hoyzer-Skandal gemeinsam mit dem DFB getan, was man als Sportliga tun kann. Wir waren die erste europäische Liga, die in ein Überwachungssystem investiert hat. Seit 2005 gilt ein Wettverbot für Spieler, Trainer, Schiedsrichter und bestimmte Funktionsträger. Wir haben außerdem 2010 mit Transparency International ein Präventionsprogramm aufgesetzt, um bereits in den Leistungszentren junge Spieler auf die Risikolage hinzuweisen. Es gibt Schulungsmaterial, Informationsveranstaltungen vor Ort und eine Vielzahl anderer Maßnahmen. Die Website gemeinsam-gegen-spielmanipulation.de bietet einen guten Überblick. Wir haben schon vor zwei Jahren einen Ombudsmann etabliert, an den sich ein Spieler wenden kann, wenn er angesprochen werden sollte.

Hat der Ombudsmann schon mal einen Anruf erhalten?

Es würde die Vertrauensrolle untergraben, wenn der Verband, der ihn beauftragt hat, solche Informationen öffentlich weitergeben würde.

Aber der Fußball ist gefordert.

Wenn ich die ersten Politiker höre, die reflexartig fordern: Das Problem muss der Fußball lösen, kann ich nur sagen, das ist an Naivität nicht zu übertreffen. Wir sind keine Ermittlungsbehörde, und illegale Wettbüros in Asien neigen nicht dazu, sich an Überwachungssysteme anschließen zu lassen. Mit Wettmanipulation verbindet man ja immer: Es gibt ein sensationelles Ergebnis, das keiner auf dem Schirm hat, und irgendjemand verdient ganz viel Geld. In Wahrheit ist Geldwäsche in Milliardenhöhe die eigentliche Herausforderung.

Wie Sie sagen: Es geht um Geldwäsche und die organisierte Kriminalität. Konzerne wie Siemens unterhalten nach Korruptionsfällen große Compliance-Abteilungen. Auch im Fußball gibt es viele Gelegenheiten zu unlauteren Geschäften. Müssen die Verbände mehr tun, um den Fußball zu schützen?

Die Integrität des Wettbewerbs zu bewahren steckt in der DNA der DFL. Die Glaubwürdigkeit des Fußballs ist extrem relevant für die Akzeptanz bei den Fans, aber auch bei Geschäftspartnern. Welch fatale Folgen das hat, wenn die Integrität erst mal substantiell beschädigt ist, sehen Sie am Radsport. Dort wird in 50 Jahren der Zweifel noch mitfahren. In unserem Fall versuchen wir alles dafür zu tun, dass der Zweifel nicht mitspielt. Das ist schon im Lizenzierungsverfahren so angelegt.

Wie meinen Sie das?

Dass wir durch unser Verfahren den Rahmen setzen, um den Wettbewerb zu schützen. Wenn ein Klub nach zehn Spieltagen in Insolvenz ginge, dann hätte er über seine Verhältnisse gelebt und womöglich einen Kader zusammengestellt, den er sich nicht leisten konnte, und damit den Wettbewerb verzerrt. Das ist nicht im Sinne der Liga. Auch wenn eine völlig unnatürliche Zuführung von Geldmitteln über Nacht bei einem Klub passiert, dann ist es für die anderen Klubs, die dadurch sportlich überholt werden, schwer. Finanzdoping nimmt Klubs die Möglichkeit, ihre sportliche Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen. Das macht es um so schwerer, in Stadien und Nachwuchsleistungszentren zu investieren, und führt zwangsläufig zur Stagnation einer Liga. Selbst die Premier League, die jahrelang den freien Markt als Maß aller Dinge gepriesen hat, erkennt nun, dass ein gewisses Maß an Regulierung sinnvoll ist.

Fühlen Sie sich bei Wettmanipulation ausreichend gut aufgestellt?

Wir tun alles, was in unserer Macht steht. Unser Projekt der Prävention von Spielmanipulation wurde zum Beispiel von der EU aufgegriffen und soll mit EU-Mitteln in sechs weiteren Staaten aufgebaut werden.

Mehr zum Thema

In der kommenden Woche startet die Champions League wieder. Mit Bayern, Dortmund und Schalke sind drei Bundesligaklubs im Achtelfinale. Gerade haben Sie verkündet, dass der Umsatz der Bundesliga nun erstmals mehr als zwei Milliarden Euro beträgt. Wann wird die englische Premier League überholt?

Meinen Sie sportlich, wirtschaftlich oder gesellschaftlich?

Suchen Sie sich etwas aus.

1 | 2 | 3 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
FC Liverpool im Finale Klopps Stern strahlt an der Anfield Road

Die englischen Medien huldigen Trainer Jürgen Klopp nach dem Einzug ins Finale der Europa League. Ganz anderer Meinung ist der Coach des Gegners, der scharfe Kritik äußert. Klopps Antwort ist ebenso deutlich. Mehr Von Tobias Rabe

06.05.2016, 10:29 Uhr | Sport
Fußball Fernsehrechte sollen Bundesliga Milliarden bringen

Die Erlöse aus dem Verkauf der Fernsehrechte werden für die Vereine der Bundesliga immer wichtiger. In der laufenden Saison nehmen die 36 Erst- und Zweitliga-Klubs so 826 Millionen Euro ein. Die Vergabe der Fernsehrechte soll der Fußball-Bundesliga von der Saison 2017/18 an jedes Jahr einen Milliardenerlös bringen, gab die DFL am Dienstag bekannt. Mehr

12.04.2016, 17:19 Uhr | Sport
Eichlers Eurogoals Wer braucht schon noch Superstars?

Die größten Stars der Fußballwelt schreiben auch die besten Geschichten? Mitnichten! In England wird ein Algerier zum besten Spieler gewählt. Ein Balljunge greift in der Primera Division ein – und ein Drittligaprofi erzielt das Tor des Jahres. Mehr Von Christian Eichler

25.04.2016, 14:20 Uhr | Sport
Bundesliga Spannung in Gladbach

Am vorletzten Spieltag der Fußball-Bundesliga-Saison stehen sich Gladbach und Leverkusen gegenüber - und Gladbach will sich für die Champions League qualifizieren. Mehr

06.05.2016, 16:22 Uhr | Sport
Klopp und Liverpool Wir brauchen nicht mal ein Wunder

Liverpool muss im Halbfinale der Europa League gegen Villarreal ein 0:1 wettmachen. Trainer Klopp setzt auf die Heimstärke an der Anfield Road – und überraschend auch wieder auf einen Deutschen. Mehr

05.05.2016, 16:02 Uhr | Sport
Umfrage

Wie weit kommt das DFB-Team bei der EM 2016?

Alle Umfragen

Bitte aktivieren Sie ihre Cookies.