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Christian Seifert im Gespräch „Die Uefa kann massiv Schaden nehmen“

Christian Seifert ist der Mann an der Spitze der DFL. Im FAZ.NET-Interview spricht er über den Kampf gegen Wettbetrug, die wachsende Kraft der Bundesliga, Geld-Injektionen - und die zweifelhafte Macht der Qatar-Connection.

© firo Sportphoto Vergrößern Ansichtssache: Der Fußball ist für die meisten pure Unterhaltung geblieben - für einige aber ist er ein Spielfeld für Manipulationen und Wettbetrug

Europol hat mit seinen Zahlen zu Spielabsprachen und Wettbetrug für Aufsehen gesorgt. Welche Abwehrmaßnahmen hat die Liga?

Wir haben als Liga bereits nach dem Hoyzer-Skandal gemeinsam mit dem DFB getan, was man als Sportliga tun kann. Wir waren die erste europäische Liga, die in ein Überwachungssystem investiert hat. Seit 2005 gilt ein Wettverbot für Spieler, Trainer, Schiedsrichter und bestimmte Funktionsträger. Wir haben außerdem 2010 mit Transparency International ein Präventionsprogramm aufgesetzt, um bereits in den Leistungszentren junge Spieler auf die Risikolage hinzuweisen. Es gibt Schulungsmaterial, Informationsveranstaltungen vor Ort und eine Vielzahl anderer Maßnahmen. Die Website gemeinsam-gegen-spielmanipulation.de bietet einen guten Überblick. Wir haben schon vor zwei Jahren einen Ombudsmann etabliert, an den sich ein Spieler wenden kann, wenn er angesprochen werden sollte.

Hat der Ombudsmann schon mal einen Anruf erhalten?

Es würde die Vertrauensrolle untergraben, wenn der Verband, der ihn beauftragt hat, solche Informationen öffentlich weitergeben würde.

Aber der Fußball ist gefordert.

Wenn ich die ersten Politiker höre, die reflexartig fordern: Das Problem muss der Fußball lösen, kann ich nur sagen, das ist an Naivität nicht zu übertreffen. Wir sind keine Ermittlungsbehörde, und illegale Wettbüros in Asien neigen nicht dazu, sich an Überwachungssysteme anschließen zu lassen. Mit Wettmanipulation verbindet man ja immer: Es gibt ein sensationelles Ergebnis, das keiner auf dem Schirm hat, und irgendjemand verdient ganz viel Geld. In Wahrheit ist Geldwäsche in Milliardenhöhe die eigentliche Herausforderung.

Wie Sie sagen: Es geht um Geldwäsche und die organisierte Kriminalität. Konzerne wie Siemens unterhalten nach Korruptionsfällen große Compliance-Abteilungen. Auch im Fußball gibt es viele Gelegenheiten zu unlauteren Geschäften. Müssen die Verbände mehr tun, um den Fußball zu schützen?

Die Integrität des Wettbewerbs zu bewahren steckt in der DNA der DFL. Die Glaubwürdigkeit des Fußballs ist extrem relevant für die Akzeptanz bei den Fans, aber auch bei Geschäftspartnern. Welch fatale Folgen das hat, wenn die Integrität erst mal substantiell beschädigt ist, sehen Sie am Radsport. Dort wird in 50 Jahren der Zweifel noch mitfahren. In unserem Fall versuchen wir alles dafür zu tun, dass der Zweifel nicht mitspielt. Das ist schon im Lizenzierungsverfahren so angelegt.

Wie meinen Sie das?

Dass wir durch unser Verfahren den Rahmen setzen, um den Wettbewerb zu schützen. Wenn ein Klub nach zehn Spieltagen in Insolvenz ginge, dann hätte er über seine Verhältnisse gelebt und womöglich einen Kader zusammengestellt, den er sich nicht leisten konnte, und damit den Wettbewerb verzerrt. Das ist nicht im Sinne der Liga. Auch wenn eine völlig unnatürliche Zuführung von Geldmitteln über Nacht bei einem Klub passiert, dann ist es für die anderen Klubs, die dadurch sportlich überholt werden, schwer. Finanzdoping nimmt Klubs die Möglichkeit, ihre sportliche Leistungsfähigkeit richtig einzuschätzen. Das macht es um so schwerer, in Stadien und Nachwuchsleistungszentren zu investieren, und führt zwangsläufig zur Stagnation einer Liga. Selbst die Premier League, die jahrelang den freien Markt als Maß aller Dinge gepriesen hat, erkennt nun, dass ein gewisses Maß an Regulierung sinnvoll ist.

Fühlen Sie sich bei Wettmanipulation ausreichend gut aufgestellt?

Wir tun alles, was in unserer Macht steht. Unser Projekt der Prävention von Spielmanipulation wurde zum Beispiel von der EU aufgegriffen und soll mit EU-Mitteln in sechs weiteren Staaten aufgebaut werden.

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Veröffentlicht: 11.02.2013, 13:20 Uhr

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