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Veröffentlicht: 11.05.2014, 20:52 Uhr

Chaoten bei Dynamo Dresden „Ihr habt eine Stunde, um die Stadt zu verlassen“

Dynamo Dresden muss den Gang in die dritte Liga antreten. Anhänger des Vereins reagieren mit Gewalt: Erst sorgen sie mit Böllerwürfen für eine Spielunterbrechung, dann bedrohen sie die eigene Mannschaft.

© dpa Chaoten aus dem Dresdner Block legen mehrere Feuer

Fassungslosigkeit und lähmendes Entsetzen: Das Kapitel 2. Fußball-Bundesliga ist für die SG Dynamo Dresden beendet. Das Team von Trainer Olaf Janßen unterlag am Sonntag im von einer Spielunterbrechung überschatteten Abstiegsgipfel gegen Arminia Bielefeld 2:3 (0:1) und steigt damit in die 3. Liga ab. Fabian Klos (42./63. Minute) schoss Bielefeld in Front. Die Treffer von Mickaël Poté (65.) und Robert Koch (75.) schienen Dynamo zu retten, doch Kacper Przybylko machte in der 76. Minute das Dresdner Zweitliga-Aus perfekt.

„Wir versinken in einer Depression. Was hier passiert ist, ist der absolute GAU. Es ist jetzt nicht die Zeit, um sachliche Analysen zu machen“, konstatierte Sport-Geschäftsführer Ralf Minge sichtlich um Fassung bemüht. Und dann musste er auch noch die Bedrohung der Spieler durch einige Chaoten unter den aufgebrachten Fans kommentieren. Die Anhänger entrollten auf der Tribüne ein Transparent mit der Aufschrift: „Ihr habt eine Stunde, um die Stadt zu verlassen.“ Minge reagierte alarmiert: „Solche Drohungen der Fans muss man immer ernst nehmen.“

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Bielefeld trifft nun in zwei Relegationsspielen am kommenden Freitag und dem darauffolgenden Montag auf den Dritten der 3. Liga, Darmstadt 98. Bielefelds Thomas Hübener (37.) und Dresdens Cheikh Gueye (59.) mussten jeweils mit Gelb-Rot vom Feld. Die Partie war überschattet von einer 15-minütigen Spielunterbrechung. Dresdner Chaoten hatten nach dem 2:0 für Bielefeld Böller auf das Spielfeld geworfen und dabei die Gesundheit der Akteure nachhaltig gefährdet.

Janßen überrascht mit Ouali

„Was soll ich dazu noch sagen? Das ist der bitterste Moment meiner Karriere“, sagte Koch, ehe er in Tränen ausbrach und in der Kabine verschwand. Auch Janßen war tief betroffen: „Dass ich derjenige bin, der mit dieser Mannschaft abgestiegen ist, trifft mich sehr. Es ist meine größte sportliche Niederlage, die extrem wehtut.“

Janßen hatte für den Gegner eine Überraschung parat, da Mittelfeldspieler Idir Ouali überraschend auflief. Der Franzose hatte sich vor wenigen Wochen einen Syndesmosebandanriss im Sprunggelenk zugezogen und wurde unerwartet zum Abstiegsgipfel fit. Beide Mannschaften begannen im „Alles-oder-Nichts“-Spiel extrem nervös. Sie leisteten sich viele kleine Fehler und spielten kaum strukturiert nach vorn.

Bei Dynamo regiert Verunsicherung

Zunächst hatte Bielefeld die besseren Möglichkeiten, als Tom Schütz in der 10. Minute knapp am linken Pfosten vorbeischoss. Drei Minuten später traf Klos aus der Drehung die Latte. Auf der Gegenseite hatten Sebastian Schuppan (19.) und Anthony Losilla (43.) die besten Möglichkeiten, doch beide trafen den Kasten nicht.

SG Dynamo Dresden - Arminia Bielefeld Nach dem Abpfiff herrscht bei den Dynamo-Spielern Enttäuschung und Trauer © dpa Bilderstrecke 

Nach einem wiederholten Foulspiel vom ehemaligen Dynamo-Kapitän Hübener an Poté und dem darauffolgenden Platzverweis waren die Gastgeber eigentlich im Vorteil. Doch die Arminia nutzte die Situation und schoss den Führungstreffer. Cristian Fiel war es zu verdanken, dass Bielefeld nicht sogar schon 2:0 führte. Der Routinier rettete kurz vor der Pause abermals gegen Klos auf der Linie.

In der zweiten Hälfte hatten die Hausherren zunächst keinen neuen Plan gegen zehn Gegenspieler an der Hand. Die Mannschaft wirkte durch den Rückstand extrem verunsichert, die Arminia konterte mit einem Mann weniger. Dann musste Gueye nach wiederholtem Foulspiel ebenfalls vom Platz.

Lähmendes Entsetzen

Nach dem 0:2 drehten einige Unverbesserliche im Glücksgas Stadion durch und zündeten Rauchbomben, Leuchtraketen und Böller. Deshalb unterbrach der Schiedsrichter die Partie in der 63. Minute. Benjamin Kirsten und Toni Leistner versuchten, die Chaoten zu beruhigen, hatten aber keinen großen Erfolg und wurden beschimpft.

Das schnelle 1:2 nach dem Wiederanpfiff versetzte Dynamo in einen kurzen Rausch. Schuppan traf nur zwei Minuten danach mit einem Freistoß die Latte des Bielefelder Tores, ehe Koch nach einer schönen Kombination traf. Doch die Freude dauerte nur wenige Sekunden, dann schlug Bielefeld nach einem Fehler der Dresdner Hintermannschaft zurück. Von diesem Schock erholte sich Dynamo nicht mehr, obwohl sich noch Möglichkeiten zum wiederholten Ausgleich ergaben.

Nach dem Schlusspfiff herrschte im weiten Rund lähmendes Entsetzen. Die Spieler lagen auf dem Rasen und ließen teilweise den Tränen freien Lauf. Auf den Rängen detonierten abermals Böller. Nach der Partie verließ der Bielefelder Mannschaftsbus unter Polizeischutz das Gelände. Ein Großaufgebot von 1000 Polizeibeamten sorgte für Ordnung um das „Glücksgas Stadion“ und auch in der Stadt.

Quelle: FAZ.NET/DPA

 

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